Niemals wieder in ihrer Laufbahn ist Juliana Hatfield so ein Wurf gelungen. Ich bin damals, als die CD herauskam, durch eine Kritik der Zeitschrift "Wiener" auf die CD gestoßen, die Juliana mit Björk und den Sugarcubes verglichen hatte, in erster Linie ob der Klarheit der Stimme und dem Anspruch, zum neuen Pop zu gehören. Juliana war jedoch nie Pop, sondern sowas wie das weibliche Pendant zum Grunge.
Auf der Platte leidet sie viel, und das klingt ehrlich. Während der Opener "Everybody loves me but you" noch versucht, den Twenfrust durch etwas härtere Töne zu bekämpfen, ist man spätestens bei "The lights", meinem absoluten Favoriten neben dem befreienden "Nirvana", in einer durchgängig melancholischen Stimmung angekommen, in der die Musik eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint. Auch in "Ugly" und "No Outlet" dreht sich alles um Julianas Stimme. Gerade die simple Gitarrenmusik sorgt dafür, das Julianas Stimme hier noch abgehobener klingt als etwa die Stimme von Enya oder Björk, die meist durch übermäßig pathetischen Sound getragen werden. Da zischt einem gewissermaßen ihre Stimme in die Gehirnbahnen und nistet sich ein. Ein eiskalter Schauer läuft einem über den Rücken.
Die Platte endet schließlich mit der einzigen Antwort auf dieses melancholische Debut, "No answer", es gibt sie nicht. Weder auf den Twenfrust, dem sich kaum einer in der heutigen Gesellschaft entziehen kann, noch musikalisch. Im Gegensatz zu Kurt Cobain hat Juliana jedoch bis heute überlebt und von Zeit zu Zeit lebt ihr wahres Talent in einigen Liedern auf allen nachfolgenden CDs wieder auf.
Aber auch 10 Jahre später ist mir noch kein besseres Album für kalte herbstliche Nächte oder den Chill-Out nach durchzechten Nächten begegnet.