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Der Himmel ist einssiebzig groß. Roman. ( Fischer Boot).
 
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Der Himmel ist einssiebzig groß. Roman. ( Fischer Boot). [Broschiert]

Martin Bettinger


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Produktbeschreibungen

Basler Zeitung, 14.05.1987

Martin Bettinger erzählt ein altes Thema auf eine neue Art: Wie jemand in die Welt zieht, um sein Ich dabei zu bilden. Wie er vor kleinen und großen Fehlern nicht zurückschreckt. Wie er die ersten und die letzten Fragen stellt, und keine Ruhe gibt, bis er eine Antwort erhält ... Das alles wird so humorvoll und unmittelbar, so authentisch und unverstellt erzählt, daß sich nicht nur Zwanzigjährige darin wiederfinden: Ein Buch über die Lust am Jungsein und den Schmerz, erwachsen zu werden."

SR Kulturspiegel, 10.11.1986

Ein erfrischendes Buch ... So alt wie sein Held, der Taugenichts Marius, und so jung, wie jeder von uns wieder sein möchte.

Kurzbeschreibung

"Der Himmel ist einssiebzig groß" beschreibt die Geschichte des jungen Marius, den es nach dem Abitur zu Hause nicht mehr hält. Er spürt "Kraniche unter der Haut" und zieht los, sein Land und seine "Hütte mit vier Südseiten" zu finden." Ein Buch über die Taten und Träume, Sehnsüchte und Ängste eines jugendlichen Helden. Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises.

Klappentext

Marius ist zwanzig, ein Taugenichts, ein Träumer, ein Clown am Trapez dieser Welt. Als ihm das Leben zwischen Theke und Hörsaal, fremden Betten und Fabriken zu eng wird, packt er seine Sachen und zieht los. Atlantis heißt sein Ziel und Süden seine Richtung.

Über den Autor

Martin Bettinger, Jahrgang 1957, studierte Literatur und Philosophie in Saarbrücken und Freiburg. Bekannt wurde er durch den Roman "Der Himmel ist einssiebzig groß" (Fischer), danach folgten der Gedichtband "Dachschaden" (Gollenstein) und die Romane "Der Panflötenmann" (Econ & List)und "Engelsterben" (Gollenstein). Nach mehreren Neuseeland-Aufenthalten erschien dort sein Erzählband "The Moon in the Gutter" (Rockland Press).

Auszug aus Der Himmel ist einssiebzig groß. Roman. ( Fischer Boot). von Martin Bettinger. Copyright © 1986. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Wie man ein Mädchen anspricht (Seite 43)

Also pass auf, Junge! Lange hinschauen ist schon verkehrt. Denk daran, du
bist nicht bei der Autoschau. Streif sie zwei-, dreimal beim Panoramablick,
bis du weißt, dass sie s auch ist. Dann stehst du auf und kommst ganz
zufällig bei ihr vorbei. Denk daran, du siehst sie jetzt zum ersten Mal,
das Hoppla muss dir ins Gesicht springen. Natürlich nicht wie Weihnachten,
aber so ein bisschen Staunemann kannst du schon reinlegen. So ein, zwei
Sekunden bist du sprachlos, dann eröffnest du mit einer Mischung aus lieb
und witzig. Wenn sie blöd oder gar nicht reagiert, lass sie stehen, manchen
ist nicht zu helfen. Wenn sie lacht oder nur irgendwie freundlich ausatmet,
bleibst du dran. Sag noch ein paar lustige Sachen, dass die Stimmung auch
stimmt. Aber hüte dich vor Sprüchen, die schon zwei Wochen auf jeder
Klowand stehen. Sei spontan und ein bisschen originell. Vielleicht hast du
mittags auch in den neuesten Sprüche-Kalender geschaut, macht sich immer
gut. Und wo du kannst, hängst du ne Frage dran, soll ja mal n Dialog
werden. So zwischen zwei Gags bestellst du zu trinken, den Keeper kennst du
natürlich mit Vornamen. Frag ruhig, ob sie auch noch was will. Wenn sie
jetzt schon ja sagt, kannst du s nachher abkürzen. Sagt sie nein, musst du
über die volle Distanz. - Du hast also zu trinken und prostest jetzt auf
was Nettes. Auf dass sie ihr liebes Lächeln nicht verliert, irgend so was.
Aber mit dem Glas nur andeuten. Wenn sie anstoßen will, ist das ihre Sache.
Du drängst dich nicht auf, hast du nicht nötig. Kleine Pause, damit der
Toast auch wirken kann, dann redest du weiter. Merk dir, Pausen sind
schlecht und ab ner halben Minute tödlich. Falls du nen Durchhänger hast,
nimm schnell noch mal nen Schluck. Oder ne Zigarette. Drehen ist auch nicht
verkehrt, hat was Gemütliches, was Fingerbegabtes. Natürlich nicht in der
Disco, da hängen sie dir gleich den Arbeitslosen an. - So mit der Zeit
schwenkst du zu was Ernsterem. Satz für Schluck schaffst du Vertrauen. Red
ruhig offen, mach auf ehrlich. Denk daran, Macho ist out, aber zerfließ
auch nicht, Softis waren noch nie echt in. Am besten geht noch Chauvi mit
Herz, das ist zeitlos. Sympathisch der Kerl, macht nicht nur Quatsch, kann
man auch reden mit. Das musst du rüberbringen, unbedingt. Beim zweiten
Drink sprichst du schon leiser, rückst ein bisschen näher. Bestimmte Sachen
sagst du ihr nur ins Ohr. Aber halt keinen Vortrag, bloß nicht. Weichreden
ist ne Vertreterkrankheit und hat noch nie funktioniert. Sprich ruhig die
Punkte hinter deinen Sätzen mit. Was du sagst, das steht. Und was du
fragst, reißt Tore auf. - Fahr ihr jetzt ruhig mal an den Arm, oder an den
Oberschenkel, falls ihr sitzt. So ohne Absicht natürlich, ganz im Gespräch,
und nicht zu lang. - Wenn du sie zum Erzählen bringst, bist du fast durch.
Dann hat sie dir den Vertrauenstypen abgenommen. Aber jetzt nicht lässig
werden. Du musst voll umschalten und den Zuhörer machen, also ernste Miene,
Faltenstirn, Betroffenheitsblick. Auf keinen Fall darfst du in die Gegend
schauen, auch nicht heimlich. Wenn sie es merkt, kannst du einpacken und
zwei Meter weiter von vorne beginnen. Am besten du hältst den Blick gesenkt
auf den Boden, den Tisch oder ihre Beine. Und ab und zu gehst du dann groß
in ihre Augen. - Trink auch nichts, solange sie spricht. Du nimmst das Glas
in die Hand, führst es zum Kinn, verharrst und stellst es wieder hin. Das
macht Eindruck, mehr als ne halbe Stunde reden. - Unterbrich sie öfters,
frag nach, als ob du s genauer wissen wolltest. Überhaupt, du hängst an
ihren Lippen, als hättest du was Spannenderes noch nicht gehört. Alles drum
herum ist verbrannt, vergessen, hol s der Holocaust, ihr seid allein. Aber
nick nicht zuviel in der Faszination, das wirkt wie ein Tick. Und die `Hms'
musst du genau dosieren, eher zu wenig. Du bist jetzt der Schweiger, der
sie versteht, der Freund, der das Leben kennt, der Mann zum Anlehnen halt.
- Dann reicht s. Du nimmst sie an den Schultern, dein Blick trifft sehr
gerade und direkt in die Augen. Komm, sagst du, hier ist nicht der rechte
Platz, für dich - und mich!

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