Für das Buch Himmel über Hannover" hat sich der hannoversche Fotograf Karl Johaentges in luftige Höhen begeben. Mit einem sogenannten Gyro, einem Tragschrauber, war Johaentges im Sommer 2007 exakt 37 Stunden unterwegs und hat die Landeshauptstadt und das Umland aus der Vogelperspektive beäugt und festgehalten. Sein Ansinnen: Die Strukturen der Stadt und der Landschaft mit Hilfe ungewöhnlicher Perspektiven deutlich zu machen. Fast wäre das Projekt gescheitert und das Erscheinen des Bildbandes um ein Jahr verschoben worden. "Dass der einzige Sommer - bis auf ein paar Badetage - schon im April gewesen war, konnte man nicht ahnen", so der Fotograf.
Klare und mitunter windige Tage waren nötig, um kontrastreiche und spannende Fotos zu erbeuten. Da hieß es, geduldig zu sein und auf fotogene Tage zu warten. Die kamen dann doch noch vereinzelt, so dass das Buch pünktlich im November 2007 erscheinen konnte. "Zum Teil sind wir bei Windgeschwindigkeiten um die 80 km/h in die Luft gegangen! Da halfen nur Kaugummis gegen Seekrankheit beim Überleben." Sicher gefühlt hat sich Johaentges nach eigenen Angaben immer in dem leichten Fluggerät, dabei ist er alles andere als schwindelfrei:"Mit dem Gyro kann man schließlich überall landen."
Wichtig für die Qualität der Aufnahmen war für den Fotografen vor allem die Flughöhe. Von der Niedersächsischen Landesbehörde für Verkehr/Luftfahrt in Wolfenbüttel musste Karl Johaentges Tieffluggenehmigungen beantragen, die erst die ungewöhnlichen Perspektiven abseits von google earth ermöglichten.
Nach dem 2005 erschienenen Bildband "Hannover ist die schönste Stadt der Welt", hat es sich Johaentges nicht nehmen lassen, "seine" Stadt erneut in das richtige Licht zu rücken. Immer und immer wieder ist der Betrachter der Fotos erstaunt, über die Vielfalt an Grünflächen, die die Stadt durchziehen und prägen. Nicht selten fragt man sich - und das liegt vielfach an der ungewohnten Perspektive - welchen Stadtteil und welches Detail der Fotograf ins Visier genommen hat und kommt erst bei ganz genauem Betrachten auf den genauen Ort. Das macht Spaß und ist spannend, lässt es doch auch eingefleischte Hannoveraner ihre Stadt noch mal auf ganz eigene Weise entdecken.
Mit dem Blick aus der Luft stechen aber auch die Bausünden der 70er Jahre ins Auge. Selbst schöne Fotos machen Ihmezentrum und Kröpcke-Center nicht zu einem Juwel. Umso mehr kann man sich aus der Höhe an den Aufnahmen der Herrenhäuser Gärten, dem Maschsee, der Eilenriede und den einzelnen Stadtteilen mit seinen Gründerzeithäusern und an architektonisch ausgefallen Bauwerken erfreuen.
Der Schwerpunkt des Buches sind Aufnahmen der Stadt. Die Region Hannover will der Fotograf in einem weiteren Bildband verewigen, der im nächsten Jahr erscheinen soll.
Der 180 Seiten starke Bildband mit 200 Aufnahmen ist für 29,90 Euro im Handel erhältlich.