Gegensätzlicher könnte die Stimmung nicht sein. Draußen scheint die Sonne, es herrschen Frühlingstemperaturen. Und im CD-Player rotiert die zu Musik gewordene Schwermut. Chris & Carla, also Chris Eckman und Carla Torgerson, die Masterminds der famosen Walkabouts, klingen so, wie man sich das bei ihnen vorstellt: wie der Herbst, wie fallende, rotbraune Blätter, wie die frühe Dunkelheit. Und trotzdem gibt es da immer noch diese Wärme, es ist nicht kalt. Das Zusammenspiel der beiden Stimmen machte schon bei den Walkabouts etwa 50 Prozent des Sounds aus. Warum sollten sie also das Konzept ändern? Carlas glasklarer, wundervoller Engelsgesang und das Brummen von Chris gehen mal wieder die perfekte Symbiose ein.
Die Musik passt dazu: Mal abwartend wie im Opener "At the Twilight's Last Gleaming", total zurückgenommen wie in "Ice Station Zebra", eine Mischung aus Country-Rock mit fetten Beats ("Long Slow River") oder atmosphärisch wie The Notwist ("Raise Backwards"). Doch meist klingen sie tatsächlich wie The Walkabouts. Nur zwei kleinere Ausfälle gibt es: "Taking Love of Our Senses" schleppt sich ins Ziel, wie ein fußkranker Greis. Das Titelstück, diese schräge Hymne, langweilt auch. Schwieriger wird es, die Highlights rauszupicken. Denn "Fly High Brave Dreamers" ist in sich stimmig, die Songs ergeben in dieser Reihenfolge einen Sinn - und sie sind fast alle sehr gut.