Es ist schwierg, für alle gleich laute Lacher zu kreieren. So auch hier. Man kann nicht über alle lachen, einige zwingen gar zum Nachdenken. Und doch, diese Mischung lohnt das Immer-Wieder-Lesen wo auch immer.
Besonders lesenwert das Nachwort, in dem eine kurze Kulturgeschichte des Witzes gegeben wird. Wir lernen, dass bereits Goethe gerne Berliner Witze und schnelle Erwiderungen mochte, aber leider keine seiner Favoriten festgehalten hat. Die frühest nachgewiesene, gedruckte Witzesammlung stammt bei uns aus 1830. Aber schon im Altertum gab es Sammlungen, z.B. der Lachfreund von Hierokles und Philagrios.
Aus Ägypten kann man auf einer 4600 Jahre alten Papyrusrolle diese Scherzfrage lesen: "Wie heitert man einen gelangweilten Pharao auf? Indem man eine Schiffsladung junger Frauen, die nur Netze anhaben, über den Nil fahren lässt und den Pharao zum Angeln schickt."
Gute Witze dürfen gut und böse sein, vulgär und plump. Sie dürfen alles, Grenzen überschreiten, Vernunft und Logik austricksen, sie sind mit der größtmöglichen kreativen Freiheit ausgestattet. Und schon Nietzsche meinte: "Zehnmal sollst Du lachen am Tag, sonst stört Dich der Magen bei Nacht."
Witze sind Venitle, sie wirken wie Gesundheitsmittel, lassen den düsteren Augenblick vergessen, erlauben das Über-Allem-Stehen. Witze sollten aktuell sein und doch zeitlos, nicht zu primitiv, sie dürfen intellektuell nicht unterfordern, müssen gut erzählt werden und überhaupt: sie sind wie das Leben, überraschend und unvergleichlich herausfordernd.
Hier meine 3 Lieblingswitze:
"Der Professor wird von einem Radfahrer angefahren. Fragt der: haben Sie mich nicht klingeln hören? Doch, aber ich dachte, es wäre das Telefon."
"Warum darf ein Beamter kein Viagra nehmen? Weil dann zwei herumstehen."
"Der Arzt zum grippekranken Möch: noch 2, 3 Tage und Sie werden wieder auf Ihren Knien sein."