Zunächst einmal sei gesagt, daß der Film besser ist als sein Ruf. Sein Hauptproblem dürfte allerdings sein, das richtige Publikum zu finden und vor allem die richtige Altersklasse.
Der Film nimmt die Handlung der altbekannten Geschichte von "Chicken Little" (so auch der Originaltitel des Films), dem eine Eichel auf den Kopf fällt und der daraufhin alle Welt in Panik versetzt, als Grundlage. In dieser Fassung ist die Panik allerdings berechtigt, denn es fiel tatsächlich ein Stück „Himmel" (in Wirklichkeit ein Teil eines außerirdischen Raumschiffs) auf die Erde und die „Dummen" sind am Ende die Erwachsenen, die Chicken Little keinen Glauben geschenkt haben - und vor allem der Vater, der sich für seinen Sohn schämte, statt ihm zur Seite zu stehen.
Der Film erteilt also eher den Eltern eine Lektion als den Kindern, an die er sich auf den ersten Blick zu richten scheint. Der Eindruck, daß es sich um einen Kinderfilm handelt, verliert sich aber schon sehr bald, denn der Film steckt bereits in den ersten Minuten voller Anspielungen, die (kleine) Kinder überhaupt nicht verstehen. So wird aus dem „Märchen" sehr schnell eine handfeste Medienkritik, die sich bis in die letzte Szene fortsetzt, in der die „wahre" Geschichte absurd überzeichnet als Hollywoodfilm ins Kino kommt. Erwachsene haben hier sicherlich ihren Spaß - Kindern dürfte dieser Humor entgehen.
Für kleine Kinder dürfte aber auch die zweite Hälfte des Films ein wenig zu brutal sein. Im Dialog heißt es ganz richtig: "It's like 'War of the Worlds' out there!" - und das war nun mal kein Kinderfilm. Es schwächt auch nicht die Brutalität des Films ab, wenn nachher alle zerstörten Gebäude wiederaufgebaut und alle „getöteten" Figuren wiederbelebt werden. Hier liegt also sicherlich ein Problem des Films, zumal man derartige Szenen bei Disney-Filmen mit „süßen" Tieren nicht unbedingt erwartet (Filme wie "Atlantis" und "Treasure Planet" hatten keine niedlichen Tiere als Protagonisten).
Beeindruckend ist das Aufgebot an Stars, die den Figuren ihre Stimmen leihen: Zach Braff ("Scrubs") als Chicken Little, Garry Marshall (Regisseur von Filmen wie "Pretty Woman" und "Beaches", Autor, Produzent und Schauspieler [Stan Lansing in "Murphy Brown"]) als Buck Cluck, der unvergesse Don Knotts ([1926-2006] "The Andy Griffith Show", "Three's Company", "Matlock") als Bürgermeister Turkey Lurkey, Patrick Stewart ("Star Trek: The Next Generation", "X-Men") als Mr. Woolensworth, Steve Zahn ("Sahara", "Stuart Little") als Runt of the Litter, Joan Cusack ("Toy Story 2", "Arlington Road", "Working Girl") als Abby Mallard, Wallace Shawn ("Star Trek: Deep Space Nine", "The Incredibles", "The Princess Bride", "Toy Story", "Murphy Brown") als Principal Fetchit. (Die deutsche Synchronisation kann man im Vergleich dazu nur als peinlich bezeichnen. Warum hier auch noch Personen wie Boris Becker beschäftigt werden müssen, die nicht einmal richtig sprechen können, bleibt ewig ein Rätsel. Wahrscheinlich wird man dem deutschen Publikum demnächst auch noch einen Soundtrack mit Grup Tekkan zumuten.)
Der Film selbst hat einen guten Raumklang und nutzt die 5.1 Kanäle sehr gut und wirksam aus. Beim Soundtrack hat man sich (ähnlich wie die Konkurrenz bei "Shrek") mehr auf bekannte Popsongs zum Mitsingen gestützt als auf Neukompositionen, doch sie sind sinnvoll in den Film integriert.
Die DVD-Ausstattung (dies bezeiht sich auf die bereits seit Mitte März 2006 erhältlichen DVDs der Regionen 1 und 3 sowie die französische DVD der Region 2) ist nicht üppig, aber akzeptabel. Erfreulicherweise gibt es zu den Menüpunkten jetzt auch eine "Play All"-Möglichkeit, so daß man sich nicht durch verwirrende Menübäume arbeiten muß (wie bei anderen Disney-DVDs). Das "Making of" ("Hatching Chicken Little") ist informativ, insbesondere auch die Bilder von den Sprachaufnahmen. Es gibt das übliche Quiz, Musikvideos und ein paar "Deleted Scenes" (mit alternativem Filmbeginn). Die Sprachauswahl erfolgt, wie immer bei Disney, über das allererste Menü. Es ist zu befürchten, daß die deutsche DVD auch Material zur deutschen Version enthält. Man kann nur hoffen, daß es zusätzlich zum Originalmaterial und nicht an dessen Stelle untergebracht wird.