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Himmel und Hölle: Roman
 
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Himmel und Hölle: Roman [Taschenbuch]

Jón Kalman Stefánsson , Karl-Ludwig Wetzig
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (November 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492258328
  • ISBN-13: 978-3492258326
  • Originaltitel: Himmnaríki og helvíti
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 100.735 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jón Kalman Stefánsson
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein Buch wie eine Perlenauster, unter deren rauer Schale sich ein strahlender Schatz verbirgt.« Spiegel online »Grandios.« BuchMarkt »Jón Kalman Stefánsson schreibt das Buch des Jahres.« Frankfurter Neue Presse »›Himmel und Hölle‹ von Jón Kalman Stefánsson ist ein Meisterwerk.« Heilbronner Stimme

Kurzbeschreibung

Island, vor etwa 100 Jahren: Ein namenloser Junge und sein bester Freund Bárður verdienen mit dem Dorschfang ihr Geld, wenngleich ihre wahre Leidenschaft der Poesie gilt. Eines Morgens verliert sich Bárður jedoch so sehr in den Versen des Dichters Milton, dass er darüber vergisst, seinen Anorak mit aufs Fischerboot zu nehmen. Auf dem offenen Meer, umgeben von eisigen Polarwinden, bezahlt er dafür mit seinem Leben. Vom Tod des Kameraden erschüttert, plagen den Jungen fortan Fragen über sein eigenes Dasein: Wozu lebt er? Hat er es verdient zu leben? Und soll er sich der Ungewissheit der Zukunft stellen?

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Island ist ein literarisches Phänomen. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 320.000 Menschen bringt diese Insel seit Jahrzehnten eine unverhältnismäßig große Zahl von Schriftstellern hervor. Selbst in der Gattung der Kriminalromane haben sich in den vergangenen zehn Jahren etliche isländische Autoren in die vorderste Reihe der europäischen Kriminalliteratur geschrieben.

Jon Kalman Stefansson schreibt Romane und Texte über die Menschen in Island, ihre Kultur, ihre Arbeit, ihre religiösen Vorstellungen und immer und immer wieder ihr Verhältnis und ihre Bindung zur Natur, insbesondere zum Meer, das Island als Insel von allen Anfängen mit seinem Fisch ernährend und mit seinen Stürmen bedrohend umgibt.
Seine letzten drei Romane ( alle bei Reclam ) "Verschiedenes über Riesenkiefern und die Zeit", "Das Knistern der Sterne" und "Sommerlicht, dann kommt die Nacht", in denen Stefansson zum Teil autobiographische Erfahrungen verarbeitete, hat der Rezensent nach deren Erscheinen jeweils begeistert besprochen und war nun auf Stefanssons neuen Roman entsprechend gespannt.

In "Himmel und Hölle" - auch dieses Buch hat Karl-Ludwig Wetzig wie die anderen drei erwähnten sensibel ins Deutsche übertragen - geht Stefansson etwa 100 Jahre zurück und berichtet von der Lebenswelt und den harten Erfahrungen eines jungen Mannes, den er nur "den Jungen" nennt. Früh hat dieser seinen Vater verloren, der beim Fischen im rauen Meer ertrunken ist. Denn obwohl damals so viele Männer täglich mit ihren Ruderbooten zum Fang ausfuhren, schwimmen konnte kaum einer von ihnen. Aus der Perspektive dieser unzähligen Toten wird die Geschichte dieses beeindruckenden Romans erzählt: "Wir befinden uns in jener Zeit, in der wir ganz sicher noch gelebt haben..."

Der Junge hat irgendwann die Begegnung gemacht mit einem anderen jungen Mann namens Barthur, dem er herzlich verbunden ist. Beide haben sich bei dem Fischer Petur verdingt, um mit aufs Meer zu fahren und die Netze nach dem Dorsch auszuwerfen, dem Hauptnahrungsmittel und der Haupterwerbsquelle der Menschen damals.
Barthur hat von einem blind gewordenen ehemaligen Kapitän namens Kolbeinn, der 400 Bücher besitzt, ein 1823 von Jon Perlakssons übersetztes Exemplar von Miltons Das verlorene Paradies" ausgeliehen, und diese Dichtung und seine Verse ergreifen nicht nur von ihm Besitz, sondern sie bewegen auch seinen Freund, den Jungen. Besonders eine Zeile hat es ihnen angetan: "Nichts ohne dich ist süß."

Wenn Stefansson die schon erwähnten Erzähler aus dem Totenreich nun diese Dichtung beschreiben lässt, liest sich das wie sein eigenes literarisches Programm:
"Nichts ohne dich ist süß. Milton war auch blind, wie der Kapitän, ein englischer Dichter der mit fortschreitenden Alter erblindete. Er dichtete im Finstern und seine Tochter schrieb die Gedichte auf. Wir segnen ihre Hände dafür und wünschen ihnen, dass sie auch noch ein Leben neben den Gedichten hatten, hoffentlich durften sie auch einmal etwas Weicheres und Wärmeres halten als die dürre Schreibfeder. Manche Worte können wahrscheinlich die Welt verändern, sie können uns trösten und unsere Tränen trocknen. Manche Wörter sind Gewehrkugeln, andere Geigenklänge. Manche können den Eispanzer um das Herz zum Schmelzen bringen, und man kann sogar Wörter wie Lebensretter ausschicken, wenn die Zeiten schlecht sind und wir womöglich weder tot noch lebendig. Und doch taugen Worte nicht viel, und wir verirren uns auf den öden Hochlandheiden des Lebens und gehen verloren, wenn wir nichts als einen Stift zum Festhalten haben."

Barthur verliert sich selbst im "Verlorenen Paradies", liest darin bis kurz vor der in einer wunderbaren Sprache geschilderten Abfahrt des Schiffes und vergisst darüber, seinen Anorak mitzunehmen. Auf hoher See, die die sechs Männer nach stundenlangem Rudern erreichen, ist das mitten im Winter bei heftig aufkommendem Sturm sein Tod. Als das Boot seinen Hafen wieder erreicht, ist Barthur erfroren.

Stefansson schildert in einer sehr poetischen Sprache eindrücklich, wie die Menschen mit so einem Schlag umgehen. Besonders aber begleitet er seine Hauptfigur, den Jungen, bei seiner endlosen Trauer. Er lässt ihn vielen Menschen begegnen, deren Geschichten erzählt werden, eine schöne und bewegender, aber auch trauriger als die andere.

Und er hat das Buch, das er Kolbeinn zurückbringen muss und die Gedichte:
"Manche Gedichte entführen uns dorthin, wo keine Worte hinreichen, kein Denken, sie bringen uns an den Kern selbst, das Leben hält einen Atemzug inne und wird schön, es wird rein vor Sehnsucht und Glück. Manche Gedichte verändern den Tag, die Nacht, dein Leben. Manche Gedichte bringen dich dazu, zu vergessen, die Traurigkeit zu vergessen, die Hoffnungslosigkeit..."

Auf seinem Weg zurück - Stefansson erzählt nur wenige Tage aus dem Leben des Jungen - begegnet der Junge nicht nur jenem blindem Kapitän, dem das Buch gehört, sondern er findet Wärme und Halt auch bei Geirpruthur, die schon Kolbeinn aufgenommen hatte in ihr Haus, und deren bewegte und ungewöhnliche Geschichte erzählt wird.
Sie berühren den Jungen in seiner Trauer und irgendwann kann er seinen toten Freund loslassen und sich dem Leben zwischen "Himmel und Hölle" wieder zuwenden.

Ein wunderbares, poetisches Buch eines Schriftstellers, der hierzulande noch viel zu wenig Beachtung findet.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Gabriele B. VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der Junge fährt mit seinem Freund Bardur und einigen anderen Fischern eines winterlichen Nachts zum Fischen, das Boot gerät in einen Eissturm, Bardur kommt dabei um, und der Junge, wieder an Land, beschließt, das Buch, das einst seinem Freund gehörte, der Eigentümerin zurückzubringen. Soweit der Plot.

Gleich im ersten Teil der Geschichte breitet Stefansson sein ganzes Können aus: mal lakonisch, mal unglaublich poetisch beschreibt er diese paar Stunden: schlafengehen, aufstehen, das Boot ins Wasser bringen, auf See rausrudern und die Leinen ins Wasser hängen. Wir werden mit Liebe, mit Freundschaft, mit Sehnsucht und vor allem mit dem Tod konfrontiert, und das auf eine Art und Weise, wie es nur J. Stefansson kann. Für mich ist der erste Teil der Geschichte der beste.

Was fasziniert an diesem Roman? Weil Stefánsson sich auf die Kunst versteht, so zu erzählen, dass ein Wortstrom den Leser geradzu fortträgt. Weil seine Figuren glaubhaft sind, charakterstark, lebendig. Weil er Islands Landschaften mit eindrücklichem, ausserordentlich kräftigem Strich zeichnet, auch die gesichtslosen Gegenden zwischen Leben und Tod. Weil er Mut zu Pathos und Gefühl zeigt, ohne je kitschig zu werden. Weil die Sprache, diese lyrische, metaphernreiche Sprache, bei ihm zu einer eigenständigen Größe wird.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Apefred
Format:Gebundene Ausgabe
Im Darwinjahr fällt mir dieses Buch zufällig in die Hände und irgendwie wird Island für mich ein wenig zum Galapagos Archipel, denn dieser eigentümliche Menschenschlag, der da so prosaisch und hoch beeindruckend beschrieben wird, hat etwas ganz eigenes entwickelt. Quasi aus den Tiefen der Islandsagen erwachsen und sie kommen nicht - und wollen es auch nicht - von den Mythen und Legenden weg, die ihr Leben prägen und das sie so fortsetzen. Da ist zum Beispiel die absolute Abhängigkeit vom Meer und die eigentümlichen Geschichten rund herum. Entweder sind sie alle selbst schon Trolle oder zumindest auf dem Weg dorthin - Menschen, die sich weigern schwimmen zu lernen, weil der Herr ihnen ja sonst Flossen gegeben hätte. Auf der Suche nach der Atmosphäre dieses Buches bin ich bei einem weiteren bedeutenden Autor fündig geworden: Christoph Ransmayrs "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" macht ähnlich frierend bei der Lektüre. So düster und eisig alles auch beschrieben ist, so hochphilosophisch wird hier vom Leben erzählt. Unglaubliche Zitate, bei denen das Herz aufgeht. Beispiel? "Manche Worte können wahrscheinlich die Welt verändern, sie können uns trösten und unsere Tränen trocknen. Manche Worte sind Gewehrkugeln, andere Geigenklänge. Manche können den Eispanzer um das Herz zum Schmelzen bringen. Und doch taugen Worte nicht viel, und wir verirren uns auf den öden Hochlandheiden des Lebens und gehen verloren, wenn wir nichts als einen Stift zum Festhalten haben." Wahrlich kein Buch für Unterhaltungsjunkies, eher ein Buch für Menschen, die den Rand des Lebens erahnen, den Sinn nicht mehr suchen, aber das Beste draus machen.
Es ist die Geschichte eines Jungen den wir begleiten, was weiß ich in welchem Jahrhundert? Ist das wichtig? Gut, sagen wir vor ca. hundert Jahren, er geht mit einem Freund, der John Miltons Verse aus dem "Verlorenen Paradies" innerlich bebend auswendig lernt und so vergisst seinen Anorak beim rausrudern auf einer Nussschale zum Dorschfang, anzuziehen. Das Eis, der Donner, der Schnee, die Schrecken der See allgemein, kommt über sie und der Freund stirbt an der Kälte. Unglaubliche Beschreibungen vom Kampf mit der tobenden See und dem Überleben. Der Junge macht sich auf, das geliehene Buch zurück zu bringen. Tappert halb erfroren durch die vor Kälte starrenden Hochheiden mit den lauernden Felsen und Bergen, die scheinbar selbst leben, wachsen oder schrumpfen - je nach Lichteinfall und Wetter. Und er landet am Ende des Tages am Tisch in einem Wirtshaus, wo er einen hünenhaften Kapitän mit Bierflaschen versorgt und einem blinden Teufelskerl den Kaffee nachschüttet. Das Buch zeigt, was alles möglich ist auf der Welt. Wie ein Gemälde vor dem man schaudernd steht, nein ehrfürchtig.
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