Die Autorin schildert in diesem Buch, wie sie selber mit dem Krankheits- und dem Alterungsprozess ihrer Mutter zu leben lernte.
So weit, so gut.
Doch wird hier eine höchst pathologische Entwicklung als postitiv dargestellt:
die Tochter schlüpft im Verlaufe des gesamten Buches mehr und mehr in die typische Opferrolle, projeziert ihre eigenen Bedürfnisse permanent in das Verhalten der "anderen Angehörigen anderer Alter" und zieht ihr Selbstbewusstsein einzig daraus, dass sie es ja besser mache als eben diese "alle anderen".
Der eigentliche psychologische Verarbeitungsprozess sowohl der Tochter als auch der Mutter bleibt völlig auf der Strecke, übrig bleibt ein Opfer und keinesfalls eine Atmosphäre von echtem gegenseitigem Respekt.
Ich hoffe für die Autorin inständig, dass es eines Tages noch eine Fortsetzung dieses Buches geben wird, in dem nicht nur aufgezeigt wird, wie nicht nur die Tochter "Respekt und Humor lernt", sondern in der sie lernt, den Respekt und Humor auf sich selber anzuwenden und in dem diese Opferrolle einfach nicht mehr nötig ist.
Denn das sollte ja das Ziel sein: ein erfülltes Leben für alle Beteiligten. Nicht diese Situation, die hier am Ende des Buches geschildert wird und die von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt ist.
Auf alle Fälle beschreibt das Buch sauber einen wichtigen Lebensabschnitt der Autorin. Als psychologisch interessante Lektüre ist dieses Buch gut, als Lebenshilfe oder Ratgeber ist dieses Buch jedoch völlig ungeeignet.
Natürlich sind all die Schritte, die die Autorin durchlebt, zur Verarbeitung notwendig. Deswegen ist das Buch interessant und besitzt auch ein hohes Identifikationspotential.
Nur wurde das eigentliche Ziel hier in diesem Buch noch nicht erreicht.
Zusätzlich ist kritisch einzuwerfen, dass die Autorin zwar versucht, Handlungsanweisungen zu geben, diese jedoch am heutigen Gesundheits- und Sozialsystem völlig vorbeilaufen.
Nur wenige Arbeitnehmer Deutschlands dürften so ausreichend Geld, Zeit und Räumlichkeiten haben, um sich so aufzuopfern, wie die Autorin es tut.
Es ist nicht realitätsbezogen, einer fünfköpfigen Familie, die in einer Hochhaussiedlung wohnt und deren Eltern beide arbeiten müssen, um zu leben, einen solchen "Ratgeber" (oder ist es doch nur eine Biografie?) als solchen zu zeigen. Trotzdem denke ich, dass die meisten Familien einen respekt- und humorvollen Umgang zu pflegen wissen.
Ach ja: den einen Stern gab es für die beiden positiven Aspekte:
Den Mut, dieses Thema überhaupt zu beschreiben, und für den halbwegs flüssigen Stil.