Der Untertitel ist etwas irreführend, führt er doch (zumindest bei mir) zur Erwartung eines Sammelsuriums üblicher Selbstmanagement-Subthemen wie Motivation, Zeitmanagement etc.. Das Buch hat sechs inhaltlich gefüllte Kapitel (insgesamt 9, davon eines Literaturverzeichnis, eines "Gebrauchsanweisung und Danksagung" und ein nur sehr kurezes zweiseitiges zum "Strom des Lebens", das man auch woanders hätte reinpacken können).
Davon ist das erste ("Grundlagen für ein erfülltes Leben") das, was man am ehesten unter Selbstmanagement verstehen würde. Hier finden sich eine Darstellung ressorucenorientierter und systemisch-konstruktivistischer Grundannahmen und deren Bedeutung für mehr oder weniger alltagsrelevante Gebiete wie z.B. Rituale zum Tagesbeginn, der Einfluss des Verhältnisses zu den eigenen Eltern fürs Leben, Umgang mit den eigenen Kindern, Umgang mit Schuldgefühlen, etc..
Danach folgt ein Kapitel zum "Lösungs- und kompetenzorientierten Selbsmanagement bei psychischen Problemen im Allgemeinen", mit Themen wie Symptombedeutung, Bedeutung der Angehörigen, Kausalitätsfragen, Isomorphie, und anderen Gedanken auf systemischer Grundlage, im Gegensatz zum ersten Kapitel also schon etwas in Richtung klinischer Bedeutungen.
Die folgenden drei Kapitel machen den größten Teil des Buches aus, und befassen sich auf den Seiten 189-598 mit psychischen (umfangreichstes Kapitel: Sucht, Essstörungen, Borderline, Traumatisierungen, Depression, Krisen, Angsstörungen, Zwänge, Psychosen), somatischen, und psychosomatischen "Problemen", "Symptomen", "Beschwerden", "Erkrankungen". Das letzte inhaltlich gefüllte Kapitel hat wieder einen weniger klinischen Einschlag, und befasst sich wieder mit (i.S. eine Selbsmanagement-Buches) alltagsrelevanteren Themen wie Trennungen, Eifersucht, Schlaflosigkeit, Alpträume, Konfliktmanagement, Umgang mit Enttäuschungen, etc.).
Insgesamt finde ich das Buch anregend geschrieben, schön (allerdings Layout-mäßig sehr wenig ansprechend) sind die Abbildungen zu systemischen Modellen. Positiv ist auch die Vielzahl an Übungen, die in den jeweiligen Problem-Gebieten vorgeschlagen werden, sowie die konsequente Anwendung bestimmter Grundkonzepte (z.B. das Modell von therapeutischer bzw. selbstinitiierter Veränderung als Übergangsritual) in jeweils adaptierter Form für verschiedene Störungsbilder.
Das Buch hat allerdings nicht das Kaliber von "Probleme sind Lösungen", das ich für eine größere Fundgrube an Ideen halte, wenn auch vielleicht für eine andere Zielgruppe (wobei ich auch dieses Buch eher als an systemisch "Vorbelastete" addressiert empfinde. Für nicht Vorgebildete erscheint es mir insbesondere in der Funktion eines gezielten Nachschlagewerkes, wie es in der Einleitung angesprochen wurde, sehr anspruchsvoll). Für ein Selbstmanagement-Buch werden essentielle Themen ausgespart, die man darunter erwartet hätte. Der Fokus liegt im weitaus grüßten Teil des Buches auf (in der üblichen, nicht-systemisch-konstruktivistischen Bezeichnungsweise) klinischen Störungsbildern. Das ist irreführend. Aus diesen Gründen nur 4 Sterne.
Als FAZIT lässt sich festhalten, dass es ein Buch ist, von dem Auszubildende in systemischer / hypnotherapeutischer Ausbildung, sowie deren Klienten (aufgrund des z.T. recht anspruchsvollen Textes sehe ich es eher als Begleitbuch zur Beratung/Therapie geeignet) profitieren können. Durch die störungsspezifischen Bezüge ist es eine gute Ergänzung zu "Probleme sind Lösungen". Als Selbstmanagement-Buch allerdings nur begrenzt zu empfehlen.