Karl Kraus schrieb einst "Krieg ist zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, dass es dem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, dass es dem anderen auch nicht besser geht, und hernach die Überraschung, dass es beiden schlechter geht." und ganz im Sinne dieser Worte, eröffnet Friedrich Orter mit eben jenem Karl Kraus-Zitat sein neuestes Werk. Leser von Orters Verrückte Welt wissen bereits was hier zu erwarten ist und werden nicht enttäuscht, denn auch diesmal beweist Österreichs bekanntester Kriegsberichterstatter den qualitativen Unterschied zwischen Jornalisten die sich fern des Krisengebiets oft nur auf oberflächliche Recherchen stützen und den wahren Abenteurern der Branche, die sich direkt in die Hölle auf Erden begeben und für wenige Minuten Sendezeit ihr Leben aufs Spiel setzen.
Doch in Zeiten wo der Druck auf die Journalisten immer weiter steigt, einerseits exklusives Material zu liefern und anderenseits die Sendezeiten immer kürzer werden, detaillierte Berichte also außen vor bleiben, sind Bücher wie "Himmelfahrten Höllentrips" ein Segen und eine logischerweise notwendige Ergänzung der Nachrichten. Was alles in den minimalistischen Fernsehbeiträgen keinen Platz mehr finden darf, findet den Weg in Bücher wie dieses und schafft Respekt für den "Job" und jene Menschen die ihn ausüben. Friedrich Orter hat erneut Beiträge aus seiner Karriere von 1991 bis 2008 zusammengetragen und führt den Leser vom Balkan, über den Nahen Osten nach Pakistan und zurück in den Irak. Der Autor sucht dabei genauso die Christengemeinde Pakistans auf, der Chancen auf sozialen Aufstieg fast gänzlich verwehrt sind, wie er den Mythos Benazir Bhutto zu entzaubern vermag. Und er kommt dabei zum Schluss (S. 35) "Wer diesen Job macht, darf sich im Nachhinein nicht beklagen, er hätte um die Gefahren gewusst. Und sich auch nicht wundern, dass nach seiner Rückkehr keiner von 'Himmelfahrten und Höllentrips' die wenigsten zu Hause auch wirklich wissen wollen, wie es 'eigentlich gewesen' ist.
Verblüffend ist eher das echte oder nur gespielte Entsetzen friedensbewegter Zeitgenossen, die jede Armee für das schlechthin Böse halten. Dem ist nicht so. Die Völkermörder in Ruanda oder die massakrierenden Banden in Bosnien-Herzegowina hätte ein zeitgerechter Einsatz regulärer Truppenverbände stoppen können."
Nach dem Balkan (das Hauptthema von Verrückte Welt) widmet sich Orter nun mit besonderen Fokus Pakistan und dem Irak, so hat er dem Werdegang Abu Musab Al Zarkawis bis nach Jordanien nachgespürt und zugleich im Nordirak einen interessanten Einblick in die Autonomiebestrebungen der Kurden erhalten. Auch wenn die Irak-Invasion der USA bisher nicht von Erfolg geprägt war, Teilsiege im Kampf gegen den Terror konnte man allerdings erringen, wie der ORF-Reporter zu berichten weiß. So haben die USA Waffen und Geld an sunnitische Nationalisten und Stammesfürsten geliefert, um die Aufständischen der Al Kaida zurückzudrängen und es ist gelungen, zumindest für geraume Zeit, denn nach wie vor sind viele Existenzen ruiniert, die Lage aussichtslos und die Arbeitslosen ein potentielles Reservoir für die Anhänger Osama Bin Ladens.
Es ist schade dass Verrückte Welt bisher nicht als Taschenbuch aufgelegt wurde und auch das Hardcover derzeit vergriffen ist, denn Friedrich Orter ist ein Autor und Reporter der sein Werk versteht. Die bereits sehr plastischen Darstellungen werden dabei noch um zahlreiche Fotos ergänzt, die sich im Gegensatz zu Verrückte Welt diesmal eher "harmlos" ausnehmen und eine geköpfte Leiche nirgendwo mehr zu finden ist. Durch seinen nüchternen Stil zwingt Orter dem Leser keine klaren Perspektiven auf, er erstattet eigentlich nur Bericht von seinen Erlebnissen und den Vorgängen in den von ihm aufgesuchten Ländern, doch genau dadurch fordert er es auch heraus, dass man sich selbst Gedanken macht.
Fazit:
Etwas "entschärfter" als sein Vorgängerwerk Verrückte Welt ist Himmelfahrten Höllentrips dennoch eine hochkarätige Reportage. Dessen ungeachtet lässt sich der Autor es nicht nehmen, zumindest objektiv die gegenwärtige Reduzierung von Nachrichtenbeiträgen auf ein Minimum anzugreifen