Aus der Amazon.de-Redaktion
Pink Martini beackern auf dem Hey Eugene! nicht ein grenzenloses Feld in Kolchosengröße, sie flanieren darauf und sammeln leckere Früchte aus Pop, Jazz und Latin ein. Ein wenig mag dieses stilistische Sammelsurium, die mondäne Atmosphäre, die Zeitreisen und an Oberschichten-Cocktailpartys erinnernde Eleganz wie eine Flucht aus der Realität wirken. Genau das Gegenteil aber ist der Fall, denn das kleinen Orchesters aus Portland im US-Bundesstaat Oregon setzt seinen Ärger über die Politik von Bush Junior nicht in wütende Musik wie Neil Young, Ministry oder Walkabouts um, sie ...wollen Botschafter sein, die bestrebt sind, der Welt Güte, Schönheit und Romantik zu geben. Das sind nicht die Worte eines Träumers, denn Bandgründer Thomas Lauderdale ist nicht nur Harvard Absolvent in den Fächern Literatur und Geschichte, er hat auch eine ungewöhnliche Kindheit mit reichlich Konfliktpotential hinter sich: Adoptivkind mit unbekannter asiatischer Herkunft, dass mit zwei schwarzen Geschwister und einem iranischen Bruder aufwächst, dessen Eltern (Vater Pastor!) geschieden sind und trotzdem gemeinsam von Indiana nach Oregon ziehen. Dieses multikulturelle Leben spiegelt sich in den Songs von Hey Eugene! wieder und findet durch die studierte Sängerin China Forbes eine brillante Stimme. Auch weil das Kind einer schwarzen Mutter und eines französisch-schottischen Vaters ähnlich sozialisiert wurde. Auf ihrem erst dritten Album in zehn Jahren gelingt dem sensiblen Paar samt Band ein famoser Spagat zwischen schwelgerischem Jazz, Soundtrackmusik für alte Hollywood-Schmachtfetzen, Chanson, kubanischer Lebenslust oder orientalischen Klängen. Dennoch klingt dieses globale Genre-Hopping nie gewollt, prätentiös oder so uncool cool. Bei Pink Martine kommt alles von innen heraus und genau deshalb verfügt Hey Eugene! trotz seiner Cleverness über eine große Wärme und vorgelebte Authentizität.
--Sven Niechziol
Kurzbeschreibung
Musikalische Raffinesse, atemberaubende Sprachakrobatik und talentiertes Songwriting gleich im Dutzend. So könnte man das "kleine Orchester" PINK MARTINI wohl am ehesten in kurzen Worten beschreiben. Die 12-köpfige Band aus Portland/Oregon hat nach ihrem Debüt "Sympathique" (1997) und dem Nachfolgealbum "Hang On Little Tomato" (2004), soeben ihren dritten Longplayer "Hey Eugene!" (VÖ 11.05.07) fertig gestellt. Eine musikalische Reise mit 12 wunderbaren Songs, denen Sängerin China Forbes erneut in unterschiedlichen Sprachen, wie italienisch, kroatisch, französisch, spanisch, englisch, japanisch und erstmalig arabisch Leben einhaucht. Das Ensemble bringt, neben der einzigartigen Stimme von Forbes, ihre diversen Instrumente wieder gekonnt zum Einsatz. Ob eigene Kompositionen oder Songperlen namhafter Musiker und Komponisten, Pink Martini gelingt es auch mit ihrem dritten Album "Hey Eugene!", einen eindrucksvollen und berührenden Songcocktail zu mixen. Berauschende Musik, ganz ohne Promille.
kulturnews.de
Bands, deren Songs in Werbeclips auftauchten, haben ja ein zwiespältiges Image. Es wäre aber schade, wenn man den US-amerikanischen Easy-Listening-Spezialisten Pink Martini ihre harmlose, längst verjährte Prostitution noch übel nehmen würde: Sie waren jung, brauchten das Geld, und dass eine französische Limousine 1999 zu "Sympathique" über die Bildschirme glitt, machte den Song ja nicht schlechter. Musikalisch dockt "Hey Eugene!" nahtlos dort an, wo "Sympathique" aufhörte und der etwas untergegangene Zweitling "Hang on little Tomato" weitermachte. Noch immer baut Pianist Thomas M. Lauderdale stilecht Bossa-Nova-, Chanson-, Samba-, Schlager- und Musicalstrukturen nach. Noch immer singt China Forbes multilingual, hier: englisch, französisch, portugiesisch, russisch, spanisch, arabisch (hoffentlich habe ich nichts vergessen). Noch immer schwelgt die zwölfköpfige Band im Wohlklang. Doch bleiben Lauderdale und Forbes in ihrem beflissenen Erkunden musikalischer Ausdrucksformen Touristen: Sie interessieren sich durchaus für die Gattungen, in denen sie sich bewegen, aber ihr Interesse bleibt oberflächlich. Und so changiert das Niveau auf "Hey Eugene!" zwischen knapp unterdurchschnittlich ("Bukra Wba'do") und knapp überdurchschnittlich (Titelsong). Zu gut für den Werbeagentur-Strich ist das trotzdem. Und: wunderbares Cover. (fis)
Produktbeschreibungen
HEY EUGENE!