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Inmitten schlimmster Seuchen und Hungersnöte fällt eine riesige Armee der Plenimarans in Skala ein. König Erius verteidigt die Hauptstadt verzweifelt, doch er weiß, dass seine letzte Hoffnung ein zusätzliches Heer ist, das nur Tobin auf die Schnelle in seiner Provinz Atyion ausheben kann.
Bald findet sich Tobin als Anführer der Befreiungsarmee wieder, die allein seinem Befehl folgt, während der Kampf um Ero verloren und König Erius gefallen ist. Arkoniel und Iya wissen, dass dies der Zeitpunkt ist, um Tobins Anspruch auf den Thron geltend zu machen, und so kommt es zur Offenbarung seiner wahren Identität vor Tausenden seiner direkten Untertanen.
Als Königin der Prophezeiung marschiert Tamír II., wie Tobin sich nun genannt hat, auf Ero zu; mit dem alles andere als glücklichen Ki, dem wachsamen Tharin, Arkoniel und dem lebensmüden Lynx an ihrer Seite.
Besprechung:
Der zweite und bislang letzte Teil der Reihe hat meine hohen Erwartungen mehr als erfüllen können. Es ist das einzige Buch seit vielen Jahren, das mich bis 4 Uhr nachts wachgehalten hat :-)
Die Erzählung umspannt mehr Zeit als der erste Band, Tobins Weg am Hof wird streckenweise zusammenfassend berichtet. Insgesamt gibt es mehr kämpferische Szenen, die aber nicht in seitenlanges Schlachtgetümmel ausarten, sondern vorallem dazu dienen, Tobins Stellung als fähiger Kämpfer und Anführer zu veranschaulichen und somit seine hohe Stellung in der Gunst des Hofes zu begründen.
Highlights des Romans sind der Besuch der königlichen Gefährten bei Kis Familie und die Verwandlung Tobins in Tamír, und an beiden Stellen wird der Leser sich dem Zauber, den Flewellings Erzählweise ausübt, nicht entziehen können. Die Charakterzeichnung ist ebenso gelungen, die Handlung möglicherweise sogar spannender (i.e. actionreicher) als im ersten Band. Trotzdem soll man sich auch hier nicht vorstellen, es handele sich um reißerische Kampffantasy.
Genug gejammert, nun zu den Lobeshymnen, denn dieses Buch steht dem ersten wirklich in nichts nach. Weiterhin bleibt die Autorin ihrem Stil treu und lässt die Geschichte eher ruhig dahin plätschern, setzt viel auf ihre starken Charaktere (egal, ob gut oder böse) und vereinzelt auch auf Emotionen (ohne dabei kitschig zu werden).
Tobin weiß nun um ihre wahre Identität, lebt aber mit der Bürde, ihr Wissen nicht mit allen ihrer engsten Freunde teilen zu können. Diese innere Zerrissenheit vermag Flewelling sehr gut darzustellen und fesselte - zumindest mich - noch mehr an das Buch und seine Protagonisten.
Doch die Autorin "kümmert" sich nicht nur vornehmlich um ihre Hauptfiguren, sondern erweckt auch Randfiguren zum Leben, indem sie scheinbar unwichtige Geschehnisse einflechtet und so auch den Hintergrund der Geschichte lebendig werden lässt. Ich habe mich stets so gefühlt, als befände ich mich mitten in Skala bzw. Ero - eine Tatsache, die neben ihren gelungenen atmosphärischen Beschreibungen sicherlich auch in der relativ geringen Anzahl an Schauplätzen begründet ist. Und daran, dass sie sich Zeit lässt, eine scheinbar unwichtige Episode sorgfältig auszuspinnen!
Alles in allem ein wundervolles Buch, das ich jedem, der eine spannende, aber dennoch (be-)rührende Geschichte mit starken Charakteren zu schätzen weiß, nur ans Herz legen kann.
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