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Nahezu fünf Jahre nach "Her Von Welken Nächten" veröffentlichen DORNENREICH am 18. November 2005 das lang angekündigte "Hexenwind" Album. Inhaltlich ist das neue Werk eine mystische Vertiefung von "Her Von Welken Nächten" und dem Stück "Reime Faucht der Märchensarg". Ursprünglich konzipiert als archaischer, rauer Versuch über die Nachtseite der Natur, hat "Hexenwind" im Laufe der Zeit zahllose Veränderungen erfahren, die die für DORNENREICH typische Intensität bewahrt, aber die musikalische Ausrichtung gewandelt haben.
Natürlich sind DORNENREICH weiterhin in ihrer eigenen Welt aus verwunschenen und verträumten Klängen beheimatet. Die Herangehensweise hingegen hat sich geändert. War "Her Von Welken Nächten stürmerisch, drängend, ewig jung so ist "Hexenwind" in gleichem Maße reif, weise und in sich ruhend. Von einem meist bewusst einfach gehaltenem Fundament ausgehend, laden die neuen Stücke den Hörer zu einer melancholischen, mitunter gar hypnotischen, Reise ein Musik und Text haben bei DORNENREICH nie besser harmoniert, wie auf "Hexenwind", was die Botschaft des Albums ungemein bildhaft klingen lässt. Der Schlüssel zu dieser Botschaft ist die Fantasie. "Für uns beschreibt Hexenwind einen urspünglichen und lebendigen Zustand, ein Zu-Sich-Kommen und Sich-Öffnen", erzählt Eviga.
"Hexenwind" ist für uns eine Metapher für ein spezielles Bewusstsein, denn so wie der Wind eine "unsichtbare Realität" darstellt, die sich ständig wandelt und im Grunde nur an den Auswirkungen auf die Umwelt erfahren werden kann, so sind auch menschliche Ideen, Gefühle, Träume und Wünsche zunächst unsichtbar, doch bilden sie einen gewichtigen Grundpfeiler unseres Handelns und materialisieren sich darin - und sie sollten frei sein wieder Wind...
In der Gestalt der Hexe personifiziert sich für uns Fantasie in all ihrer Gegensätzlichkeit. Denn so wie sich im Begriff "Hexe" Vorstellungen von böswilligen Märchen- und Traumwesen mit solchen von naturweisen Menschen vermischen, so können unsere menschlichen Fähigkeiten der Fantasie und Vorstellungskraft genauso verzehrend wie nährend, vernichtend wie erschaffend sein. "Hexenwind hat viele Botschaften. Im Sinne der behandelten Themen laden wir jeden Hörer ein, seinen eigenen, fantasievollen Zugang zu "Hexenwind" zu finden." -
"Übe Dich in Fantasie, die alte Kunst, gebrauche sie"
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Stimmlich schließen Dornenreich an ihre Leistungen auf "Her von welken Nächten" an: Evíga haucht, raunt, wispert, flüstert, singt und schreit wie man ihn auf den Akustiktracks der beiden Vorgängeralben hört und Valñes' Singstimme wird nachwievor akzentuiert eingesetzt. Geschriene Vocals dominieren nicht mehr so das Spiel, wie auf bisherigen Releases - sie werden deutlich akzentuierter eingesetzt, was wohl neben den kaum verzerrten Gitarren die deutlich ruhigere Wirkung des Albums hervorruft.
Die Songauswahl bildet eine gelungene Mischung aus unverzerrten und geringfügig verzerrten, sowie aus akustischen Passagen (näher an "Mein Publikum - der Augenblick" und "Hier weht ein Moment..." als an "Mein Innerwille ist mein Docht"). Dabei fokussiert "Hexenwind" auf den magisch-mystischen, märchenhaft-phantasievollen Aspekt bisheriger Werke wie "Reime faucht der Märchensarg", legt diesen aus dem Bereich des Nicht-Unwesentlichen ins absolute Zentrum ihres musikalisch-künstlerischen Schaffens:
"Übe dich in Phantasie, die alte Kunst, gebrauche sie."
Dornenreich leben ihre Musik, gehen voll in ihr auf, vermitteln eine Leidenschaft in ihr, wie kaum eine andere Band es vermag - vor allem das ist es, was ich an Dornenreich schätze. "Hexenwind" klingt anders als ihre bisherigen Veröffentlichungen, weniger metallisch als gewohnt, aber es klingt nachwievor nach Dornenreich. Es kommt einem Akustikalbum stilistisch nahe, streng genommen ist es aber kein Solches. Für jeden Dornenreichfan, der über den metallenen Tellerrand bisheriger Alben hinausschauen kann, ist die Scheibe natürlich ein Pflichtkauf, aber auch jeder andere, der leidenschaftliche Musik schätzt, sollte mal in "Hexenwind" reinhören - egal welchen (alternativen) Musikstil man bevorzugt: Dieses Album lässt jedwede Genregrenzen hinter sich. Ein wundervolles Werk.
Anspieltipps: "Der Hexe flammend' Blick" und "Zu Träumen wecke sich, wer kann"
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