Ich habe in dieses Buch mal reingeschaut, weil ich den Titel interessant fand, wurde dann allerdings ziemlich enttäuscht.
Auf den ersten Blick sind manche "Alttagsanekdoten" die die Autoren in dem Buch beschreiben, ja ganz nett, aber die Verbitterung, die sie darüber kundtun, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen.
Da regt sich ein Herr Seidl drüber auf, dass die Strassenbahn mal zu spät ist, weil davor eine Baustelle auf der Strasse ist, oder weil das Essen im Restaurant mal nicht so ganz perfekt ist, aber was sind das denn für Kleinigkeiten?
Es erinnerte mich an ein Rendezvous eines kleingeistigen, biederen, engstirnigen Männchens mit einer grossartigen, verrückten, manchmal ein bischen schäbig aussehenden, aber unwahrscheinlich liebenswerten alten Dame.
Berlin ist einfach menschlich, nicht perfekt, manchmal launisch, aber immer grundehrlich, so wie wir Berliner auch.
Lieber lebe ich mit den kleinen, liebenswerten Unzulänglichkeiten und weiss dafür, dass hier die Menschen ehrlich sind, sagen was sie denken und Intrigen und Intoleranz weit weniger verbreitet sind als in so "herausgeputzten Weststädten", wo die Autoren ja herkommen.
Was Berlin wirklich ausmacht und wie toll und einzigartig Berlin sein kann, wenn man sich nur darauf einlässt, haben die Autoren leider nicht verstanden.