Die Ich-Erzählerin ist Geowissenschaftlerin, forscht über Wolken und erwartet von einem kürzlich in ihr Leben getretenen Freund ein Kind. Sie erzählt in Rückblicken von ihrer Kindheit und ihrem Leben als Jugendliche, von ihrem Bruder, ihren Eltern und - ganz zentral - von ihren Großeltern. Die Großeltern flüchteten 1945 mit ihrer kleinen Tochter aus Pommern (Gotenhafen), auf einem Schiff, das etwa zeitgleich wie das später versenkte Flüchtlingsschiff "Wilhelm Gustloff" ablegte. Die Geschichte dreht sich zunächst um Ausflüge der Erzählerin in den Wald hinter ihrem Elternhaus in Berlin-Zehlendorf, um die sich wandelnde Beziehung zu ihrem Zwillingsbruder, um die nächtlichen Treffen ihres Vaters mit holden "Waldgeistern", um die Behandlung des Themas "Drittes Reich" in der Schule in "Geschi", um die erste Liebe, um eine heimliche Jugendliebe der Mutter und um eine Reise nach Krakau auf den Spuren eines verstorbenen Onkels.
Anlässlich eines Ereignisses auf der Flucht der Großeltern, das erst gegen Ende des Buchs und kurz vor dem Versterben der Großmutter von dieser offenbart wird, zeigt sich die tatsächliche Verstrickung der Großeltern in das Unrecht des Dritten Reichs. Durch einige Andeutungen war sie zuvor schon allmählich erahnbar geworden. Das Verhalten der Großeltern scheint klein, harmlos und fast nachvollziehbar - aus heutiger Sicht aber dennoch als kaum verzeihliche Schuld. Wie sich schließlich herausstellt wird die Erzählerin sich in ähnlicher Weise schuldig machen wie einst ihre Großeltern - ebenfalls durch kleine, harmlose Verhaltensweisen, von denen sie weiß, dass sie nicht ganz richtig sind, von denen sie mangels Mut dennoch nicht abweicht.
In dem Roman geht es darum, das "Dritte Reich" und seine Auswirkungen in das Leben einer heute etwa Dreißigjährigen hineinzuholen. Es geht auch um die Art und Weise, wie die Großeltern nachträglich mit ihrer Schuld umgingen - nicht indem sie ihr Verhalten rückblickend anders beurteilten, sondern indem sie es verschwiegen, vielleicht weil es peinlich oder anstößig hätte erscheinen können. Als den schrecklichsten Moment ihres Lebens bezeichnet die Großmutter kurz nachdem ihr Mann verstorben ist, die Flucht aus Pommern, die sie zwang, ihr Zuhause, ihre Möbel und ihren Hausrat zurückzulassen. Ähnlich traumatisch dürften viele im 2. Weltkrieg aus den Ostgebieten vertriebene Deutsche ihre Flucht erlebt haben, auch wenn es für den heutigen Leser schwer nachzuvollziehen ist.
Das Buch zu lesen ist, vor allem am Anfang, anstrengend bis ärgerlich. Die Sprache ist spröde und berichtsmäßig, und besonders schulbuchhaft sind die Erzählungen über die Details bei der Flucht dargestellt. Weder diese Ereignisse noch die aus dem Leben der Erzählerin sind wirklich anschaulich.
Aber dem Buch ist sein hölzerner Stil nur ein bisschen übel zu nehmen. Am Ende bleibt dennoch ein tiefer Eindruck. Während die Erzählungen der Großeltern ganz offensichtlich auf geschichtlichen Studien der Autorin fußen, sind die Erlebnisse der Ich-Erzählerin stark soziologisch gefärbt. An einigen Stellen macht die Autorin daraus keinen Hehl - etwa wenn sie die Wahrscheinlichkeit, dass die Erzählerin in ihrem Studiengang einen Liebhaber findet, oder die Wahrscheinlichkeit, wie die Großmutter an Krebs zu sterben, mit statistischen Zahlen untermauert. Die soziologischen Wahrheiten gehen aber an vielen Stellen in persönliche Beobachtungen der Autorin über. Die Leser, die sich in ihnen wiedererkennen, sind wiederum auf dem besten Wege, auch diese Beobachtungen zu allgemeinen Wahrheiten werden zu lassen. Das Verweben der Geschichte in die Gegenwart und das Aufzeigen, dass die soziologischen Regelmäßigkeiten von heute die nächsten historischen Erzählungen sein werden, funktioniert (wenn auch etwas holprig).