"Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, / die Vernunft auf ein vernünftiges Maß zu beschränken."
Der durch viele Lesungen in Österreich schon recht bekannte Schriftsteller Ernst Ferstl hätte es verdient, im gesamten deutschsprachigen Raum etwas mehr Beachtung zu finden. Hervorstechend ist seine aphoristische Arbeit, einer Beschäftigung, der ja nicht nur ein versiertes Schreiben-Können zugrunde liegen muß, sondern auch eigenständiges Denken mit Substanz vorauszugehen hat.
Kostprobe aus dem Bändchen "HEUTZUTAGE": "Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, / die Vernunft auf ein vernünftiges Maß zu beschränken." Neben der für die Aphorismen-Schreiberei typischen Zwei-Teiligkeit des Formulier-Anlaufes, nämlich (1) der amüsanten Neu-Einbringung bestimmter Wörter (Fingerspitzengefühl) im bisher nicht gesehenen Zusammenhang (2): Vernunft, durch Fingerspitzen gesteuert - neben diesen stilistischen Volltreffern ist bereits in diesem kleinen Stück Sprache auch Ferstls philosophische, denkende Grundeinstellung deutlich nachweisbar: die einer vorsichtigen, aber auch sehr selbstbewußten Kritik an unserer gegenwärtigen zivilisatorischen Situation. Mit diesem Büchlein hätte man also etwas in der Hand, das sowohl dem Sprach-Gourmet Entdeckungsabenteuer liefert als auch demjenigen, der die Hektik des zivilisatorischen Voranrennens mit Abstand zu betrachten weiß.