Dieses Buch über Magie ist ein ausgesprochen unterdurchschnittliches seiner Gattung. Daß es ausschließlich fertige Sprüche und Zauber bietet, ist noch verzeihlich, obwohl sich unter ganz offensichtlich erfahreneren "Hexen"-Autoren alle einig sind, daß selbstentwickelte Zauber weit effektiver sind. Da "Hexen-Rezepte" schon im Namen trägt, daß nicht mehr von ihm zu erwarten ist, wäre es unfair, mehr Tiefgang zu verlangen. Bedenklicher sind da schon die Sprüche und Rituale an sich: die wichtigste Ingredienz für die meisten von ihnen sind Öle aus den verschiedensten Pflanzen, die, da sie wohl von den wenigsten selbst angefertigt werden können, geeignet sind, den Umsatz des örtlichen Esoterikladens in die Höhe zu treiben. Wenn sich zwischen Öl- und ähnlichen Zaubern einmal solche älteren Ursprungs finden, gelten sie als "außergewöhnlich mächtig", was weniger eine Aussage über die entsprechende Praktik, sondern vielmehr über seine Kollegen ist - und über die/den namenlose/n Autor/in natürlich. Richtiggehend verwerflich finde ich an dem Buch jedoch die kurzen magietheoretischen und -geschichtlichen Absätze; daß diese stark von der eigenen okkulten Ausrichtung ausgehen, ist noch verständlich und einem gesunden Sendungsbewußtsein zuzuschreiben, auch die Unterscheidung zwischen Weißer und Schwarzer Magie ist immerhin Ansichtssache - aber alles außerhalb des Kultes der Großen Göttin als Schwarze Magie zu bezeichnen und mit Satanismus gleichzusetzen, zeugt von Ignoranz und schlichter Unwissenheit. Aleister Crowley beispielsweise scheint wer auch immer "Hexen-Rezepte" geschrieben hat nur aus der Sekundärliteratur zu kennen. Summa summarum ist dieses Buch also kaum empfehlenswert und es gibt wesentlich bessere zu zu seinem Thema.