Die ersten beiden Romane von Rolf Dobelli fand ich ganz interessant, den neuen dagegen fand ich einfach nur langweilig. Positiv ist, dass Dobelli in "Himmelreich" nicht wieder nur aphoristische Sätze aneinander reiht, sondern tatsächlich auch eine Geschichte erzählt. Allerdings ist die Geschichte etwas konfus und unklar. Dobelli hat wahrscheinlich Filme von David Lynch gesehen und sich gedacht, dass er auch etwas mit wechselnden Identitäten machen könnte.
Die Geschichte hat zwei Versionen: 1. Himmelreich hat eine Geliebte und lässt sie für einen Job in New York im Stich. 2. Himmelreich wird von seiner Geliebten entführt. Beide Versionen hängen zusammen, weshalb ich mich am Schluss gefragt habe, was das ganze Konstrukt eigentlich bezwecken soll. Die Story ist eigentlich nur eine Spielerei ohne einen wirklich tieferen Sinn. Jemand irrt kafkaesk in einem Kreis herum, zwischen Realität und Traum, Sein und Schein. Mich erinnerte das an eine Escher-Treppe, die, wenn man oben ist, wieder von unten neu beginnt. Eine solche Treppe ist in der Realität natürlich unmöglich und so hat der Roman auch eine seltsame Pseudorealität.
Ausserdem ist der Banker Himmelreich als Figur auch nur mässig interessant, eigentlich nur eine Kopie vom Werber Gehrer, der Hauptfigur der ersten beiden Romane. Zudem hat die Figur starke Ähnlichkeiten mit Frischs Walter Faber.
Besonderes negativ finde ich, dass Dobelli sprachlich und erzählerisch ein persönlicher Stil weit gehend fehlt. Vielmehr imitiert er nach wie vor den Stil von Max Frisch. Wenn ich Max Frisch lesen will, dann lese ich das Original und nicht Dobelli. Die Anlehnung an "Homo Faber" ist mehr als offensichtlich. Man kann ja ein älteres Buch variieren, aber Dobelli ahmt den "Homo Faber" so penetrant nach, dass es nervt. Manche Ideen und Sätze sind an der Grenze zum Plagiat. Wenn die Entführung unbedingt nach Andorra und das Flugzeug unbedingt über Montauk fliegen muss, so ist der Frisch-Overkill endgültig erreicht.
Dobelli hat eine Firma, die Zusammenfassungen von Büchern erstellt. Bei der Lektüre hatte ich deshalb irgendwie den Eindruck, dass er sich auf verschiedenen Karteikärtchen Notizen aus anderen Büchern gemacht hat, die er nun in den Roman eingebaut hat. Die Prinzen singen: "Alles nur geklaut!". So weit würde ich nicht gehen, aber wirklich viel Neues und Originelles hat Dobelli leider nicht zu bieten.