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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bestandsaufnahme religiöser Befindlichkeit,
Rezension bezieht sich auf: Der Himmel ist kein Ort (Gebundene Ausgabe)
Mich hat die Geschichte über die existentielle Krise eines jungen evangelischen Pfarrers, der eine Pfarrstelle in der Provinz angetreten hat, sehr angerührt. Mit sich allein und verlassen von seiner Freundin, die sich ein Leben als Pfarrfrau nicht vorstellen kann, versucht er, seinem Beruf so gut wie möglich nachzukommen. Als er aber als Notfall-Seelsorger zu einem schweren Autounfall gerufen wird, beginnen seine Zweifel an sich und an seiner Religion. Wellershoff hat dieses persönliche Dilemma sehr einfühlsam dargestellt, samt den Fragen und Unsicherheiten moderner Christen heute. Es wird kein Kriminalfall gezeichnet, sondern eine Art Bestandsaufnahme von religiösen Befindlichkeiten in unserer modernen Zeit. Das kann einen sehr nachdenklich stimmen!
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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sprachliches Meisterwerk,
Rezension bezieht sich auf: Der Himmel ist kein Ort (Gebundene Ausgabe)
Dieter Wellershoff, Weggefährte der großen deutschen Nachkriegsautoren Heinrich Böll, Günter Grass und Siegfried Lenz, hat seinen Lesern noch einmal ein großes Geschenk gemacht. Neun Jahre nach seinem grandiosen Roman "Der Liebeswunsch" ist nun noch einmal ein Buch des über achtzigjährigen Kölner Autors erschienen."Der Himmel ist kein Ort" erzählt von den Zweifeln eines evangelischen Pfarrers. Pfarrer Hinrichsen ist noch nicht heimisch in seiner großen Vorstadtgemeinde. Zu groß die Fußstapfen des Vorgängers in die er tritt, zu wenig verbindlich ist seine grüblerisch-nachdenkliche Art. Im Rahmen eines Einsatzes bei der Notfallseelsorge muss Hinrichsen bei einem schweren Unfall Beistand leisten. Der Realschullehrer Karbe hat sein Auto in einen Fluß gelenkt. Dabei kommt dessen Frau ums Leben und der gemeinsame Sohn fällt ins Koma. Der Unfall wirft viele Fragen auf und Hinrichsen sieht sich bald inmitten einer schwelenden Gerüchteküche. War es wirklich ein Unfall? Oder hat Karbe den Wagen bewusst in den Fluss gelenkt? Die Gemeinde erwartet Antworten und eine eindeutige Positionierung ihres Pfarrers. Doch Hinrichsen will nicht vorschnell ein Urteil fällen. Er bemüht sich um Karbe, hört sich um. Manches wird an ihn herangetragen, was seine eigene Unschuldsvermutung ins Wanken bringt. Aber eigentlich ist dieses Erlebnis für Hinrichsen Anlass, seine eigenen Lebensentscheidungen zu überdenken. Glücklich ist er nicht, er hat große Zweifel an sich und seinem Amt. Er sieht sich plötzlich im Mittelpunkt verschiedener Erwartungen und spürt deutlich, dass er dem nicht gewachsen ist... Dieter Wellershoff hat mit Hinrichsen eine Figur geschaffen, die dem Leser fremd bleibt. So sehr Hinrichsen sich quälen muss, so schwer hat es auch der Leser mit ihm. Hervorragend fand ich das mit großer Souveränität geschilderte Umfeld, die wenigen Freunde, die sich um den aus dem Gleichgewicht geratenen Hinrichsen kümmern, die Gemeinde, die mit ihren Erwartungen zusätzlichen Druck ausübt. "Der Himmel ist kein Ort" ist ein sprödes Buch. Doch zugleich ein Buch voller wie in Stein gemeißelter sprachlicher Wunder. Dieter Wellershoff lässt den Leser nicht vom Haken, denn seine eleganten Formulierungen, die mit wenigen Sätzen so präzise und genau treffen, machen dieses Buch dennoch zu einem literarischen Geschenk! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein merk-würdiges Buch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Himmel ist kein Ort (Gebundene Ausgabe)
Ein merk-würdiges Buch - dieser Roman von Dieter Wellershoff. Im Alter von 83 Jahren hat der Altmeister sein wohl bedeutendstes Buch geschrieben.Es beginnt wie ein Kriminalroman, erzählt eine kleine Liebesgeschichte und endet mit einer großen "Auseinandersetzung" über das Leben und Gott und die Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht der junge Pfarrer Henrichsen, neu und ziemlich allein in einem riesigen Pfarrhaus; verlassen von seiner Freundin - und plötzlich konfrontiert mit einem Unfall, bei dem ein Frau ums Leben kommt und ein Kind ins Koma fällt. Wirklich ein Unfall? Oder ein Verbrechen - wie die Gemeinde schnell urteilen wird. Zeigt sich doch im Verlaufe der Recherchen, dass der Unfallfahrer Karbe, Realschullehrer, Anlass genug gehabt hätte, sich auf diese Weise seiner Frau und seines Sohnes zu "entledigen". Bewiesen ist jedoch nichts. Und so ist der Pfarrer derjenige, der schon kraft Amt für die Unschuldsvermutung plädieren muss. Und sich somit ins gesellschaftliche Abseits begibt. Aus dem Krimi entwickelt sich ein veritables Gesellschaftsdrama. Dieter Wellershoff findet dafür die richtigen Worte, die an die Substanz der Gemeinschaft und des Einzelnen gehen. Für Henrichsen heißt das: dass sich die latent vorhandene Sinn- und Lebenskrise, in der sich der Pfarrer befindet. verstärkt. Längst schon predigt er "mit dem lahmenden Rhythmus der Halbherzigkeit", feiert den Gottesdienst ohne rechte Überzeugung. Seine Glaubwürdigkeit ist so vor sich selbst und vor der Gemeinde infrage gestellt. In diese sowohl reale als auch psychologische Situation stellt Wellershoff den jungen Geistlichen vor ein weiteres Problem. Der von seiner Freundin verlassene Mann begegnet einer älteren Frau, die sich in ihn verliebt, ihn mit gefühlvollen Briefen bedenkt. Henrichsen lässt sich zumindest auf die Ferne darauf ein. Doch die Probleme eskalieren. Die Amtskirche wird tätig. Endgültig wird das Dilemma für Henrichsen als Teilnehmer an einem theologischen Seminar. Der Wendepunkt. Die von der Religion erhoffte Erlösung mit ihrer vielstimmigen Argumentation tritt nicht ein. "Der Himmel ist kein Ort", an dem sich die bittere Realität des Lebens festhalten kann. Und letztlich ist auch die Liebe - wie Henrichsen nach der Begegnung mit der argentinischen Geliebten feststellen muss - zum Fiasko. Und Karbe? Er wird Selbstmord begehen. Am Ende bleibt die Gewißheit, dass wir mit unseren Überzeugungen auf sehr brüchigem Boden stehen. Vielleicht aber ist es die Literatur, die trägt - wenn sie so daher kommt wie der Roman von Dieter Wellershoff. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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