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5.0 von 5 Sternen
Biografien sind immer Dichtung und Wahrheit, 12. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Hillary Clinton - Die Macht einer Frau (Gebundene Ausgabe)
Dem Leser zu versprechen, er kenne nach fast tausend Seiten die wahre Hillary, ist natürlich dummes PR-Geschwätz. Auch wenn Carl Bernstein mit Bob Woodward zusammen für die Aufdeckung der Watergate-Affäre den Pulitzerpreis erhielt, ist er noch längst kein Überirdischer, der in die geheimsten Winkel einer Seele schauen kann. Aber er weiß selbstverständlich, wie man Aufmerksamkeit erweckt. Und daher kommt ihm das Zauberwort "Wahrheit" leichter über die Lippen als anderen. Auch eine weniger voluminöse Biografie wäre fehl am Platz. Denn wie gewichtig eine Person ist, signalisiert auch das Gewicht ihrer Biografie. Helmut Kohl scheint das bei seinen Erinnerungen mit über 2'500 Seiten allerdings allzu wörtlich genommen zu haben. Eine Biografie nach ihrem Wahrheitsgehalt zu bewerten, finde ich keine taugliche Methode. Selbst wenn ich die beschriebene Person ein Leben lang begleitet hätte. Für mich zählt vielmehr der persönliche Gewinn, den ich aus der Lektüre ziehe. Und der ist wiederum abhängig von der Optik. Mich interessiert, welche Stationen, Erlebnisse und Geschichten Carl Bernstein auswählt, wie er sie miteinander verbindet, wie er sie deutet und wo sie sich mit Hillarys eigenen Fassungen decken oder unterscheiden. Mich interessiert, welche Geschichten sich Menschen erzählen, damit ihr Selbstbild nicht brüchig wird. Mich interessiert, was dem Zufall oder den eigenen Leistungen zugeschrieben wird. Unter diesen Blickwinkeln musste der Text für mich Sinn ergeben. Und selbstverständlich stand da auch immer die Frage im Raum, ob ich nach der Lektüre Hillary Clinton zur Präsidentin wählen würde. Die vorläufige Antwort: Ja. Denn ich möchte es gerne erleben, wie eine Frau mit den Persönlichkeitseigenschaften von Hillary Clinton den unmöglichsten Job der Welt erledigen würde. Am spannendsten finde ich bei Biografien immer die ersten zwanzig Lebensjahre. Denn seit ich mich intensiv mit Neurologie beschäftige, glaube ich an die These, dass sich im Erwachsenenalter die Persönlichkeitseigenschaften nur noch in Ausnahmefällen ändern. So erlebte ich auch bei diesem Buch, wie sehr Fremdbeschreibungen und eigene Erinnerungen auseinanderdriften. Während Max Frisch noch vorsichtig meinte: "Es gibt Menschen, die erfinden eine Geschichte, die sie dann für ihr Leben halten", gehen wir heute besser davon aus, das treffe auf alle Menschen zu, also auch auf Frau Clinton. Mir gefiel, wie Carl Bernstein die schwierige Aufgabe löste, zu diesem heiklen Zeitpunkt eine Biografie über Hillary Clinton zu schreiben. Ohne ein langweiliges Heiligenbuch zu verfassen, zeichnet er eine Figur, die trotz und wegen ihrer Widersprüchlichkeit Sympathie weckt. Ich erfuhr viel über ihre persönlichen Kämpfe, über menschliche Ränkespiele, über die Mechanismen der Macht und über bleibende Prägungen unauslöschbarer Erlebnisse. Mehr hatte ich gar nicht erwartet. Schon gar nicht die Wahrheit. Mein Fazit: Weder Heiligsprechung, noch Verdammung. Der renommierte Journalist maß sich nicht die Rolle eines nach Wahrheit suchenden Historikers an, sondern setzt aus unzähligen Puzzlesteinen ein Bild zusammen, das für ihn so sein könnte und trotzdem andere Versionen erlaubt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gelungen und ausgewogen, 18. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Hillary Clinton - Die Macht einer Frau (Gebundene Ausgabe)
Bernstein ist ein ausgeglichenes Porträt gelungen. Es ist weder eine Lobeshymne, noch kritiklastig, und deshalb für Bewunderer ebenso geeignet wie für jene, die der Person Hillary Clinton eher skeptisch gegenüberstehen. Das Buch beginnt mit Clintons Kindheit in einem nicht gerade unkomplizierten Elternhaus in Chicago, führt dann weiter zu ihren College-Jahren, in denen sich ihr großer Idealismus entwickelt und zeigt. Clinton begeistert sich z.B. für die Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King und nimmt an Demonstrationen teil. Im Anschluss werden ihre Jahre als Anwältin in Arkansas beleuchtet. Der größte Teil des Buches befasst sich aber mit Clintons Jahren und Erfahrungen als First Lady der USA, mit allen Höhen und Tiefen. Zu den Tiefen gehören natürlich vor allem die Lewinsky Affäre sowie das Scheitern von Hillary Clintons Reform des Gesundheitssystems. Und ihre Ehe mit Bill Clinton wird so mancher nach der Lektüre dieses Buches mit anderen Augen sehen. Clinton ist eine Politikerin, die mit ihrer komplexen Persönlichkeit polarisiert. Während die einen sie als zu taff, zu hartnäckig oder opportunistisch einstufen, bewundern die anderen ihre hohen moralischen Werte und politischen Ziele, die sie beharrlich verfolgt. Durch die sehr nuancenreichen Schilderungen lernt man Hillary Clinton in jedem Fall besser kennen, sowohl als Mensch, als auch als Politikerin. Eine angenehm zu lesende Biografie, deren Umfang meiner Meinung nach jedoch 200-300 Seiten kürzer sein könnte.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Objektiv und ohne Voyeurismus, 1. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Hillary Clinton - Die Macht einer Frau (Gebundene Ausgabe)
Nach dem Lesen dieser Biographie wird klar, warum Hillary Clinton zum einen die amerikanische Wählerschaft polarisiert und zum anderen einen für sie nahezu aussichtslosen Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur bis zum Ende durchzog. Carl Bernstein zeichnet das Bild einer Frau, der schon während der Arkansas-Jahre mehr an einer aktiven Politikgestaltung lag, als an den Repräsentationspflichten einer Politikergattin. Sie ging unbeirrt ihren eigenen Weg und tat die Dinge, die ihr gefielen. Genau das sollte sich später als eine ihrer größten Schwächen herausstellen. Ihre totale Ignoranz des mächtigen Washingtoner Establishments, die ablehnende Haltung den Medien gegenüber sowie eine von Sendungsbewußtsein getriebene absolute Kompromisslosigkeit, machten es ihr unmöglich, ihre Vorstellungen von einer Gesundheitsreform durchzusetzen. Diplomatie und Charme, wie sie ihr Gatte Bill vereint, gehören nicht zu ihren hervorstechenden Eigenschaften. Ein hochrangiger Berater der Clintons charakterisierte treffend die unterschiedliche Haltung des Präsidentenpaares zur Presse: "Ihre Grundannahme lautet, dass ein Journalist ein A....l... ist. Seine Grundannahme lautet, dass ein Journalist ein A....l... ist, das er jedoch auf seine Seite ziehen kann." Da Hillary es fertig brachte, die Journalisten aus dem Weißen Haus zu verbannen und damit eine lange Tradition zu brechen, war es kein Wunder, dass das Imperium zurückschlug und das Präsidentenpaar, vor allem Hillary, unter Dauerbeschuss nahm. Das trug dazu bei, dass Affären, die eigentlich keine waren, wie z. B. Whitewater, permanent aufgebauscht wurden. Aber trotz aller Selbstgerechtigkeit vereint diese Frau vielerlei Facetten: Sie ist Bürgerrechtlerin, religiös motivierte Anwältin sozial Benachteiligter, Frauenrechtlerin, Karrierefrau, verantwortungsbewußte Ehegattin und Mutter als auch politische Strategin zugleich. Ihre Ehe sah sie auch als politisches Projekt, das sie mit aller Macht und eisernen Willen trotz aller Eskapaden ihres Gatten Bill verteidigte. Dennoch war der Auslöser für ihren letzten Schritt in eine politische Laufbahn als Senatorin die glücklich überstandene Lewinsky-Affäre. Der letzte große Karrieresprung als erste amerikanische Präsidentschaftskandidatin blieb ihr trotz aller Sachkompetenz leider verwehrt. Es lag nicht in ihrem Naturell, den Vorwahlkampf als großes Gefühlskino zu inszenieren. Dennoch wird man von Hillary wieder hören, denn das Leben der Clintons ist eine immerwährende Kampagne... Ein Lob an Carl Bernstein, der acht Jahre an diesem Buch gearbeitet hat und anhand von zahlreichen Interviews mit Weggefährten aber auch Gegnern der Clintons eine objektive Lebensbeschreibung von Hillary Clinton gelungen ist. Die Beschreibung der Skandale erfolgte in verantwortungsvoller Weise. Voyeurismus im Boulevardstil kommt hier dankenswerter Weise nicht vor.
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