Schon der erste Song reisst mich vom Hocker: Supertolle Stimme, transparenter, glasklarer Sound, es groovt, sofort entstehen karge grüne Moor- und Grasberge vor dem inneren Auge, authentische Instrumente ohne elektronischen Schnickschnack und ich möchte die Sängerin anhimmeln.
Zur Sängerin:
Cara Dillon hat nicht nur eine glasklare, wunderschöne Stimme, sondern beherrscht auch die für irische Musik typischen, großteils aus der Renaissance stammenden Verzierungen, die eigentlich aus der Instrumentalmusik stammen, perfekt. Daher ist Ihr Gesang nie flach, sondern hat Tiefgang, berührt, geht unter die Haut.
Natürlich klingt sie nicht erdig wie eine Blues-Mama, sondern eher mädchenhaft und luftig, wie Lichtstrahlen, die vereinzelt den Nebel durchbrechen,
aber nichtsdestotrotz aufgrund ihrer Ausdrucksstärke gereift.
Zu den Instrumenten:
Es ist alles vertreten, was guten handgemachten Irish Folk ausmacht: Gitarren, Mandoline, Bodhran, Tin & Low Wistles, eine fantastische Fiddle,
Uillean pipes und nicht zuletzt Piano und Contrabass.
Besonders hervorzuheben sind die 2 Gitarristen, die mit traumwandlerischer Sicherheit zusammenspielen mit improvisatorischen Qualitäten: Die Pickings und Licks wechseln ständig, ändern sich in jeder Strophe, der Sound ist perfekt; Ihr Zusammenspiel klingt gleichzeitig wie aus dem Augenblick, im Spielfluss entstanden - aber in einer Qualität, als wäre es von Meisterhand durchkomponiert. In dieser Qualität ist mir das noch nicht begegnet.
Zu den Arrangements:
Hier ist alles verteten von unheimlich dichten Band-Arrangements, wo in einem Stück alle Instrumente dabei sind über zu sparsm instrumentierte Trios Duos von Stimme und 2 Gitarren/Piano bis hin zu einem puren Gesangsstück. Der Zuhörer ist allerdings gefordert, will er alle Details mitbekommen - manche Stücke muss man 2 mal hören, um z. B. die rhythmisch versetzten 2-stimmigen Parts von Flöte(n) und Dudelsack verfolgen zu können.
Wie heute guten Bands des Genres üblich werden zwischen den Strophen Instrumentaltunes eingewoben.
Wer selbst Irish Folk macht und die Messlatte ans obere Ende legen will ist hier bestens beraten.
Kurz: Soviel Qualität auf so vielen Ebenen kann man lange suchen. Lebendiger, zeitgenössischer Irish Folk auf kaum zu toppendem Niveau.
Die sonst immer noch häufig zu findenden Nerv-Zutaten der Branche - versoffen klingende und falsch intonierende Sänger, sich dröge an die Noten klammernde Klassiker, Standard-Akkorde schruppende Saitenzupfer, mit Wummer-E-Bass und Hämmerschlagzeug zubetonierter Band-Sound - all das wird man hier vergeblich suchen.
Und wer sich wünscht, Flook sollten doch mal noch eine supergeile Vokalistin zu ihrem Instrumentalwahnsinn dazunehmen: reinhören, kaufen...