Ja, sie hat mit Mick Jagger geschlafen und mit Keith Richards und beinahe auch mit David Bowie. Und sie ist berühmt geworden. Als Modell und als Mitglied der Kommune 1 und Freundin von Rainer Langhans. Sie hat ihr Leben nicht nur in München und Hamburg verbracht, sondern auch in Indien, Kalifornien, Mexiko und New York. Und sie ist den Beschränkungen der kleinbürgerlichen, bayrischen Familie entkommen. Sie hat frei gelebt.
Aber hängen geblieben ist sie dann doch bei einer Hamburger Szenegröße namens Bockhorn. Der zwar im Buch mehrfach als Lude bezeichnet wird, dann im Detail doch eher als Gastronom beschrieben wird, sogar als guter und erfolgreicher Gastronom, der allerdings harten Drogen verfallen war. Und auch in Uschis eigenen Leben nehmen die Drogen neben dem Thema Sex wohl die größte Rolle ein. Und so erfahren wir überraschend wenig über die spannenden Menschen, denen die bayrische Schönheit in ihrem Leben so begegnete. Über Mick Jagger weis sie eigentlich nur zu sagen, dass er schöne Lippen hat. Ach wie neu. Dass er sich manchmal etwas weiblich bewegt. Ach ja. Und das er nicht treu sein kann. Na das hätten wir jetzt wirklich nicht gedacht!
Das Buch hinterlässt den Eindruck, als wäre das wahre Leben irgendwie an der Obermaier vorbeigegangen, als hätten sich die Männer in ihrem Leben eben doch nicht ernsthaft mit ihr beschäftigt. Und sie eigentlich auch nicht mit ihnen, jedenfalls nicht außerhalb des Bettes. Wenn man das Buch so liest, wie es nun mal geschrieben ist, lernt man, dass es eben doch nicht reicht, einfach nur hübsch und freigiebig zu sein. Und vielleicht hat Mick deshalb auch Bianca geheiratet und nicht Uschi Obermaier. Und so schüttelt man verzweifelt den Kopf über die Männer, bei denen sie dann bleibt. Ihre Auswahlkriterien: Am liebsten Rockstar, aber mindestens Szenegröße, Prominenz hilft, Machismo auch und wenn man sich eine einfängt, dann gehört das auch dazu. Dass ausnahmslos alle Männer in ihrem Leben (lt. Buch) fremdgegangen sind, erstaunt dann nicht mehr wirklich. Warum das aber alles sein muss, versteht man dann doch nicht, vor allem weil die im Buch reichlich abgedruckten Bilder eine wirklich wunderschöne und aufregende Frau zeigen.
Vielleicht ist das ganze gar nicht mal die Schuld der Obermaier. Das Buch erscheint sehr schwach geschrieben, nicht nur vom Inhalt sondern auch sprachlich. Über weite Strecken empfindet man den Text auf dem Niveau der Bildzeitung. Selbst das erste Bohlenbuch war da besser, weil es wenigstens witzig war. Der Bildzeitungsjargon schadet auch der Glaubwürdigkeit des Textes. Man hat den Eindruck, dass hier nicht immer Authentisches erzählt wird.
Überraschenderweise ist das Buch an zwei Stellen dann plötzlich offen und ehrlich, jedenfalls ist es mir als Leser so erschienen. Die erste Stelle ist das Nachwort, in dem erzählt wird, dass die Obermaier den Text von Kraemer selbst zuerst abgelehnt hat (die genannten Gründe sind aber wieder so "na ja") und dass die Veröffentlichung erst im Rahmen des gleichzeitigen Filmprojektes zustande gekommen wäre. Und ja, als Film für 90 Minuten kann ich mir das alles spannender (weil optischer) vorstellen.
Die zweite, authentische Stelle ist ein niedergeschriebener Tonbandmitschnitt. Dort äußert sich Bockhorn gegenüber Langhans über Uschi. Was er sagt, ist nicht sehr freundlich. Es ist seine Sicht. Aber vielleicht eben doch in einigen Punkten zutreffend. Jedenfalls erhält man in dieser Passage von wenigen Seiten das Bild eines Paares, das sich wirklich liebt. Aber das sein Leben und seine Beziehung eben doch nicht auf die Reihe bekommt. Weder emotional, noch sexuell, noch finanziell, noch sonst wie. Ich kann es kaum mit einem anderen Wort beschreiben: Irgendwie ein verficktes Leben.
Ja, ein trauriges Buch.