Hilde wollte es noch einmal wissen. Das erfolgverwöhnte Multitalent setzte zu einer "Welttournee" an, die dann nach wenigen Auftritten bereits wegen mangelnden Publikumsinteresses schmachvoll und von den Medien genussvoll ausgeschlachtet endete.
Man sieht eine Frau auf der Bühne, der infolge ihrer Krankheiten, insbesondere jedoch ihrer langjährigen Drogensucht die Kraft fehlt, einen ganzen Abend live zu bestreiten. Man sieht, dass sie abgebaut hat, unter dem fehlenden Publikumsinteresse (es ist keineswegs ein Zufall, dass lediglich die ersten Hallenreihen gezeigt werden) leidet. Man sieht auch, wie sie dagegen ankämpft, es sich und den Anwesenden dennoch zeigen will. Und man sieht auch die Rührung, die sie angesichts der Liebe der wenigen Getreuen vor ihr im Dunkeln ergreift.
Auf den Punkt gebracht sieht man eine Große, die gescheitert ist und sich in Selbstüberschätzung auf etwas einlässt, das sie nicht mehr reißen kann. Und man sieht vor allem: Es ist ihr bewusst. Und darin liegt die eigentliche Tragik.
Im Gegensatz zu meinen Vorrezensenten bin ich glücklich über dieses spärliche Filmmaterial. Wir alle wollen Sieger SEIN und demzufolge auch nur Sieger SEHEN. Scheitern ist verpönt und nicht gesellschaftsfähig; ein Makel, der für immer klebt. Dabei übersehen wir gerne, dass wir ALLE scheitern. Irgendwie, irgendwann. Diese DVD zeigt genau jene Seite, die der Mensch so gern tabuisiert, um sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen und seine Abgründe zuschütten zu können.
Ich bin nicht glücklich, Hilde in diesem Zustand zu sehen. Ich hätte ihr den so sehr erwünschten großen Erfolg von Herzen gegönnt. Da es aber nicht so sein sollte, freue ich mich über dieses nahezu letzte Dokument einer grandiosen Frau, die auch im Scheitern ihre Würde nicht verloren hat. Das ist es doch letztendlich, was zählt und bleibt!