Aus reinem Interesse an einer erneuten Aufarbeitung des Themas kaufte ich mir das Buch über die große Zeit der Luftschiffe. Da ich aber bereits über eine gewisse Anzahl von Büchern zu diesem Fachbereich verfüge, hatte ich die Möglichkeit zu vergleichen. Das Resultat war enttäuschend. Flynns Werk hat nicht wirklich Format, scheint schlampig recherchiert. Mehr noch, Quellenangaben fehlen ganz, es ist also nicht ersichtlich, wie Flynn zu seinen Erkenntnissen über die Zeppeline gelangt. Das wäre verzeihbar, wenn einige Behauptungen, die Flynn so nebenbei aufstellt nicht maßlos übertrieben, wenn nicht sogar vollkommen falsch wären. Beim Autor siegen anscheinend mehr als einmal Sensationslust und Oberflächlichkeit über Gründlichkeit. Flynn schreibt stellenweise wie ein übermotivierter Jounalist der yellow-press. Hier ein Beispiel, von vielen: "Luftschiff Zeppelin- Eins, oder LZ1, stieg am 2.Juli 1900 in den Himmel. Leider war ihm kein langer Aufenthalt in der Luft beschieden, als das Unglück hereinbrach und das Luftschiff sich langsam der Wasseroberfläche näherte. Zeppelins Enttäuschung war um so größer, als die LZ1 dabei mit einer Boje kollidierte und in Stücke gerissen wurde. Unbeirrt kehrte Zeppelin an sein Zeichenbrett zurück, wo er die nächsten vier Jahre bis zum Start seiner LZ2 verbrachte." Soweit der Textauschnitt. Flynn spricht von einem "Unglück", das "hereinbricht", geht aber nicht darauf ein. Die Frage, was eigentlich passierte, bleibt also unbeantwortet, der Leser muss andere Bücher zur Rate ziehen. Laut Flynns Beschreibung näherte sich daraufhin die LZ1 der Wasseröberfläche, um zu landen und kollidiert dabei mit einer Boje. Dies aber ist zeitlich falsch dargestellt. Die LZ1 war bereits gelandet, als es durch den böigen Wind gegen die "Boje" getrieben wurde. (Nebenbei bemerkt handelte es sich nicht um eine "Boje", wie Flynn behauptet, sondern um einen Fischernetzpfahl.) Fatal aber ist, dass Flynn meint, das Luftschiff sei dabei in Stücke gerissen worden und fortfährt, Zeppelin wäre (scheinbar von diesem Unglück) unbeirrt ans Zeichenbrett zurückgekehrt. Dem Leser wird der falsche Eindruck vermittelt, LZ1 sei durch den zusammenstoß mit dem Pfahl vollkommen zerstört worden. In Wirklichkeit aber handelte es sich um eine ganz unbedeutende Havarie, die durch den Pfahl entstand (nachzulesen im Originalbericht über den Fahrversuch, wie er z.B. in Hans G. Knäusels LZ1, Der erste Zeppelin, abgedruckt ist). LZ1 unternahm noch 2 weitere Fahrversuche, ehe es wegen Geldmangel etwa ein Jahr nach dem ersten Aufstieg demontiert wurde. Bemerkenswert, wie es Flynn gelang so viele Übertreibungen und Verdrehungen in eine so kurze, zusammenhängende Textstelle zu "pressen". Dies war nur ein Beispiel, von mehreren weiteren. Das ganze Buch wirkt demnach sehr unprofessionell. Hinzu kommt, dass es keine Schwierigkeit ist, es in etwas mehr als einer Stunde komplett durchzulesen. Gut, die Einen mögen die vielen Bilder wohl schön finden, aber die Information bleibt dafür auf der Strecke. Denjenigen, die am Thema wirklich interessiert sind, kann ich nur raten die Finger von diesem Buch zu lassen. Zwar ist es relativ billig, das Preis-Leisungs-Verhältnis aber ist trotzdem miserabel. Es gibt wirklich weitaus bessere Bücher zum Thema Zeppelin.