Komareks dritter Polt-Roman ist von einer geradezu ungeheuren Dichte. Man spürt förmlich, was sich in diesen Dörfern wo jeder jeden kennt und sich das Leben zwischen Kirche, Presshäusern und Wirtshaus abspielt, alles im Hinter- und Untergrund abspielt; man taucht selbst in die sommerliche Landschaft des idyllisch-beschaulichen Wiesbachtals ein, in dem jemand seine Notdurft genau vor dem Eingang des Gemeindeamtes verrichtet, im Zeughaus der Feuerwehr in Brand gelegt wird, wo dem Gockel des Pfarrers der hals umgedreht wird und wo im Wald ein erhängtes Reh gefunden wird. Und die Ermittlungen Polts zu dem Mord an der Köchin bringen so ganz nebenbei noch etliche "Leichen" ans Tageslicht, die so mancher (männliche) Dorfbewohner hätte lieber ruhen lassen, denn der Lebenslauf der qualvoll verschiedenen Amalie wird zerpflückt und dabei stellt sich heraus, dass die lebenslustige junge Dame mit ihren begnadeten Kochkünsten ihre Gunst im Laufe der Jahre mehr als einem Dorfbewohner geschenkt hat. Ob Pfarrer, Polizeichef, Lehrer, Mesner, Landwirt oder Winzer, alle haben ihr Herzerl droben am Grünberg in den Stamm der Teufelsbuche geritzt!
Auch bei Polt selbst tut sich einiges: zuerst wird er stolzer Besitzer eines Presshauses und dann geht auch noch bei seiner geliebten Lehrerin endlich was weiter! Doch so richtig genießen kann er seine beiden Eroberungen noch nicht, muss er doch zuerst noch auf seine bekannt unkonventionelle und bedächtige Art ermitteln. Und als ihm bewusst wird, dass der Täter oder die Täterin aus seinem Bekanntenkreis kommen muss, steht Gendarmerie-Inspektor Simon Polt plötzlich selbst zwischen Himmel, Polt und Hölle ...
Dass in diesem Roman wiederum Wein eine, besser die wesentliche Rolle spielt, ist selbstverständlich, stirbt die Köchin doch an einem 79er Cabernet-Sauvignon, den Pfarrer Winter vom Höllenbauern als Geschenk erhalten hatte. Auch Simon Polt ist keineswegs ein Kostverächter, kann aber, im Unterschied etwa zum Ex-Lehrer Franz Fürst, dem der Alkohol zum Verhängnis wurde, mit eben diesem Alkohol ganz gut umgehen.
Komarek erzählt von einer Dorfgemeinschaft und ihren verschrobenen Einwohnern, von Zugereisten, von Versagern und solchen die es noch werden können genauso gekonnt wie er die Stimmung des hier nur scheinbar idyllischen Weinviertels einzufangen vermag. In wenigen Worten skizziert er Charaktere glaubhaft und lässt verspielt jede Menge Abgründe erahnen. Man braucht nur ein, zwei Sätze zu lesen und schon wird man von der spannend-heimeligen Atmosphäre gepackt!