32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Endlich wieder ein Meister!, 22. Februar 2002
Von Ein Kunde
Gregor Hens Debütroman 'Himmelssturz' erzählt die Geschichte einer
Konstellation von 4 Menschen,
die der in Goethes
'Wahlverwandtschaften' nicht unähnlich ist. Skye und Farald sind ein
erfolgreiches Paar,
das zwar nie geheiratet hat, aber durch die
besonderen Gesetze des amerikanischen Bundesstaates, wo sie
leben,
gesetzlich als verheiratet gelten (weil sie länger als 7
Jahre zusammenleben). Skye ist reiche Erbin,
Kunstsammlerin und
Bankangestellte, eine elegante Erscheinung mit recht kühlem, aber
gleichbleibendem Charakter.
Farald ist Literaturprofessor an der
sog. 'Kauffman University'.
Ein Traumpaar also. Dazu gesellt sich
Antonin, ein Architekt, der aus Puertorico stammt, und
die
legendären Gebäude der 'Kauffman University' gemäß den
eigensinnigen Vorstellungen der Stifter geschaffen hat.
Sein
aktuelles Projekt aber ist das neue Wohnhaus für Skye und Farald,
welches den Bedürfnissen und
Gewohnheiten des Paares absolut
entspricht und daher als Sinnbild ihrer Beziehung gelten
kann.
Eines Tages erscheint eine junge Studentin namens Helene in
Faralds Büro und bringt die gesamte Ordnung durcheinander.
Farald
entdeckt durch sie, daß seine Ehe mit Skye eine Farce ist und sie das
Haus niemals gemeinsam beziehen würden.
Erzählt wird aus der
Sicht Faralds, der mit einem gewissen literarischen Ehrgeiz versucht,
seine Geschichte
absolut souverän darzustellen, doch erkennt er
selbst die Grenzen dieses Unterfangens, sich selbst
zum Gegenstand
eines Berichtes zu machen. Immer wieder brechen subjektive Momente in
seine Erzählung ein, Schweißausbrüche, alltägliche Kleinigkeiten,
sexuelle Erlebnisse.
Seine Figuren fasst Hens nicht zu stark
an. Sie scheinen tatsächlich ein Eigenleben zu führen. Trotzdem habe
sie deutliche Konturen.
In der Schilderung vieler alltäglicher
Szenen liegt eine Stärke dieses Romans: oft schmunzelt man, wenn
Farald Dinge widerfahren, die man sonst niemandem
erzählen würde,
weil man sie nicht für kommunikabel hält. Der ganze Roman ist sehr
fesselnd geschrieben, er kann
einen packen und läßt dann nicht
mehr los. Das Tempo stimmt, es kaum Längen. Das Gefüge ist ein äußerst
kunstvoll gestaltetes
Gebilde aus verschiedenen Erzählebenen,
-perspektiven, räumlichen und zeitlichen Ebenen, doch verliert man nie
den Faden.
Ich kann die Lektüre dieses Meisterwerks nur dringend
empfehlen. Es handelt sich um ein Stück große Erzählkunst, wie
sie
heutzutage fast vergessen ist.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ungreifbar, 5. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Himmelssturz: Roman (Taschenbuch)
Der Autor dieses Buches hat offenbar eine Abneigung davor, Dinge eindeutig zu beschreiben. Ein Paar, dazu zwei Menschen von außerhalb, und irgendetwas passiert zwischen den vieren - was genau, ist der Phantasie des Lesers weitgehend überlassen. Das könnte reizvoll sein, wenn den Figuren erzählerisches Leben eingehaucht worden wäre. Aber die Hauptfiguren handeln nicht und gewinnen auch keine Kontur. Dass Skye, die Frau des Ich-Erzählers "anmutig" ist, erfahren wir nur aus genau diesem Attribut, nicht dadurch, dass sie anmutig handelt oder spricht. (A propos Sprechen: Das Kaschieren wörtlicher Rede hat hier ein Ausmaß angenommen, das geradezu peinlich maniriert ist, etwa so: "Bis Skye seine Hand wegschob und sagte. Lass uns doch einfach mal schauen." Normal sähe das so aus: "Bis Skye seine Hand wegschob und sagte: "Lass uns doch einfach mal schauen."" Das wirkt dann nämlich so, wie es ist: banal. Hens' Layout dagegen tut so, als stünde da noch ganz viel ungesagtes dahinter.) Und so geht es im ganzen Buch: Nichts wird dargestellt, vieles behauptet. Und der Mangel an sinnlicher Erzählung wird keineswegs durch eine sinnliche Sprache aufgewogen, eine Sprache etwa, die Dinge entdeckt oder einen spezifischen Ton hat. Kurz: Mir ist die Begeisterung, mit der dieses blasse Buch aufgenommen wurde, ganz und gar nicht nachvollziehbar. Und der Titel: Mein Gott, ist der nicht etwas großspurig für eine Beziehungsgeschichte? Das ist schließlich mein Haupteinwand: Dass eine Beziehungsgeschichte erzählt werden soll, ohne die Menschen, die zueinander in Beziehung stehen, zu konturieren. Hatten wir zwar noch nicht, ist also was neues, aber was soll es bringen?
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