Ich muss zugeben, nach dem ersten Hören von "Highway Companion"' war ich enttäuscht. Angefüttert durch "Saving Grace", "Square One", "Flirting with Time" und "Big Weekend", konnte ich meine Vorfreude kaum in Grenzen halten. Jedoch wurden die hohen Erwartungen nicht ganz eingelöst. Aber erst mal das Positive. Jeder einzelne Song auf diesem Silberling ist gut bis brillant. Einzige Ausnahme bildet "Damaged by Love'", das für meinen Geschmack lahm und zu eintönig ist. Bei den anderen Songs geht es indes stilistisch recht abwechslungsreich zu. Bluesiger Rockabilly, California-Rock, etwas Traveling Wilburys, eine gute Prise George Harrison, die Beatles und Bob Dylan sind mehr oder minder deutlich herauszuhören. Letzterer insbesondere bei '"Down South"', das wie die Coverversion eines unveröffentlichten Liedes von Bob Dylans "Love & Theft"-Album klingt. Als 'dylanesk" kann man auch einige der augenzwinkernden Lyrics bezeichnen. In der Tat verblüffend für Herrn Petty sind die im Song "Jack" wiederzufindenden Anklänge an Tito & Tarantula.
Der Qualität der einzelnen Songs zum Trotz fehlt dem Album jedoch das gewisse Etwas, nämlich eine spannungsreiche Dramaturgie. Zwar sind die Lieder stilistisch unterschiedlich, kommen im Gros aber im gleichen Tempo daher. Ausnahmen bilden "Saving Grace" "Flirting with Time'" und "Big Weekend", die mit Schwung den Hörer zu einem erhöhten Fußwippen oder gar durch-die-Wohnung-Schunkeln veranlassen. Selbst bei "Turn This Car Around" ist es der energetische Mittelteil, der dem Song seine ganze Genialität verleiht. Auch wird hier Pettys über weite Strecken eher säuselnder Vortrag durch eine kraftvolle Gesangsstimme abgewechselt. "Highway Companion" kommt insgesamt zu gemächlich daher. Man möchte zwar keinen einzigen Song missen (außer vielleicht dem bereits erwähnten "Damaged by Love"), aber hätten der Langrille noch zwei Up-Tempo-Stücke gut getan, die noch etwas Pfeffer ins Gemisch brächten. Das ist es nämlich auch, was Pettys andere Soloalben "Full Moon Fever" und "Wildflowers" neben den einzelnen Hammersongs so herausragend machte, die Dramaturgie in der Abfolge und Kombination der Lieder. Es ist einfach cool, wie auf "Full Moon Fever" das Schlaflied (jetzt im positiven Sinne) "Alright For Now" zwischen den beiden Party-Songs "Apartment Song" und "A Mind With a Heart of Its Own" steht oder auf "Wildflowers" das herrlich minimalistische "Don't Fade on Me" auf das furios rockende "Honey Bee" folgt. Gerade diese Spannung zwischen laut und leise, langsam und schnell ist es, was "Highway Companion" fehlt. Von diesem Makel bleiben die Songs selbst natürlich unberührt, und nach mehrmaligem Hören geht diese Platte auch auf wie eine knospende Blüte (kitschiges Bild, ich weiß). Dennoch bewahrheitet sich wieder die alte Weisheit: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das gilt leider auch für solche genialen Songwriter wie Tom Petty.