Diese kleine gehaltvolle Schrift (VIII, 153 S.) aus dem Jahre 1970 wendet sich an den interessierten Laien. Ihr Autor, der Astrophysiker Prof. Dr. Rolf MÜLLER (*28.1.1898 in Potsdam, +24.3.1981 in Fort Lauderdale), zählte zu den Förderern der volkstümlichen Astronomie. Bis in seine letzten Lebensjahre hinein eröffnete er in Schriften und Vorträgen einem breiteren Publikum allgemeinverständliche und zugleich zuverlässige Einblicke in seine Wissenschaft.
"Dieses Buch erzählt von den bewundernswerten astronomischen und mathematischen Kenntnissen des Menschen der Steinzeit, der das himmlische Geschehen bei der Ausrichtung seiner Megalithbauten mit erstaunlicher Genauigkeit seinen Zwecken dienlich machte" (S. V). Mit diesem, sein Vorwort einleitenden Satz fasst der Autor den Leitgedanken des Buches zusammen.
Nach kurzer Einführung in sein Forschungsanliegen und nach Klärung einiger zum Verständnis des Ganzen notwendiger himmelskundlicher Begriffe, stellt er eigene und fremde Messverfahren und Messergebnisse an zahlreichen europäischen Megalithbauten vor - an den großen und berühmten wie an kleineren und weniger bekannten. Die Ausrichtung von Steinkreisen, Hünenbetten, Ganggräbern legen nicht nur Zeugnis ab von der anhaltenden, genauen Beobachtung der Sonne, des Mondes und gewisser Fixsterne durch den Menschen der Steinzeit, sondern auch von der Genauigkeit seines Vorgehens bei der Konstruktion der steinernen Anlagen, von seinem bautechnischen Können, vor allem aber von seinen bedeutenden Kenntnissen. "Die Völker, deren Weg von der iberischen Halbinsel über Frankreich, Großbritannien, durch Deutschland und die skandinavischen Räume führte", so schreibt R. M., "offenbaren in ihren Bauten nicht nur ihre religiösen Vorstellungen, sondern ein eigenartiges mathematisch-meßtechnisches - und vor allem himmelskundliches Wissen" (S. 1).
Beklagenswert war schon zu MÜLLERS Forschungszeit der Zustand der meisten neolithischen Anlagen: Die meisten waren geplündert, zerstört - begehrte Steinbrüche während vieler Jahrhunderte. Verschlepptes Material findet sich heute noch im Mauerwerk von Großbauten, z.B. Kirchen, wieder. Von mancher Anlage wusste man schon damals nur noch durch mündliche oder schriftliche Überlieferung.
Wer sich für Astronomie und Archäologie und ihr interdisziplinäres Zusammenwirken begeistern kann, wer sich entführen lassen möchte in die Welt neolithischer Sternbeobachter und Kalendermacher, dem kann dieses kleine Taschenbuch eine liebe, nie veraltende Lektüre werden.