Pressestimmen
"Dieser Thriller ist solide, spannend, ein richtiges Bäng, Bäng." (Die Welt über »Trias« )
"Markus Croy ist kühn und hat Sexappeal. Ein deutscher James Bond." (Berliner Zeitung über »Trias« )
"Kayser ist drauf und dran, in die John-Le-Carré-Liga der besten Real-Thrillerauoren aufzusteigen. Das liegt vor allem an der präzise recherchierten Kulisse der weltweiten Schauplätze und einer wunderbar scharfsinnigen Detailgenauigkeit." (Märkische Allgemeine Zeitung )
"Markus Croy ist kühn und hat Sexappeal. Ein deutscher James Bond." (Berliner Zeitung über »Trias« )
"Kayser ist drauf und dran, in die John-Le-Carré-Liga der besten Real-Thrillerauoren aufzusteigen. Das liegt vor allem an der präzise recherchierten Kulisse der weltweiten Schauplätze und einer wunderbar scharfsinnigen Detailgenauigkeit." (Märkische Allgemeine Zeitung )
Kurzbeschreibung
Bis der Letzte stirbt
Unsere Welt auf dem Prüfstand: Mit dem geheimen Rohstoffvertrag Trias forderten Deutschland, Russland und die USA die Länder aus Fernost und Lateinamerika zu einem blutigen Machtkampf heraus. Jetzt haben sich die Feinde von Trias neu organisiert. Ein mysteriöses Agentennetzwerk greift mit tödlicher Präzision die empfindlichste Stelle der westlichen Welt an: die Wasserversorgung. BKA-Spezialagent Markus Croy kämpft mit allen Mitteln gegen die skrupellosen Machenschaften und gerät dabei selbst ins Fadenkreuz der Verschwörer.
Die Fortsetzung von „Trias“.
Unsere Welt auf dem Prüfstand: Mit dem geheimen Rohstoffvertrag Trias forderten Deutschland, Russland und die USA die Länder aus Fernost und Lateinamerika zu einem blutigen Machtkampf heraus. Jetzt haben sich die Feinde von Trias neu organisiert. Ein mysteriöses Agentennetzwerk greift mit tödlicher Präzision die empfindlichste Stelle der westlichen Welt an: die Wasserversorgung. BKA-Spezialagent Markus Croy kämpft mit allen Mitteln gegen die skrupellosen Machenschaften und gerät dabei selbst ins Fadenkreuz der Verschwörer.
Die Fortsetzung von „Trias“.
Klappentext
"Kayser ist ein energischer Autor. Da taugt selbst eine Bundeskanzlerin als Schlüsselfigur."
Stern über »Trias«
Stern über »Trias«
"Dieser Thriller ist solide, spannend, ein richtiges Bäng, Bäng."
Die Welt über »Trias«
"Markus Croy ist kühn und hat Sexappeal. Ein deutscher James Bond."
Berliner Zeitung über »Trias«
Über den Autor
Marc Kayser wurde 1961 in Potsdam geboren. Neben dem Studium an der Hochschule für Politik in München war er viele Jahre lang als Autor bei der Süddeutschen Zeitung, Financial Times Deutschland, DIE ZEIT, Die Weltwoche sowie verschiedenen Sendern und TV-Produktionen tätig, bevor er sich dem Romanschreiben zuwandte. »Trias« war sein erster Roman um Sonderermittler Markus Croy, derzeit arbeitet er an der Fortsetzung von »Hexagon«.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Washington, 29. Januar 2012
Peter Gordon Smith war als Politiker geradezu prädestiniert für eine amerikanische Bilderbuchkarriere. Er verteidigte die christlichen Grundwerte und genoss seine Freizeit bevorzugt im Kreis seiner Familie in seinem Haus im Grünen. Smith war der einzige Unterhändler des TRIAS-Vertrags, der den Anschlagen des chinesischen Geheimdienstes vor zwei Jahren entgangen war. Das Glück hatte ihm dabei zur Seite gestanden: Das Amalgamgemisch, versetzt mit Strychnin, landete deshalb nicht in seinem Mund, weil er direkt aus der Zahnarztpraxis von Dr. Weizman zu einem dringenden Termin abberufen worden war. Das Gift war zuvor von einer chinesischen Agentin angerührt worden, die sich als Zahnarzthelferin bei Weizman eingeschlichen hatte.
Der Vertragsabschluss zwischen Deutschen, Russen und Amerikanern hatte ihn eine weitere Karrierestufe höher gehievt: Er war von seinem Senatorenposten im Kapitol zum außenpolitischen Wirtschaftsberater des ersten farbigen Präsidenten Amerikas aufgerückt. Seit die Lateinamerikaner, an der Spitze Venezuela, zunehmend Probleme bereiteten und Washington mit immer rigideren Steuer- und Zollgesetzen auf ihre Waren düpierten, fuhr das Weiße Haus eine Strategie der harten Hand und drohte seinerseits mit neuen Zollschranken für südamerikanische Produkte. Sämtliche Vorlagen dafür entstammten der Feder von Gordon Smith. Er galt neben dem Außen- und dem Katastrophenschutzminister als mächtigster Berater Amerikas. Gordon Smith lebte mit seiner Frau Linda und den Kindern Fiorentine und Lance in einem prächtigen Haus im Washingtoner Vorort Alexandria. Er war ein Mann mit Prinzipien. Und zu denen gehörte, am Freitag Fisch zu essen und am Sonntag um zehn Uhr in die Washington National Cathedral, eine Episkopalkirche, zu gehen und mit seiner Familie das Abendmahl zu empfangen. Smith mischte sich hier unter das Volk, das aber meist nie mehr als siebzig Gläubige zählte.
Auch an diesem friedlichen Januarsonntag hatte Smith seine Kinder zur Eile angetrieben, seine Frau gebeten, sich nur maßvoll zu schminken, und sich selbst für einen unauffälligen schwarzen Anzug mit einem weißen Hemd entschieden. Um die schwarzen Locken im Nacken zu bändigen, hatte er sich eine Portion Babyöl in die Haare gestrichen. Smith war Anfang fünfzig, schlank, mittelgroß, mit einem auffälligen Muttermal unter dem linken Auge. Sein Gesicht war gebräunt, seine Zähne frisch geweißt.
Als Präsidentenberater standen ihm zwei Bodyguards zu, die sich allerdings beim Kirchgang stets dezent im Hintergrund hielten. Sie warteten bereits vor der Haustür auf ihn.
»Guten Morgen, Sir«, sagte der Stämmigere von beiden.
»Scheint ein wunderbarer Tag zu werden«, antwortete der Politiker.
»Oh ja, überraschend mild«, bekam er zur Antwort.
Smith sah ins Haus zurück. »Kommt Kinder, komm Linda, wir müssen los. Prediger Ludwig ist ein Mann mit Prinzipien. Ihr wisst, wer zu spät kommt, muss nach der Messe zusätzlich das Nizänische Glaubensbekenntnis beten. Und das wollt ihr doch nicht, oder?«
»Nö, extra Beten ist Kacke«, nuschelte der neunjährige Lance, boxte seinen Vater in die Seite und verschwand hinter den dunkel getönten Scheiben einer der beiden schwarzen Lincoln-Limousinen. Sein Vater drohte ihm mit dem Finger hinterher. Die elfjährige Florentine und seine Frau Linda verströmten, als sie an Smith vorbei zum Wagen gingen, einen Geruch nach frischer Minze.
Smith blickte seiner Frau mit lüsternem Blick nach. Kurz flammte in ihm die Erinnerung an die Hitze vergangener Nachtstunden auf.
Als er in die feinen Ledersessel seines Dienstwagens gesunken war, setzten sich die beiden Wagen in Bewegung. Seine Armbanduhr zeigte neun Uhr fünfundzwanzig. Er fühlte sich frisch und erholt.
Die zweitgrößte Kathedrale der USA befindet sich an der Kreuzung Massachusetts und Wisconsin Avenue im Nordwesten Washingtons. Über ein Jahrhundert lang war sie geplant, gebaut und verändert worden.
Hier hatte Martin Luther King Jr. gepredigt, hier waren die Präsidenten Eisenhower, Reagan und Ford nach ihrem Tod aufgebahrt worden. Die Kirche stellt eine Art Nationalheiligtum der USA dar und ist dementsprechend gesichert. Doch natürlich konnte nicht jeder der zahllosen Wasserspeier kontrolliert werden, diese Skulpturen dämonischer Mischwesen aus Mensch und Tier, die nur eine Aufgabe haben: über Wasserrohre Regen von der Außenfassade fernzuhalten.
Die Türme, Galerien und schmalen Gänge auf den Dachüberhängen waren für den Besucherverkehr freigegeben. Hier gelangte jeder problemlos zu den fratzenhaften Wasserspeiern, die allesamt mit ihren Mäulern hinunter auf den Vorplatz der Kathedrale glotzten.
Der Tross des Präsidentenberaters bog in schneller Fahrt in die Massachusetts Avenue ein, überfuhr lässig einen schmalen Grünstreifen und kam direkt auf dem Grundstück der Kirche, dem Mount Saint Alban, zum Stehen.
Als Erste verließen die beiden Kinder von Smith ihre Limousine und rannten ungestüm über den langen Kiesweg auf den
Eingang der Kirche zu. Unterdessen waren auch Gordon Smith und seine Frau Linda ausgestiegen und zupften noch schnell ihre Mäntel und Halstücher zurecht. Es war ein stiller Morgen, an dem Gottesdienstbesucher in sich gekehrt mit gefalteten Händen vor dem Haupteingang zur Kathedrale die milde Wintersonne genossen.
Jäh peitschten Schüsse über den Platz, zerrissen die beschauliche Stille. Funken stoben aus den schmalen Rohren der Wasserspeier. Abgehackte Garben aus Maschinenpistolen und die Schreie panisch flüchtender Gottesdienstbesucher hallten in der Kirche und auf dem weiten Platz wider. Die Kinder Florentine und Lance stürzten getroffen zu Boden, bäumten sich kurz auf und blieben dann zusammengekrümmt am Boden liegen. Ihr Blut breitete sich schnell unter ihnen aus und färbte das gelbe Kiesbett rot. Weitere Schüsse durchlöcherten die Flanken der schwarzen Lincolns, trafen ihre Reifen und zerstörten ihre Fensterscheiben. Wie gelähmt vor Entsetzen duckten sich die Bodyguards des Präsidentenberaters hinter ihre Lenkräder. Die Kirchenuhr sprang auf neun Uhr fünfundfünfzig. Die Glocken beider Türme begannen ohrenbetäubend zu läuten. Die nächsten Geschossgarben vermischten sich mit ihrem Dröhnen. Sie galten Linda und Gordon Smith. Smith hatte sich instinktiv auf seine Frau geworfen, um sie zu schützen. Er starb in einem Kugelhagel aus drei verschiedenen Wasserspeiern, der seinen Rücken und die Hüften zerfetzte. Seine Frau überlebte schwer verletzt und fiel augenblicklich in ein tiefes Koma.
Ein Geruch von Blut, aufgewirbeltem Staub und einem Hauch von Minze lag in der Luft. Wie Donner dröhnten die letzten Schläge der Glocken durch die Luft und verliehen der grausamen Realität einen Hauch von Todesmystik. Als sie verstummt waren, stand der Pfarrer, ein stämmiger Mann in einer Albe, unter Schock an der Kirchentür. Er weinte und hielt seine Hände anklagend zum Himmel empor. Die Personenschützer, endlich wieder zu sich gekommen, forderten über Bordfunk Hilfe an.
Peter Gordon Smith war als Politiker geradezu prädestiniert für eine amerikanische Bilderbuchkarriere. Er verteidigte die christlichen Grundwerte und genoss seine Freizeit bevorzugt im Kreis seiner Familie in seinem Haus im Grünen. Smith war der einzige Unterhändler des TRIAS-Vertrags, der den Anschlagen des chinesischen Geheimdienstes vor zwei Jahren entgangen war. Das Glück hatte ihm dabei zur Seite gestanden: Das Amalgamgemisch, versetzt mit Strychnin, landete deshalb nicht in seinem Mund, weil er direkt aus der Zahnarztpraxis von Dr. Weizman zu einem dringenden Termin abberufen worden war. Das Gift war zuvor von einer chinesischen Agentin angerührt worden, die sich als Zahnarzthelferin bei Weizman eingeschlichen hatte.
Der Vertragsabschluss zwischen Deutschen, Russen und Amerikanern hatte ihn eine weitere Karrierestufe höher gehievt: Er war von seinem Senatorenposten im Kapitol zum außenpolitischen Wirtschaftsberater des ersten farbigen Präsidenten Amerikas aufgerückt. Seit die Lateinamerikaner, an der Spitze Venezuela, zunehmend Probleme bereiteten und Washington mit immer rigideren Steuer- und Zollgesetzen auf ihre Waren düpierten, fuhr das Weiße Haus eine Strategie der harten Hand und drohte seinerseits mit neuen Zollschranken für südamerikanische Produkte. Sämtliche Vorlagen dafür entstammten der Feder von Gordon Smith. Er galt neben dem Außen- und dem Katastrophenschutzminister als mächtigster Berater Amerikas. Gordon Smith lebte mit seiner Frau Linda und den Kindern Fiorentine und Lance in einem prächtigen Haus im Washingtoner Vorort Alexandria. Er war ein Mann mit Prinzipien. Und zu denen gehörte, am Freitag Fisch zu essen und am Sonntag um zehn Uhr in die Washington National Cathedral, eine Episkopalkirche, zu gehen und mit seiner Familie das Abendmahl zu empfangen. Smith mischte sich hier unter das Volk, das aber meist nie mehr als siebzig Gläubige zählte.
Auch an diesem friedlichen Januarsonntag hatte Smith seine Kinder zur Eile angetrieben, seine Frau gebeten, sich nur maßvoll zu schminken, und sich selbst für einen unauffälligen schwarzen Anzug mit einem weißen Hemd entschieden. Um die schwarzen Locken im Nacken zu bändigen, hatte er sich eine Portion Babyöl in die Haare gestrichen. Smith war Anfang fünfzig, schlank, mittelgroß, mit einem auffälligen Muttermal unter dem linken Auge. Sein Gesicht war gebräunt, seine Zähne frisch geweißt.
Als Präsidentenberater standen ihm zwei Bodyguards zu, die sich allerdings beim Kirchgang stets dezent im Hintergrund hielten. Sie warteten bereits vor der Haustür auf ihn.
»Guten Morgen, Sir«, sagte der Stämmigere von beiden.
»Scheint ein wunderbarer Tag zu werden«, antwortete der Politiker.
»Oh ja, überraschend mild«, bekam er zur Antwort.
Smith sah ins Haus zurück. »Kommt Kinder, komm Linda, wir müssen los. Prediger Ludwig ist ein Mann mit Prinzipien. Ihr wisst, wer zu spät kommt, muss nach der Messe zusätzlich das Nizänische Glaubensbekenntnis beten. Und das wollt ihr doch nicht, oder?«
»Nö, extra Beten ist Kacke«, nuschelte der neunjährige Lance, boxte seinen Vater in die Seite und verschwand hinter den dunkel getönten Scheiben einer der beiden schwarzen Lincoln-Limousinen. Sein Vater drohte ihm mit dem Finger hinterher. Die elfjährige Florentine und seine Frau Linda verströmten, als sie an Smith vorbei zum Wagen gingen, einen Geruch nach frischer Minze.
Smith blickte seiner Frau mit lüsternem Blick nach. Kurz flammte in ihm die Erinnerung an die Hitze vergangener Nachtstunden auf.
Als er in die feinen Ledersessel seines Dienstwagens gesunken war, setzten sich die beiden Wagen in Bewegung. Seine Armbanduhr zeigte neun Uhr fünfundzwanzig. Er fühlte sich frisch und erholt.
Die zweitgrößte Kathedrale der USA befindet sich an der Kreuzung Massachusetts und Wisconsin Avenue im Nordwesten Washingtons. Über ein Jahrhundert lang war sie geplant, gebaut und verändert worden.
Hier hatte Martin Luther King Jr. gepredigt, hier waren die Präsidenten Eisenhower, Reagan und Ford nach ihrem Tod aufgebahrt worden. Die Kirche stellt eine Art Nationalheiligtum der USA dar und ist dementsprechend gesichert. Doch natürlich konnte nicht jeder der zahllosen Wasserspeier kontrolliert werden, diese Skulpturen dämonischer Mischwesen aus Mensch und Tier, die nur eine Aufgabe haben: über Wasserrohre Regen von der Außenfassade fernzuhalten.
Die Türme, Galerien und schmalen Gänge auf den Dachüberhängen waren für den Besucherverkehr freigegeben. Hier gelangte jeder problemlos zu den fratzenhaften Wasserspeiern, die allesamt mit ihren Mäulern hinunter auf den Vorplatz der Kathedrale glotzten.
Der Tross des Präsidentenberaters bog in schneller Fahrt in die Massachusetts Avenue ein, überfuhr lässig einen schmalen Grünstreifen und kam direkt auf dem Grundstück der Kirche, dem Mount Saint Alban, zum Stehen.
Als Erste verließen die beiden Kinder von Smith ihre Limousine und rannten ungestüm über den langen Kiesweg auf den
Eingang der Kirche zu. Unterdessen waren auch Gordon Smith und seine Frau Linda ausgestiegen und zupften noch schnell ihre Mäntel und Halstücher zurecht. Es war ein stiller Morgen, an dem Gottesdienstbesucher in sich gekehrt mit gefalteten Händen vor dem Haupteingang zur Kathedrale die milde Wintersonne genossen.
Jäh peitschten Schüsse über den Platz, zerrissen die beschauliche Stille. Funken stoben aus den schmalen Rohren der Wasserspeier. Abgehackte Garben aus Maschinenpistolen und die Schreie panisch flüchtender Gottesdienstbesucher hallten in der Kirche und auf dem weiten Platz wider. Die Kinder Florentine und Lance stürzten getroffen zu Boden, bäumten sich kurz auf und blieben dann zusammengekrümmt am Boden liegen. Ihr Blut breitete sich schnell unter ihnen aus und färbte das gelbe Kiesbett rot. Weitere Schüsse durchlöcherten die Flanken der schwarzen Lincolns, trafen ihre Reifen und zerstörten ihre Fensterscheiben. Wie gelähmt vor Entsetzen duckten sich die Bodyguards des Präsidentenberaters hinter ihre Lenkräder. Die Kirchenuhr sprang auf neun Uhr fünfundfünfzig. Die Glocken beider Türme begannen ohrenbetäubend zu läuten. Die nächsten Geschossgarben vermischten sich mit ihrem Dröhnen. Sie galten Linda und Gordon Smith. Smith hatte sich instinktiv auf seine Frau geworfen, um sie zu schützen. Er starb in einem Kugelhagel aus drei verschiedenen Wasserspeiern, der seinen Rücken und die Hüften zerfetzte. Seine Frau überlebte schwer verletzt und fiel augenblicklich in ein tiefes Koma.
Ein Geruch von Blut, aufgewirbeltem Staub und einem Hauch von Minze lag in der Luft. Wie Donner dröhnten die letzten Schläge der Glocken durch die Luft und verliehen der grausamen Realität einen Hauch von Todesmystik. Als sie verstummt waren, stand der Pfarrer, ein stämmiger Mann in einer Albe, unter Schock an der Kirchentür. Er weinte und hielt seine Hände anklagend zum Himmel empor. Die Personenschützer, endlich wieder zu sich gekommen, forderten über Bordfunk Hilfe an.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Washington, 29. Januar 2012Peter Gordon Smith war als Politiker geradezu prädestiniert für eine amerikanische Bilderbuchkarriere. Er verteidigte die christlichen Grundwerte und genoss seine Freizeit bevorzugt im Kreis seiner Familie in seinem Haus im Grünen. Smith war der einzige Unterhändler des TRIAS-Vertrags, der den Anschlagen des chinesischen Geheimdienstes vor zwei Jahren entgangen war. Das Glück hatte ihm dabei zur Seite gestanden: Das Amalgamgemisch, versetzt mit Strychnin, landete deshalb nicht in seinem Mund, weil er direkt aus der Zahnarztpraxis von Dr. Weizman zu einem dringenden Termin abberufen worden war. Das Gift war zuvor von einer chinesischen Agentin angerührt worden, die sich als Zahnarzthelferin bei Weizman eingeschlichen hatte.Der Vertragsabschluss zwischen Deutschen, Russen und Amerikanern hatte ihn eine weitere Karrierestufe höher gehievt: Er war von seinem Senatorenposten im Kapitol zum außenpolitischen Wirtschaftsberater des ersten farbigen Präsidenten Amerikas aufgerückt. Seit die Lateinamerikaner, an der Spitze Venezuela, zunehmend Probleme bereiteten und Washington mit immer rigideren Steuer- und Zollgesetzen auf ihre Waren düpierten, fuhr das Weiße Haus eine Strategie der harten Hand und drohte seinerseits mit neuen Zollschranken für südamerikanische Produkte. Sämtliche Vorlagen dafür entstammten der Feder von Gordon Smith. Er galt neben dem Außen- und dem Katastrophenschutzminister als mächtigster Berater Amerikas. Gordon Smith lebte mit seiner Frau Linda und den Kindern Fiorentine und Lance in einem prächtigen Haus im Washingtoner Vorort Alexandria. Er war ein Mann mit Prinzipien. Und zu denen gehörte, am Freitag Fisch zu essen und am Sonntag um zehn Uhr in die Washington National Cathedral, eine Episkopalkirche, zu gehen und mit seiner Familie das Abendmahl zu empfangen. Smith mischte sich hier unter das Volk, das aber meist nie mehr als siebzig Gläubige zählte.Auch an diesem friedlichen Januarsonntag hatte Smith seine Kinder zur Eile angetrieben, seine Frau gebeten, sich nur maßvoll zu schminken, und sich selbst für einen unauffälligen schwarzen Anzug mit einem weißen Hemd entschieden. Um die schwarzen Locken im Nacken zu bändigen, hatte er sich eine Portion Babyöl in die Haare gestrichen. Smith war Anfang fünfzig, schlank, mittelgroß, mit einem auffälligen Muttermal unter dem linken Auge. Sein Gesicht war gebräunt, seine Zähne frisch geweißt.Als Präsidentenberater standen ihm zwei Bodyguards zu, die sich allerdings beim Kirchgang stets dezent im Hintergrund hielten. Sie warteten bereits vor der Haustür auf ihn.»Guten Morgen, Sir«, sagte der Stämmigere von beiden.»Scheint ein wunderbarer Tag zu werden«, antwortete der Politiker.»Oh ja, überraschend mild«, bekam er zur Antwort.Smith sah ins Haus zurück. »Kommt Kinder, komm Linda, wir müssen los. Prediger Ludwig ist ein Mann mit Prinzipien. Ihr wisst, wer zu spät kommt, muss nach der Messe zusätzlich das Nizänische Glaubensbekenntnis beten. Und das wollt ihr doch nicht, oder?«»Nö, extra Beten ist Kacke«, nuschelte der neunjährige Lance, boxte seinen Vater in die Seite und verschwand hinter den dunkel getönten Scheiben einer der beiden schwarzen Lincoln-Limousinen. Sein Vater drohte ihm mit dem Finger hinterher. Die elfjährige Florentine und seine Frau Linda verströmten, als sie an Smith vorbei zum Wagen gingen, einen Geruch nach frischer Minze.Smith blickte seiner Frau mit lüsternem Blick nach. Kurz flammte in ihm die Erinnerung an die Hitze vergangener Nachtstunden auf.Als er in die feinen Ledersessel seines Dienstwagens gesunken war, setzten sich die beiden Wagen in Bewegung. Seine Armbanduhr zeigte neun Uhr fünfundzwanzig. Er fühlte sich frisch und erholt.Die zweitgrößte Kathedrale der USA befindet sich an der Kreuzung Massachusetts und Wisconsin Avenue im Nordwesten Washingtons. Über ein Jahrhundert lang war sie geplant, gebaut und verändert worden.Hier hatte Martin Luther King Jr. gepredigt, hier waren die Präsidenten Eisenhower, Reagan und Ford nach ihrem Tod aufgebahrt worden. Die Kirche stellt eine Art Nationalheiligtum der USA dar und ist dementsprechend gesichert. Doch natürlich konnte nicht jeder der zahllosen Wasserspeier kontrolliert werden, diese Skulpturen dämonischer Mischwesen aus Mensch und Tier, die nur eine Aufgabe haben: über Wasserrohre Regen von der Außenfassade fernzuhalten.Die Türme, Galerien und schmalen Gänge auf den Dachüberhängen waren für den Besucherverkehr freigegeben. Hier gelangte jeder problemlos zu den fratzenhaften Wasserspeiern, die allesamt mit ihren Mäulern hinunter auf den Vorplatz der Kathedrale glotzten.Der Tross des Präsidentenberaters bog in schneller Fahrt in die Massachusetts Avenue ein, überfuhr lässig einen schmalen Grünstreifen und kam direkt auf dem Grundstück der Kirche, dem Mount Saint Alban, zum Stehen.Als Erste verließen die beiden Kinder von Smith ihre Limousine und rannten ungestüm über den langen Kiesweg auf denEingang der Kirche zu. Unterdessen waren auch Gordon Smith und seine Frau Linda ausgestiegen und zupften noch schnell ihre Mäntel und Halstücher zurecht. Es war ein stiller Morgen, an dem Gottesdienstbesucher in sich gekehrt mit gefalteten Händen vor dem Haupteingang zur Kathedrale die milde Wintersonne genossen.Jäh peitschten Schüsse über den Platz, zerrissen die beschauliche Stille. Funken stoben aus den schmalen Rohren der Wasserspeier. Abgehackte Garben aus Maschinenpistolen und die Schreie panisch flüchtender Gottesdienstbesucher hallten in der Kirche und auf dem weiten Platz wider. Die Kinder Florentine und Lance stürzten getroffen zu Boden, bäumten sich kurz auf und blieben dann zusammengekrümmt am Boden liegen. Ihr Blut breitete sich schnell unter ihnen aus und färbte das gelbe Kiesbett rot. Weitere Schüsse durchlöcherten die Flanken der schwarzen Lincolns, trafen ihre Reifen und zerstörten ihre Fensterscheiben. Wie gelähmt vor Entsetzen duckten sich die Bodyguards des Präsidentenberaters hinter ihre Lenkräder. Die Kirchenuhr sprang auf neun Uhr fünfundfünfzig. Die Glocken beider Türme begannen ohrenbetäubend zu läuten. Die nächsten Geschossgarben vermischten sich mit ihrem Dröhnen. Sie galten Linda und Gordon Smith. Smith hatte sich instinktiv auf seine Frau geworfen, um sie zu schützen. Er starb in einem Kugelhagel aus drei verschiedenen Wasserspeiern, der seinen Rücken und die Hüften zerfetzte. Seine Frau überlebte schwer verletzt und fiel augenblicklich in ein tiefes Koma.Ein Geruch von Blut, aufgewirbeltem Staub und einem Hauch von Minze lag in der Luft. Wie Donner dröhnten die letzten Schläge der Glocken durch die Luft und verliehen der grausamen Realität einen Hauch von Todesmystik. Als sie verstummt waren, stand der Pfarrer, ein stämmiger Mann in einer Albe, unter Schock an der Kirchentür. Er weinte und hielt seine Hände anklagend zum Himmel empor. Die Personenschützer, endlich wieder zu sich gekommen, forderten über Bordfunk Hilfe an.