2009, als »Nichts passiert« kam, war alles so unerwartet neu; Neuerfindung der Band, wenn man es so will. Mit dem Song »Himmel auf« hat man nun das Gefühl, sie konnten sich nicht wirklich »neu erfinden«. Als ich das erste Mal den Song gehört hatte, erinnerten mich einige Passagen des Songs an einen Song vom letzten Album. Und heute las ich ein paar Rezensionen. Beim nochmals hören, dachte ich, dass der Song einige Züge der Songs »Weg für immer« und »Krieger des Lichts« hat (beides vom Album »Nichts passiert«).
Was allerdings sehr schön ist, ist das hintergründliche Gesumme, das verleiht dem Song ein spezielles Gefühl. Insgesamt haben die Melodien einen enormen Wiedererkennungswert, und man merkt, dass Silbermond irgendwie ihren Stil gefunden haben.
Für die Komposition geb ich 3,5/5 Sternen.
Kommen wir zur Lyrics.
Ich muss sagen, sie ist gelungen. Rhetorische Mittel, wie man sie gewohnt ist und doch anders. Zunächst beginnt jede Strophe mit einer Zusammenfassung eines Lebensweges einer bestimmten Person. Am Ende (1. Bridge) stellt sich jeder besungene Mensch vor die quälenden zwei Fragen im Leben, und das, obwohl alle Charaktere ein anderes Leben haben, quälen sie trotzdem die selben Fragen:
""Ist nicht irgendwo da draußen 'n bisschen Glück für mich?
Irgendwo ein Tunnelende das Licht verspricht?""
In der ersten Strophe ist ein Mann mittleren Alters (?) Mittelpunkt. Zumindest kommt es einem beim Zuhören so vor, als wäre es ein Mann in der mid-life-crises, also der Krise, die einem so um die 40 meist entgegen springt. Zunächste dachte ich, es könnte ein LKW-Fahrer sein, warum auch immer ' später musste ich erkennen, dass es vermutlich ein Totengräber ist oder ein Bestatter oder etwas in diese Richtung. Aber so ganz sicher bin ich mir da noch nicht so richtig; diese Strophe wurde sehr gut verschlüsselt verpackt. Und trotzdem haben diese Zeilen eine starke Wirkung.
""Tausende Kreuze trägt er über den Tag;
365 Tage im Jahr;
12 Stunden zeichnen sein Gesicht;
es ist okay, aber schön ist es nicht.
Jeden Morgen geht er durch diese Tür
und jeden Morgen bleibt die Frage 'Wofür'
und jeder Tag gleitet ihm aus der Hand
ungebremst, gegen die Wand.""
Noch einmal wird diese persönliche Infragestellung von jemand außenstehenden, dem Beobachter, besungen, ehe sich im Refrain der Charakter wieder quälenden Fragen wiederholend stellt.
""Wann reißt der Himmel auf,
auch für mich, auch für mich?
Wann reißt der Himmel auf,
auch für mich, auch für mich?
Wann reißt der Himmel auf,
sag mir wann, sag mir wann?
Wann reißt der Himmel auf,
auch für mich, auch für mich?
Sag, wann reißt der Himmel auf?
Wann reißt der Himmel auf?""
Die zweite Strophe wird inhaltlich intensiver. Denn hier wird ein vermeintliches Drogenopfer besungen. Die junge Frau scheint dem Fluch von Heroin ausgeliefert zu sein, der als Zuflucht begann, raus aus einer Welt, die ihr nichts Gutes tun wollte. Sie verlor ihre Hoffnung und suchte woanders nach ihrem Glück: Drogen.
""Es ist das Leben hier im Paradies,
wenn das süße Gift in ihre Venen schießt,
vergisst sie alles was so gnadenlos schien;
Den kalten Himmel und das kalte Berlin.
Sie ist nicht gerne gesehen in dieser Stadt, weil
unsere Netze sie nicht aufgefangen haben, weil
der Teufel seine Kreise um sie zog,
noch nie fiel ihr was in den Schoß.""
Und auch sie stellt sich wieder die quälenden Fragen der Erlösung und der Beobachter besingt ihr hoffnungsloses Hoffen. Viermal wird die Frage gerufen, die bis zum Ende ohne Antwort im Raum stehen bleibt.
Der Song lässt also das Ende offen und will keine Richtung geben, in die es gehen könnte ' soll also vermutlich so etwas wie ein 'Mach (selbst) was aus deinem Leben!'. Das Leben selbst in die Hand nehmen, also.
Für die Lyrics vergebe ich 5/5 Sternen.
Zusammenfassend ist die Komposition zusammen mit der Geschichte dahinter verdammt gut gewählt und gibt den Worten genug Gewicht um zu wirken; dem Zuhörer zu vermitteln, dass man auch aufstehen muss, wenn man hinfällt.
Der Gesamteindruck des Songs ist ingsgesamt also positiv zu bewerten.
Insgesamt bekommt der Song 4/5 Sterne von mir.
Aber genug von meiner Meinung ' bildet euch eure eigene Meinung.