Dieses Buch ist leicht und schnell zu lesen. Es gibt bei einem Akuttrauma einen guten ersten Überblick und auch hilfreiche Tips, wie man/frau mit der einen oder anderen Reaktion positiv umgehen kann. Außerdem erfährt der Leser, was überhaupt alles zu den Folgen eines Akuttraumas gehört. Das wiederum erleichtert die betroffene Person sowie Angehörige, da verständlich wird, dass viele plötzlich auftauchende, unerwünschte Verhaltensweisen durchaus für eine Betroffene/einen Betroffenen völlig normal sind.
Betonen möchte ich, dass es sich hier nur um einen Überblick handelt, um einsteigende erste Erklärungen, um Anstösse, was helfen kann (z. B. das Erlernen von Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, Autogenes Training o. a.) oder um das Aufzeigen, wann es sinnvoll bzw. sogar nötig ist, sich um professionelle Hilfe zu kümmern. Teilweise werden Hinweise im Buch wiederholt gegeben. Das kann zum einen langweilen, zum anderen aber auch verdeutlichen, was wichtig ist und deshalb "hängen" bleiben soll. Das Buch gibt eine gute Richtung vor. Für Angehörige ist es deshalb empfehlenswert, weil diese sich nicht erst durch eine dickes Buch wühlen müssen.
Das Buch ist eher nicht geeignet für Menschen mit komplexen Traumata, sondern z. B. für Menschen, die Opfer eines schweren Verkehrsunfalls, eines schlimmen Krankenhausaufenthaltes o. ä. geworden sind oder z. B. bei Verlust eines geliebten Menschens (z. B. ein Kind verliert Mutter, Vater oder Geschwisterchen).
Das Buch ist übersichtlich und ausführlich gegliedert, u. a.:
- Was ist ein Trauma?
- Ziele der Traumabewältigung
- Reaktionen auf ein T. (Symptome)
- Überwindung des T.
- Psychotraumatherapie
- ein Hinweis zu Medikamenten
- Auswirkungen auf Familie und Partner
- Hinweise, falls ein Kind traumatisiert wurde
- ein kurzer Hinweis zu Selbsthilfegruppen
Wichtig erscheint mir, dass bei der Suche nach professioneller Hilfe Wert darauf gelegt wird, dass die "Chemie" zwischen Therapeut und Betroffener/m stimmt, das man sich gut aufgehoben fühlt, ernst genommen, dass man den Raum hat, das zu sagen, was man vlt. gerade gar nicht aussprechen kann, aber das es wahrgenommen wird, dass der Therapeut eine gewisse Sicherheit vermitteln kann, aber auch zu seinen Unsicherheiten stehen kann, dass er authentisch ist. Reine Trauma-Therapie-Verfahren, seien sie noch so effektiv, nützen eher wenig, wenn der nötige Rahmen/ein gewisses Maß an Sicherheit nicht herstellbar ist. Es ist hilfreich, sich auf seinen Instinkt zu verlassen.
Möchte der Leser tiefer einsteigen, gibt es geeignete weitere Literatur zum Thema, z. B. "Traumazentrierte Psychotherapie" von Dr. Ulirch Sachsse (für Laien teilweise schwierig zu verstehen, aber sehr ausführlich und flüssig geschrieben).
Alles in allem ein für den Anfang sehr hilfreiches Buch.