Herta Müller erzählt die Geschichte einer jungen Frau,die aufgrund eines Vergehens,immer wieder vom rumänischem Geheimdienst Securitate überwacht und zu Verhören bestellt wird.Sie fährt mit der Strassenbahn zu einem dieser Verhöre und auf der Fahrt dorthin,beobachtet sie die Fahrgäste ganz genau,und erinnert sich an die Menschen in ihrem Leben,ihrem ersten Mann mit dem sie nicht glücklich sein konnte,an Paul ihrem zweiten Mann der sich den Frust der Enge des Seins immer wieder wegsäuft.Sie sieht die schmerzliche Deportation der Großeltern,die schöne, leichte Zeit mit Lilli der Freundin aus der Fabrik.
Die Strassenbahn fährt immer weiter und bringt sie ihrem unausweichlichem,mit Angst erwartetem Ziel immer näher.Welcher erschreckenden Beliebigkeit ist sie diesmal ausgeliefert,wenn sie von Albu dem Geheimdienstler vernommen wird?Wie geht ihr Leben weiter in dem nichts mehr sicher ist, nichts mehr planbar wird?
Man kann diesem Unrechtsregime,wie allen Überwachungsstaaten immer wieder entfliehen,in dem man die Poesie des Augenblicks,die unheimliche Lust am Leben,immer wieder heraufzelebriert.
Herta Müller gelingt es mit ihrer unvergleichlichen Sprache dem Augenblick mehrere Facetten von Bewußtheit zu verschaffen.
Ihre Botschaft könnte lauten:die ganze Welt ist in mir,und ich bestimme jederzeit selbst, was ich diesem fürchterlichem Geheimdienst für eine Welt preisgebe.
Ein Zitat von ihr aus dem Buch zum Schluß:"Die Arbeiterklasse sucht Unterschiede,es gibt keine Gleichheit am Morgen.Die Sonne fährt innen mit und zieht draußen die Wolken weiß und rot nach oben für die Mittagsglut."
Es wird immer ein Leben außerhalb sozialistischer gar politischer Zwänge geben.
Das Buch ist empfehlenswert.