Er hat aber sicher nicht nur die Zimmer für Dr. Thorndyke (Mel Brooks) und seinen Chauffeur Brophy (Ron Carey) in den 17. Stock des Hotels verlegen lassen, sondern auch noch für einige weitere Ideen gesorgt, die Mel Brooks' "High Anxiety" (1977) nicht nur zu einem der besseren Brooks-Filme machen, sondern auch zu einer insgesamt stilvollen Hommage an Alfred Hitchcock, den Master of Suspense.
Dies fängt schon mit einer an sich spannenden Geschichte an: Als Dr. Thorndyke die Nachfolge eines plötzlich verstorbenen Kollegen als Leiter einer Nervenheilanstalt antritt, beschleicht ihn schnell das Gefühl, daß er bei seinem Stellvertreter Dr. Montague (Harvey Korman) und bei der Oberschwester Diesel (Cloris Leachman) alles andere als willkommen ist und daß hinter den Mauern der Anstalt Dinge geschehen, die man vor ihm verbergen möchte. Auf einer Tagung trifft er Victoria Brisbane (Madeline Kahn), die Tochter eines schwerreichen Industriellen, der ein Patient in der Anstalt ist, doch anhand eines Photos, das Victoria bei sich trägt, erkennt er, daß der ihm als Brisbane vorgestellte Patient gar nicht der besagte Industrielle ist. Leider erfahren auch Montague und Schwester Diesel von Thorndykes neuer Erkenntnis und setzen alles daran, daß er diesem Geheimnis nicht weiter nachspüren kann.
Dieser Plot bietet den Nährboden für ungezählte Anspielungen auf Hitchcocks Filme. Neben der berühmten Duschszene aus "Psycho" (1960) und einer wirklich fiesen Taubenattacke, in Anlehnung an "The Birds" (1963), sind auch weniger bekannte bzw. ältere Werke des Meisters im Brook'schen Fadenkreuz. Selbst die Hitchcocks Gespür für unheimliche und in Erinnerung bleibende Effekte und Bilder vorwegnehmende Szene aus "The Lodger" (1927), in der wir den unheimlichen Mieter aus der Untersicht durch einen Glasboden in seinem Zimmer auf und abgehen sehen, wird von Brooks wiederentdeckt, wenn wir Montague und Diesel bei Kaffee und Kuchen durch einen Glastisch beim Aushecken ihrer teuflischen Pläne belauschen. Typische Settings, typische Kameraperspektiven und musikalische Effekte und auch typische Motive eines Hitchcock-Filmes wie das des unschuldig von der Polizei Verfolgten - sie alle finden auf die ein oder andere Weise Eingang in "High Anxiety".
Eine Brook'sche Marotte, das offenkundige Einbrechen der Filmdrehrealität in die im Film dargestellte Realität, findet auch in "High Anxiety" ihren Platz, etwa wenn die Kamera langsam auf ein geschlossenes Fenster zoomt, hinter dem sich das Personal der Klinik beim Abendessen befindet, und dann beim Zoomen dieses Fenster durchbricht, worauf sie erstaunte Blicke seitens der Figuren erntet und sich wieder zurückzieht.
Zwar gelingt es Brooks ganz sicher nicht in jedem seiner Filme, auf albernen oder zu geschmacklosen Humor zu verzichten oder überhaupt nur das richtige Maß für das noch Zumutbare zu finden, aber "High Anxiety" leidet auf keinen Fall unter den typischen Schwächen so manches Brooks, wenn sich auch ein, zwei Längen in den Film eingeschlichen haben. Dies macht den Film für Hitchcock-Freunde denn auch zu einem gelungenen Bilderrätsel.