Kritik:
Alexandre Ajas Regie-Debüt gibt es jetzt als 2-Disc-Special-Edition - und Splatter-Freunde ziehen dank zweiminütiger Sinnlos-Zensur lange Gesichter.
Film: 3/5 Sternen (Für die gekürzte, deutsche Version. Näheres dazu am Ende der Kritik)
Die Story des Filmes ist relativ schnell zusammengefasst. Die Freundinnen Alex (Maïwenn Le Besco, bekannt als "Diva" in "Das Fünfte Element") und Marie (Cécile De France) beschließen, einige Zeit bei Alex' Eltern in einem abgelegenen Farmhaus zu verbringen, um gemeinsam für das Studium lernen zu können. Doch kaum angekommen und eingelebt, dezimiert ein wahnsinniger Killer die Familie, inklusive Kind, und nimmt Alex gefangen. Nun liegt es an ihrer Freundin Marie, sich an die Fährte des Killers zu heften und ihre Freundin zu retten, ohne jedoch selbst entdeckt zu werden.
Zugegeben, mit dem Story-Konstrukt gewinnt Aja keine Lorbeeren und auch der Storytwist am Ende strotzt nur so vor Logiklücken. Doch was den Film auszeichnet ist nicht seine Geschichte, sondern vielmehr die Art der Inszenierung. Selten war ein Katz&Maus-Spiel so derart spannend inszeniert, dass man sich selbst fast in die Finger beisst, um nicht zu schreien.
Ajas Gespür für Ton, Bild und Kameraführung ist einfach phänomenal. Ist zum Beispiel der Killer im Bild, ist die Kameraführung sehr ruhig und subtil, ja fast schon beängstigend schleichend. Ist allerdings Marie oder ihre Freundin im Bild, wird die Kamera lebendig, fängt an zu wackeln und zieht den Zuschauer immer in die entsprechende Situation mit hinein. So hat man immer das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.
Untermalt wird das Ganze von einer exzellenten Soundtrack, der oft minutenlang nur verzerrte, elektronische Töne pulsieren lässt, währen die Szene mit einer fast nicht enden wollenden Kamerafahrt untermalt wird - absolut fesselnd.
Ebenfalls interessant ist der gekonnte Umgang bzw. das Umgehen von gängigen Klischees - selten passiert das, was man aus anderen Filmen bereits kennt.
Warum aber nur 3/5 Sterne? Dies liegt zum Ersten daran, dass die deutsche Version, gnadenlos geschnitten ist - der fehlende Blutgehalt wäre dabei noch zu verschmerzen, aber dass die Schnitte teilweise so hart sind, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, irgendwas zu verpassen, dann reisst einem eben genau dieser Schnitt aus der gesamten Atmosphäre des Films und zerstört die davor aufgebaute Spannung.
Zum anderen wäre da der Schlusstwist. Dieser ist von der Grundidee zwar gut gemeint, ist in der Umsetzung allerdings absoluter Schwachsinn. Im Gegenteil - anstatt einem "Aha!" entlockt es dem Zuschauer ein rätselndes "Wie ist das denn bitte möglich?". Dies führt ebenfalls dazu, dass viele vorangehende Szenen so einfach nicht möglich sind, was auch hier nachträglich viel Atmosphäre kostet. Dies führt Stellenweise soweit, dass man den grandiosen Showdown nur zum Teil verfolgen kann, da man anderweitig beschäftigt ist, alte Szenen mit neuem Hintergrundwissen zu verarbeiten, nur um immer wieder auf das gleiche Resultat zu kommen - Unsinn.
So katapultiert ein gut gemeintes, aber völlig bescheidenes Ende einen über weite Strecken grandiosen Horror-Splatter-Thriller leider "nur" ins gehobene Mittelfeld.
Extras: 3/5 Sterne
Die erste DVD enthält, wie so üblich, den Film, sowie einige Text-Biografien zu den Schauspielern und Trailer zu anderen Filmen. Der Film selbst unterstützt Dolby Digital 5.1 in Deutsch, Headphones 5.1 in Deutsch, sowie eine französische und englische 5.1-Variante. Mehr gibt es auf DVD Nummer 1 nicht zu finden.
Interessanter ist da schon die zweite DVD. Diese enthält ein knapp 40-minütiges Making-Of, in dem vor allem Regisseur Aja den Werdegang des Filmes dokumentiert. Hinzu kommen noch mal ca. 40 Minuten Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Maskenbildner des Films. Neben den üblichen Selbstbeweihräucherungen erfährt man durchaus einige interessante Details von der Vorbereitung des Schauspielers bis hin zu der Identifikation seines Leinwandcharakters. Alles ist in französischer Sprache und mit gut übersetzten, deutschen Untertitel ausgestattet. Abschließend gibt es noch eine kleine Artwork-Gallerie, in der man Poster und einige Filmausschnitte zu sehen bekommt.
Allerdings vermisse ich schmerzlich einige Features, wie Outtakes, weggefallene Szenen und Audiokommentare - eben all das, was heutzutage auf gängigen DVDs fast schon zum guten Ton gehört.
Apropos Ton - Bild und Ton sind absolut erste Sahne. Der Ton ist in allen Sprachen sehr klar, das 5.1 wird atmosphärisch sehr gut eingesetzt und auch die Bilder sind gestochen scharf und bieten gute Kontraste. Hier gibt es nichts zu bemängeln.
Bemängeln muss man aber die Tatsache, dass im Hauptfilm, wie schon erwähnt, knapp zwei Minuten Splatter-Szenen der Zensurschere zum Opfer fielen - diese aber auf der zweiten DVD im Making-Of in aller Ausführlichkeit, meist sogar mehrmals, zu bewundern sind. Warum sie hier gezeigt werden, der Hauptfilm aber so grässlich verstümmelt wurde, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.
Fazit: High Tension ist ein großartiger Horror-Thriller, der trotz schwachem Story-Twist durchaus fesseln kann. Die schauspielerischen Leistungen sind, am Genrestandard gemessen, überdurchschnittlich hoch und Regisseur Alexandre Aja versteht sein Handwerk - Bild, Ton und Schnitt erzeugen eine beklemmend dichte Atmosphäre, die den Zuschauer knapp 85 Minuten kaum mehr loslässt. Die zweite DVD mit Making-Of und Interviews ist ihr Geld allemal wert, auch wenn ein, zwei Features mehr nicht geschadet hätten. Ton und Bild sind absolut in Ordnung und lassen keine Wünsche offen.
Wer einen empfindlichen Magen hat, dennoch aber nicht auf einen gut gemachten Horror-Streifen verzichten möchte, der kann bedenkenlos im Laden zugreifen.
Wahre Splatter-Freunde sollten sich vor dem Kauf überlegen, ob sie nicht lieber ein paar Euro mehr investieren möchten, um sich den Film aus Österreich zu Importieren - diese ist ebenfalls FSK-18, dafür dann aber auch knapp zwei Minuten länger, ungeschnitten und dadurch atmosphärisch etwas packender.
Anmerkung: Meine Wertung bezieht sich auf die hier lieferbare, geschnittene Version. Für die ungekürzte Version bekommt der Film 4/5 Sterne, statt der jetzigen 3/5. Dies liegt nicht nur am erhöhten Blutzoll, sondern auch daran, dass einige Szenen durch die Schnitte etwas wirr verlaufen, wie z.B. die abgetrennte Hand der Mutter. In der gekürzten Version sieht man nicht, wie diese Hand abgetrennt wird - als im späteren Verlauf die Protagonistin die Hand zur Seite räumt, fragt man sich daher, woher diese stammt. Auch sind die Schnitte teilweise sehr apprupt und oft hat man das Gefühl, etwas nicht mitbekommen zu haben.