Diese aus Mitteln der EU bezuschusste Dokumentation aus dem Jahre 2004 ist eine Koproduktion von MDR, ARTE und L.E. VISION.
Sie umfasst 3 Teile, die sich beginnend mit der römischen Zeit bis heute mit den die Hexen umgebenden Mythen beschäftigten. Durchaus spannend - und mit etlichen Spielszenen (gute Darsteller) und historischen Bildern unterlegt - wird dem interessierten Zuschauer näher gebracht, was in diesen Jahrhunderten tatsächlich geschah, welche der heutigen (Volks)Vorstellungen zumindest annährend richtig sind und welche faktisch nichts mit den Tatsachen zu tun haben.
Die verwendeten Daten und Fakten sind auf quasi dem neuesten Stand, denn die zu Wort kommenden Historiker beziehen sich teils auf Daten aus erst 2002 geöffneten Kirchenarchiven und Ausgrabungen aus dem Jahre 1999.
Teil 1 Hexensabbat:
Darsteller: Anja Kling, Holger Handke, Simone Frost, Michael Christian
Stichworte: 1090/Vötting - Dreifachverbrennung trotz überstandenem "Gottesurteil", 1200 - Inquisition wird vom Papst zur Bekämpfung von Ketzersekten gegründet, ca. 1384/Mailand - Piarina de Bugatis und "Madonna Oriente", ca. 180 v.C. Mysterientempel in Pompeji - Bacchantinnen - sind sie die ersten Hexen?, Anna Perenna - Urmutter der Hexen?, 1390/Mailand - Piarina de Bugatis und Satan, erste Europaweite Hexenverfolgung, ca. 1484 - der Dominikaner Heinrich Kramer erhält die Hexenbulle - ein wahnsinniger Killer - unterwegs in Gottes Auftrag?, 1485/Innsbruck - Bürger wehren sich, Der Hexenhammer, Abebben der ersten Hexenverfolgung
"Hexensabbat" beschäftigt sich hauptsächlich mit den Gründen für das Aufkeimen des ersten Hexenwahns, der zwischen 1390 und etwa 1500 ungefähr 3000 Opfer forderte, darunter auch viele Männer. Die Hauptschuld - so man denn eine zuteilen will - dürfte bei der katholischen Kirche, bzw. fanatischer Religiosität und der erfolgreichen Vernichtung der Ketzerbünde (z. B. Templer, Waldenser) durch die nun überflüssig gewordene Inquisition gelegen haben. Interessant aber auch, wie zwei italienische Historikerinnen die Ursprünge des Hexenglaubens aufzeigen.
Teil 2 Scheiterhaufen:
Darsteller: Hansjürgen Hürrig, Dieter Mann, Christine Schorn, Gustav Peter Wöhler, Daniel Minetti, Timo Dierkes, Günter Junghans
Stichworte: 30jähriger Krieg und Mini-Eiszeit führen zur 2ten großen Hexenverfolgung, 1631/Rheinbach bei Bonn - Christina Böffgens, Frans Beurman und Hermann Löher - 2 Opfer - 2 Täter, jede 4te Hexe ist ein Mann, 1631 - der Jesuit Friedrich Spee schreibt die Cautio Criminalis und kämpft fortan gegen die Hexenverfolgung, 1636 - Römische Inquisitoren Albizzi und Ginetti gegen den Hexenjäger Fürstbischof Ferdinand von Köln, 1650/1712/Walsertal - die Hexenkinder, 1782/Glarus - letzte Hexenhinrichtung
Hochinteressant - diese zweite Welle der Hexenverfolgung, die insgesamt etwa 60.000 Opfer forderte, ging der Inquisition gegen den Strich. Sie forderten sogar mehr Maß und Überlegung, was 1636 in Bonn den späteren Großinquisitor von Rom fast das Leben kostete. Böse Zungen könnten allerdings behaupten, dass - so wie die erste Hexenverfolgung wegen "Arbeitsmangel" der Inquisition begann - sie an der 2ten kein Interesse zeigte, weil sie sich gerade mit der Verfolgung der Anhängern Galileo Galileis "herumplagte".
Schuldig an dieser 2ten Hexenverfolgung, ist wohl schlicht die vom 30jährigen Krieg vollkommen enthemmte menschliche Gier, denn diesmal waren es zu einem großen Teil reiche Leute, die angezeigt von Neidern, durch weltliche Gerichte ums Leben gebracht wurden. So schaffte man sich lästige Konkurrenz vom Hals und kam an deren Hab und Gut.
Teil 3 Walpurgisnacht
Darsteller: Sylvester Groth, André Hennicke, Holger Hübner, Karl Stickler
Stichworte: Gebrüder Grimms Hänsel und Gretel, Hexenmärchen in anderen Ländern, 1935 - Himmlers SS und das Geheimprojekt, 1944/GB - Helen Duncan wird nach einem Hexengesetz aus dem Jahre 17?? rechtskräftig verurteilt, 1950/Lüneburger Heide - das Drama um Familie Bading, Walpurgisnacht - ein Missverständnis?
Hier muss ich einigen meiner Vorrezensenten beipflichten. Dieser dritte Teil bietet Herrn Himmlers durchaus interessantem Forschungsprojekt zu viel Raum. Den hätte man besser zum Teil für einen Blick auf die "neuen Hexenkulte" verwendet.
Die DVD:
Jeder Teil läuft ohne Vor-/Abspann etwa 43 Min., ist in 6 Kapitel unterteilt und verfügt über ein sehr gutes Bild im Widescreen-Format, sowie eine gelungene DD2.0 Tonspur in deutscher Sprache.
Leider wurden keine Untertitel (relativ billig) beigefügt, was in diesem Fall nicht nur bedauerlich, sondern durchaus bedenklich ist. Am Thema interessierte Gehörlose werden mal wieder mit Missachtung gestraft, obwohl die Produktion zu 100% aus Gebühren und Steuern finanziert wurde. (1 Stern Abzug)
Extras:
Hexen-Trailer (2:58 Min.)
Bildergalerie Film mit 34 und Bildergalerie Dreharbeiten mit 29 Aufnahmen.
Beide Galerien sind im 4:3 (Voll)Bild Format auf die Scheibe gebrannt. Die Bilder sind einzeln anwählbar. Ärgerlich - sie sind mit einem "Feuerrahmen" umgeben und daher nur mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms weiter zu verwenden.
Fazit:
Weitgehend gelungene Dokumentation, die auch für all jene, die sich wie ich nur oberflächlich für das Thema interessieren, durchaus empfehlenswert ist.