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Der Ansatz von Josef Kirschner, sich selbst zu helfen und sein Leben eigenverantwortlich zu führen, klingt gut. Einen wesentlich Teil trägt nach Kirschner das autogene Training dazu bei, gelassener auf seine Umwelt zu reagieren und ein besseres Gespür für sich selbst und seine Bedürfnisse zu entwickeln.
Mit zahlreichen anschaulichen Beispielen zeigt, auf welche Art und Weise Menschen sich oft jahrelang in unangenehme Lebensumstände zwingen und wie sie daraus mit Mut, Disziplin und einer neuen 'Einstellung' herauskommen. Einleuchtende Ratschläge und Übungsanleitungen (z.B. Atemübungen) sollen einen Ausweg aufzuzeigen.
Zwar ist das Buch mittlerweile ein Klassiker, dennoch finde ich es in seiner Zielsetzung nicht immer ganz gelungen. Kirschner suggeriert in seinen Tipps zur täglichen Selbsterziehung, wie es machbar sei, das Rauchen aufzugeben, sich von Ängsten zu befreien, seine Ehe gegen Krisen abzusichern und wie man vor Krankheiten verschont bleibt.
Spätestens dann, wenn diese hochgesteckten Ziele nicht erreicht werden, steigt der persönliche Erfolgsdruck und es folgen vielleicht Selbstvorwürfe, etc. ... denn man ist ja seines Glückes eigener Schmied. Sinnvoller wäre es sicher, manche Anliegen mit professioneller Hilfe anzugehen, als nur mit Kirschners Anleitung alles beheben zu wollen.
Der andere kritische Punkt in diesem Buch ist das Selbst- und Weltbild. Alle anderen sind unsere Gegenspieler und wollen uns nur zu ihrem Vorteil manipulieren. Da wird es höchste Zeit, dass wir als die guten Leser lernen müssen, uns dem zu widersetzen und zukünftig unsere eigenen Ziele verfolgen...
Da glaube ich lieber an ein WIN-WIN-Prinzip mit beiderseitigem Nutzen.
Gefährlich kann das Buch für Leser sein, die sich bisher selbst unterdrückt und fremdgesteuert erlebten und nach der Lektüre hochmotiviert ins Gegenteil wechseln. Das hat garantiert Auswirkungen, die in ihrer Tragweite von Kirschner überhaupt nicht beachtet werden. Bei ihm heißt es da eher 'Augen zu und durch' bzw. liegt im 'Widerstand' der Mitmenschen gegenüber eigenen Veränderungen fast schon wieder der Beweis dafür, dass was wirkt und sinnvoll ist. Finde ich eine sehr ungesunde Einstellung für Veränderungen.
Insgesamt kann man das Buch und manch eingängiges Beispiel mit einem gewissen Nutzen und Aha-Effekten lesen. Dennoch gibt's mittlerweile wesentlich bessere Bücher zur Persönlichkeitsentwicklung, die auch das berufliche / private Umfeld des einzelnen bei Veränderungen mit einbeziehen und sicherlich effektivere Übungen und Fragen bieten als Kirschner. Selbst mit 3 Sternen eigentlich schon etwas überbewertet ... lieber was besseres suchen.
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