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von Gregor Hens
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Schnell zeigen sich Haarrisse in der Fassade des idealen Paares und zu dem Zeitpunkt, als uns Farald die Geschichte -- oder (s)einen Teil davon -- erzählt, ist die allerdings schicksalhafte Katastrophe bereits passiert. Wie er und Skye sich auseinander gelebt haben, wird dabei nur angedeutet; vielleicht hat ja ihr gemeinsamer Freund, der Architekt Antonin, Recht, für den "Aussichtsmenschen" und "Deckungsmenschen" einfach nicht zusammenpassen. Oder liegt es an Helene, der jungen Deutschen, die Farald auf mysteriöse Weise an seine Kindheit in der Alten Welt erinnert und ihn so seiner durch und durch amerikanischen Frau entfremdet?
Jedenfalls wachsen die Vorbehalte des Professors gegenüber seinem Lebensentwurf und seiner Umgebung fast mit jeder Seite. Sobald er den Campus, "dieses andere, kühlere Land", verlässt, findet er sich in einer Konsumhölle wieder, in der Schuldenmachen eine Tugend und die Mitgliedschaft im Automobilklub staatsbürgerliche Pflicht ist. In der klimatisierten Kunstwelt der Shopping-Malls tobt sich "der Wohlstand der Clinton-Ära" aus, während draußen "nichts als diese unerträgliche, monströse Hitze" ist. Weder Farald noch der aus Puerto Rico stammende Antonin werden in diesem unwirklich-unwirtlichen Amerika jenseits der Metropolen am Ende richtig heimisch. Selbst die vermeintliche Oase des Geistes, die Kauffman-Universität, entpuppt sich als Schauplatz von Prüfungsfarcen und erstickender Bürokratie.
Das alles ist nun nicht besonders neu, aber trotzdem schlägt uns der Sprachmagier Gregor Hens in seinen Bann. Und wie bei jedem guten Zauberkunststück kann man nicht genau sagen, wie der Trick funktioniert. Sind es die kurzen, kürzesten Sätze, in denen jedes Wort passt; eine bald behutsame, bald zupackende Prosa; ein Tonfall, der scheinbar mühelos zwischen sarkastischer Sozialkritik und elegischen Tagträumereien variiert? Es könnte auch an der raffinierten Erzählkonstruktion liegen, in der sich die Zeit- und Erinnerungsebenen überlagern, ohne dass es je aufdringlich kunstvoll wirkt.
So gut das Verknappen, Andeuten, Weglassen über weite Strecken funktioniert -- die Figur Skyes bleibt für meinen Geschmack zu schemenhaft. Deshalb ist die beste Liebesgeschichte eigentlich die, die Helene einmal von ihrem Bruder erzählt. Die ist zugleich schreiend komisch und todtraurig und spielt -- nanu! -- in Los Angeles. --Patrick Fischer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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