Wie groß ist die Inflationsgefahr und wie realistisch ist die Gefahr eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Wirtschafts- und Währungsunion? Machen Bakrotteure, Wirtschaftsakrobaten und Spekulanten aus der Europäischen Union eine Gemeinschaft der Pleitestaaten? Wer war (und sind noch immer) diese (möglichen) Finanzhasardeure und Weichmacher der Währungen Europas? Gibt es einen Ausweg aus der aktuellen Misere? Wie heißen die "Sorgenkinder" und die absinkenden "Musterknaben" Europas? Welche Perspektiven hat der Wirtschaftsbund in den kommenden Jahren überhaupt noch? Kommt die Mark zurück? Welche Möglichkeiten hat das Individuum, wirtschaftliche Risiken zu minimieren und sich vor negativen Auswirkungen der derzeitigen Entwicklung zu schützen?
Frank Pöpsel stellt unangenehme und aktuell brennende Fragen nach der Gegenwart und Zukunft der Europäischen Währungsunion, die droht, eine Schuldengemeinschaft zu werden. Seine Antworten sind stets ausgewogen und tragen der Komplexität des Themas im besten Sinne Rechnung. Ausgezeichnet gelingt es dem Autor einen weiten Rahmen zu spannen, den er aus den Beschreibungen einzelner und gemeinsam tätiger Akteure rund um Immobilienkrise und Bankenskandale absteckt. Dabei denkt er politische Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen über lange Zeiträume stets mit. Das in diesem Rundumblick entstehende Gesamtbild trägt der Komplexität des Themas im bestem Sinne Rechnung, ohne dass wirtschaftstheoretisches Lagerdenken eine Rolle spielt. Tatsächlich ist damit eine "Anatomie der Jahrhundertkrise" (S. 13) entstanden, die diesen Namen verdient hat.
In exzellenter Kleinarbeit werden die Fäden wirtschaftlicher Gegebenheiten und Probleme verknüpft. Gesponnen wird daraus ein einzigartiges Analysenetz, das Bestandsaufnahme und Warnung zugleich sein kann. Das Buch beeindruckt durch verschiedene Gegenwartsanalysen genauso wie durch verschiedene Zukunftsszenarien, die der Autor auf einer einleuchtenden historisch rückblickenden Argumentationsbasis durchspielt. Gerade das Changieren zwischen ökonomischen Positionen und der dynamische Perspektivwechsel mit Blick auf die Finanzgeschichte genauso wie auf gegenwärtige Entwicklungen macht das Buch so interessant.
Aus den verschiedenen Puzzleteilen entsteht ein fein austarriertes Bild, das im letzten Drittel des Buchs Gründe der Krise und Versuche ihrer Überwindung mit ganz konkreten Handlungsperspektiven für den Einzelnen verbindet. Mit seinem "Schnellkurs in Sachen Selbstverteidigung" (ab S. 158) schlägt der Autor dort den interessanten Bogen von der ökonomischen Gesamtschau der Ereignisse hin zu den Folgen für den Einzelnen. Er fragt, welche Anlagemöglichkeiten abseits gefährlicher hochspekulativer Finanzprodukte in der Wirtschafts- und Finanzkrise Sparern und Anlegern bleiben. Konkrete Einschätzungen zu den Anlagemöglichkeiten in Gold, Immobilien und Aktien machen aus "Hilfe, unser Geld!" mehr als einen reißerischen Titel: Sie rufen nicht um Hilfe, sie geben sie auch.
Mein Gesamturteil: Ein wertvoller Beitrag zur kritischen Einordnung des aktuellen und jüngst vergangenen Finanzgeschehens. Eine fein austarierte Analyse der europäischen Wirtschaftsunion mit engagiertem Mut eines realistischen Blicks auf die Gegenwart. Ein fundiertes Stück Finanzwissenschaft mit prophetischer Kraft. Eine Arbeit mit großer Gegenwartsnähe und schonungsloser Offenheit, aus der immenser Weitblick für den Einzelnen und uns alle wachsen kann.