Tokyopop veröffentlicht neben zahlreichen schwarzweißen (Ger)Manga-Büchern auch eine kleine aber sehr feine Auswahl frankobelgischer farbiger Comic-Alben. Neuester Zugang der kleinformatigen Comic-Alben, die sich an junge Leserinnen wenden, sind jetzt die beiden Schwestern Marine und Wendy. Neben den ebenfalls durch die Bank lesenswerten Serien "Ernest & Rebecca", "Lou!" und "Sybil, die Taschenfee" überzeugt die Serie "Hey Schwester!" durch witzige Einseiter und den großartigen Strich von Cazenove. Auch die Kolorierung, für die der Künstler hier selbst verantwortlich zeichnet, ist augenschmeichlerisch geworden und überzeugt durch gekonnte Schattierungen.
"Hey Schwester!" beleuchtet die alltägliche Hassliebe zwischen Marine und ihrer großen Schwester Wendy (wobei sich die Schwestern hier eindeutig die meiste Zeit über lieben, und dennoch - typisch für Geschwister - recht schnell in Streitereien geraten können). Egal ob es um Wendys (für Marine waaaaaaaaaaaaahnsinnig interessantes) geheimes Tagebuch geht, um Max (in den Wendy trotz seines bescheuerten Vornamens verknallt ist) oder um typische Klischees wie Klamotten und Schminke, jedes Thema wird von Cazenove humorvoll auf's Korn genommen.
Wie unglücklicherweise auch alle anderen Tokyopop-Alben der genannten Mädchentitel, leidet auch "Hey Schwester!" unter dem kleinen Albumformat. Klar will Tokyopop hier in einem Marktsegment unter 10 Euro seine Comics an die junge Frau bringen, dennoch ist die Gestaltung eindeutig für das klassische (größere) Albumformat ausgelegt. Kleine versteckte Anspielungen und Hommages wie Buzz Lightyear oder Mr. Potato-Head, Spider-Man oder "High School Musical" bleiben somit den Leserinnen weitestgehend verborgen.
Dennoch auch hier von mir volle fünf Sterne und eine klare Kaufempfehlung für "Hey Schwester!". Erstaunlich, dass mich gerade bei dem im Manga-Segment besonders starken Tokyopop-Verlag die Manga-fernen Titel wie eben die oben genannten oder Jeff Smith' Klassiker Bone außerordentlich ansprechen.
PS: Weitere Bände sind in Vorbereitung.