Kati hat sich geschworen, ihre alte Heimat, den "Heidehof" mitten in der Lüneburger Heide, so schnell nicht mehr zu betreten. Zu quälend sind die Erinnerungen an das schreckliche Familiendrama, dass sich vor mehr als zehn Jahren dort zugetragen hat. Doch die Familie wird von einer neuen Tragödie heimgesucht: Katis Vater, Leiter des Heidehofs, liegt im Koma und die Großmutter kann den Gasthof unmöglich alleine betreiben. Schon gar nicht jetzt, da die Hochsaison beginnt. Kati beschließt, dass sie ihre Familie unmöglich im Stich lassen kann und nimmt sich eine kurze Auszeit von ihrem Leben in Hamburg, ihrem Job in der Medienargentur und ihrem Freund Simon, mit dem die Beziehung ohnehin nicht mehr ganz so rosig ausschaut. Erstmal im "Heidehof" angekommen, stellt Kati fest, dass die Faszination, die von dem alten Gehöft und der atemberaubenden Landschaft ausgeht, sie immer noch tief berührt. Zugleich fällt ihr aber auf, dass der Hof dringend einmal renoviert werden müsste, wenn er sich auf Dauer konkurrenzfähig halten will. Zusammen mit ihrer Großmutter, ihre Stiefmutter, der besten Freundin und dem neu erworbenen Aushilfskoch macht Kati sich daran, den Hof wieder in Schuss zu bringen. Doch dann begegnet sie einem Mann, dessen Schicksal unwiderruflich mit dem ihren verwoben ist und den sie nie, nie wieder sehen wollte...
"Der Himmel über der Heide" wurde als der neue deutsche Rosamunde Pilcher Roman angepriesen. Statt in Cornwall spielt die Handlung diesmal in der schönen Lüneburger Heide, die ebenso romantisch und altmodisch traditionell angehaucht ist. Tatsächlich muss ich sagen, dass mich der Roman an die wenigen Romane Rosamunde Pilchers erinnert hat, die ich bisher gelesen habe und das in vielerlei Hinsicht!
Natürlich muss ich hier nochmal näher auf die Handlung eingehen, denn in ihren Grundzügen ähnelt sie den berühmten Liebesschmachtfetzen, die irgendwie alle gleich aufgebaut zu sein scheinen, doch sehr.
Eine verdrängte Familientragödie, eine dadurch zerrüttete Familie, eine dramatische Krankheit, die veranlasst, dass die Mitglieder der Familie wieder zusammenfinden und die diese zusammenschweißt, ein lange gehütetes Geheimnis, dass nach und nach ans Licht kommt und eine Liebe, die so unerwartet wie heftig aufzubühen beginnt. Zusammen mit den typischen Protagonisten, nämlich einer willenstarken, aber gebrochenen jungen und sehr sehr vornehmen Frau, einer kühlen und strengen Stiefmutter und einer übermäßigen zuvorkommenden und liebevollen Großmutter, ist der dramatische Liebesroman perfekt.
Auch der Schreibstil erinnert an besagte Pilcher-Romane: Die Wortmal der Autorin erscheint stellenweise sehr kunstvoll und genaustens durchdacht. Genau wie in Pilchers Romanen hat die Sprache einen gehobenen Stil und ist kein bisschen umgangssprachlich. Sofie Cramer legt viel Wert auf Details und beschreibt gerade den "Heidehof" sowie die landschaftliche Umgebung der Lüneburger Heide sehr farbenfroh und bildlich. Manchmal allerdings, so kam es mir vor, versucht die Autorin zu sehr dem Stil Pilchers und Co. gerecht zu werden, denn stellenweise erschien mir der Schreibstil sehr konstruiert und aufgesetzt. Einige Sätze wirken oft überdramatisch und geschwollen. Vorallem Katis Gedanken, die Gedanken einer jungen Frau von gerade mal dreißig Jahren, kamen mir sehr altmodisch und dramatisiert vor.
Aus diesem Grund wurde Kati mir auch nie recht sympathisch. Sie erschien mir zu kontrolliert für ihre jungen Jahre. Ständig war sie darauf bedacht, ihre Gefühle in Zaum zu halten und bloß niemandem zu zeigen, wenn sie etwas störte, oder ihr gegen den Strich ging. Ihr Bestreben, ihre Gefühle zu unterdrücken, empfand ich als ziemlich nervig, denn dadurch erschien mir diese junge Frau wenig authentisch und ihre Reaktionen waren auf mich oft schwer nachvollziehbar. Außerdem schien dieses Unterdrücken der Emotionen zum Ziel zu haben, dass sich bei ihr einiges an Zorn und Wut anstaute, was sie bevorzugt an ihrer Stiefmutter oder dem, in der Kurzzusammenfassung erwähnten, Mann ausließ. Ohne vorallem den letzten auch nur zu Wort kommen zu lassen, bzw. ohne, dass er seine Lage erklären könnte, beleidigt Kati ihn und verhält sich ihm gegenüber, entgegen ihrer um Kontrolle bemühten Art, oft sehr zickig und ausfallend.
Sehr gut gefallen hat mir jedoch die Nebenhandlung des Romans, nämlich die Restaurierung. Die Arbeiten, die an dem Hof vorgenommen werden, werden detailliert und sehr interessant beschrieben. Die ausgefallenen Ideen der Protagonistinnen sind liebevoll durchdacht und lassen den Leser ein genaues Bild vom zukünftigen "Heidehof" vor Augen haben. Der Zusammenhalt der Familie wird sehr gut verdeutlicht, denn jeder packt an und hilft mit! Auch Katis Privatleben ist in die Geschichte verwoben, was ich persönlich besonders interessant fand. Die Beziehung zu Simon ist stark am Bröckeln und Kati weiß tief in ihrem Inneren eigentlich, dass er nicht der richtige Mann für sie ist, aber sie versucht an ihrer Liebe festzuhalten. Flo, ihre Freundin, steht ihr hier tatkräftig zu Seite und beweist, dass es wahre Freundschaft doch noch geben kann!
Alles in allem hat mich "Der Himmel über der Heide" sehr gut unterhalten. Es ist ein recht anspruchsloser Roman für zwischendurch, den man gerade in den warmen Jahreszeiten bestens im Urlaub oder entspannt in der Gartenliege wegschmökern kann. Als Leser konnte ich mich wunderbar in die Geschichte hineinfallen lassen und mich selbst vom Charme der Lüneburger Heide begeistern lassen. Besonders toll fand ich die Idee, die Rezepte aller im Roman erwähnter Gerichte, im Anhang abzudrucken. Mal sehen ob ich da nicht das eine oder andere auch mal nachkochen werde ;)!