Ich habe dieses Reiseerlebnisbuch gelesen, weil mich der Jakobsweg schon seit jeher interessiert. Es bietet dem Leser einerseits Routenbeschreibungen andererseits kleine Tipps und Tricks, die auf einer Pilgerreise sehr wertvoll sind.. Wir hören von Orten, über die wir uns vorher noch nie Gedanken gemacht haben und Möglichkeiten, sich bemerkbar zu machen. Aber obwohl die praktischen Tipps bestimmt hilfreich sind bei jeder Pilgerschaft, bilden sie dennoch nur die Rahmenbedingungen für den eigentlichen Inhalt, nämlich die Emotionen und Gedanken des Pilgers. Der Autor bietet uns einen Einblick in seine ganz persönliche Gefühlswelt. Während er an der Küste entlang marschiert erzählt er uns so menschennah wie möglich von den ersten Eindrücken, den heimlichen Sehnsüchten, den zwischenmenschlichen Beziehungen und vor allem von den Emotionsdurchbrüchen, die er nicht verhindern konnte. Durch seine offene und ehrliche Art und Weise des Schreibens gibt er einen Blick auf den Menschen hinter dem Pilger frei und wir entdecken immer neue Facetten von diesem. Und nicht nur von ihm sondern auch von seinen Mitreisenden, der viel zu viel redenden Kathi, dem venezianischen Paolo, dem australischen Winzer Karol und auch Gott ist immer mit von der Partie.
Wer ein literarisches Hochwerk erwartet, wird bei diesem Reiseerlebnisbericht Enttäuschung verspüren, doch alle diejenigen, die auf unterhaltsame und interessante Weise diesen besonderen Jakobsweg kennenlernen wollen, werden sehr zufrieden sein. Auch wenn - oder gerade weil - sich Hirschler auf dem Weg immer wieder verfranst hat, zeigt es eine unübersehbare Parallele zum Leben: Oft müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen, um schlussendlich am richtigen Ziel anzukommen. Melancholie wechselt sich hier mit Humor ab, Sehnsucht mit Fernweh und Lachen mit Weinen - aber alles gehört auf diesen Weg zu diesem Menschen. Herbert Hirschler lässt uns auf gefühlvolle Art und Weise ein Stück des Weges mit ihm gehen und dadurch geraten kleine Schwächen, wie etwa Inhaltswiederholungen oder gelegentlich fehlplazierter Sarkasmus, in den Hintergrund.
Das Erstlingswerk des Autors ist kurzweilig, ergreifend und hinterlässt den Wunsch, diesen Weg auch einmal bewältigen zu können - sei es aus religiösen, sportlichen oder sozialen Gründen. Jedem, der plant, diesen Teil des Jakobsweges zu gehen, ist zu raten, Himmel, Herrgott, Meer, Musik" zu lesen und daher volle Punktezahl von mir.