Ich habe das Buch geschenkt bekommen und gelesen.
Die Schenkerin hat eine Mutter, die nach mehreren Schlaganfällen im Altersheim lebt, und der es dort auch gefällt.
Mein eigener Vater ist verstorben und meine Mutter ist mit ihren 75 Jahren noch fit genug, sich selber zu versorgen.Dafür bin ich dankbar und weiß es zu schätzen, dass ich damit auch entlastet bin. Ich bin die einzige Tochter und fühle mich sehr wohl verantwortlich für das Wohlergehen meiner Mutter.
Dennoch... ich war sehr irritiert, was den Inhalt angeht.
Es gibt, so denke ich, viele erwachsene Kinder, die ihre Eltern lieben, aber aus finanziellen Gruenden nicht diesen Aufwand betreiben KÖNNEN, den Frau Biberti betreibt.
Was macht eine Tochter, die von 8 bis 18 Uhr an der Kasse bei Norma steht, anschliessend noch ihre zwei Kinder von der Kita abholen muss, Essenkochen und den üblichen Hauskram zu erledigen hat????
Wie bitte schafft eine solche Tochter, bei aller Liebe, mit Tulpen und Lachs in die Klinik zu fahren?
Bei Frau Biberti, die ja offenkundig Zeit und Geld hat, frage ich mich dennoch:
Und wo bleibt Sie selbst?
Einige Male ist von der Therapeutin die Rede, die meint, sie möge sich endlich etwas Gutes tun. Frau Biberti weiß zuerst gar nicht, was das sein sollte.
Ich habe gelernt, dass man Liebe nur dann weitergeben kann, wenn man fähig ist, sich selbst zu lieben. Das fängt mit der eigenen Wertschätzung an.
Ich muss nicht auf dem *Zahnfleisch* daherkriechen und auf einer Fensterbank in der Klinik nächtigen, damit jeder sieht: Hilfe, ich liebe meine alten Eltern!
Ich habe auch erfahren, dass all die ausgeprägten Helfer und Helferinnen im Leben,gar nicht sooooo selbstlos sind, sondern auch da einfach gut dastehen wollen.So nach dem Motto:
Schaut her, was ich leiste!
Ich bin sehr froh, dass es in Deutschland Alters-und Pflegeheime gibt.
Erwachsene Kinder, die einer Arbeit nachgehen müssen, noch eventuell kleinere Kinder versorgen müssen, können das nicht bewältigen, ohne dabei selbst starken Schaden zu erleiden.
Ein pflegender Angehöriger, der letztendlich selber am Infarkt durch Stress stirbt, damit ist keinem hilfsbedürftigen Elternteil geholfen.
Dieses ist keine überzogene Vorstellung von mir, sondern passiert oft genug, dass sich pflegende Kinder überfordern, die eigene Partnerschaft daran zerbricht, die Kinder darunter leiden oder man selbst mehr oder weniger schwer erkrankt oder stirbt.
Damit ist keinem gedient.
Ich selber glaube, es gibt ein gesundes Mittelmaß, wie man seinen kranken und hilfsbedürftigen Eltern helfen kann. Und es gibt auch alte Eltern, die bereit sind in ein Heim zu gehen.
Ich selber habe 6 Jahre lang mir mein Studium im Krankenpflegedienst verdient.
Auch wenns schon etliche Jahre her sind, auch damals gab es immer zu wenig Schwestern, zu wenig Zeit und zu viele Forderungen, die es zu bewältigen galt.
Ich bin noch im Nachhinein froh, dass ich keine Diskussionen mit einer Frau Biberti haben musste, wie ich ihre Mutter zu behandeln hätte.
Ich bin überzeugt, dass auch heutzutage die meisten im Pflegedienst, sich sehr bemühen und die Patienten und Patientinnen nach bestem Wissen und Gewissen versorgen.
Mag sein, mir fehlt der Humor, oder ich habe ihn nicht gefunden in dem Buch.
Ich fand vieles nur albern und absolut hirnrissig.
Gerade nach einem Schlaganfall zählen ja wohl Minuten, Sekunden...
Das Getüddel, dass die schwerkranke Mutter erstmal alleine die 76 Stufen runterwackeln muss, finde ich geradezu fahrlässig.
Oder der stille Vorwurf, dass bei einer Bettnachbarin der Sohn noch gar nicht da war. Woher nimmt Frau Biberti die Unverfrorenheit das zu beurteilen?
Vielleicht lebt er in Australien, oder es gibt andere Gründe, die das nicht ermöglicht haben.
Oder er war da... auch das gibt es, dass die Info von einem leicht dementen Menschen nicht so stimmt, wie sie weitergegeben wurde.
Auch wenn das Buch von den meisten so sehr gelobt wird.
Ich habe dazu eine andere Meinung.