Ich benutze seit kurzem eine Canon EOS 50D mit einem Speedlite 430 EX II.
Vom Buch hatte ich mir zum einen eine theoretische Einführung in die Materie der Blitzfotografie erhofft, gefolgt von mehreren Praxisbeispielen mit Skizzen, wie man bestimmte Szenen ausleuchtet, bzw. wie man gewisse Effekte erzielt.
Meine Erwartungen wurden volkommen enttäuscht.
Annähernd die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit fotografischen Grundlagen wie Blende, Belichtungszeit, Weißabgleicht, etc., etc. Dieses Wissen setze ich voraus, wenn ich ein Buch über Blitzfotografie kaufe. Allerdings steht ja auch im Untertitel, dass im Buch fotografische Grundlagen behandelt werden (vielleicht hätte ich da mal etwas genauer hinschauen sollen). Daß dies aber gleich fast die Hälfte des Buches ausfüllt, habe ich nicht erwartet.
Die eigentlichen Blitz-Themen werden eher oberflächlich behandelt und fast ohne konkrete, nachvollziehbare Beispiele zu nennen. Die vielen Abbildungen sind zum Teil recht schön anzuschauen, deren Entstehung wird aber nicht wirklich erklärt. Die Aufnahmen sind also für einen Anfänger nicht nachvollziehbar.
Andere, meiner Meinung nach sehr wichtige Themen wie die Blitzbelichtungsspeicherung oder das entfesselte Blitzen werden komplett ausgeklammert. Auch das Arbeiten mit Aufhellern, Reflektoren, Softboxen, Lichtzelten usw. wird überhaupt nicht beschrieben.
Das Vorhandensein diverser Zusatzartikel wie Bouncer, Diffusoren, usw. wird zwar kurz erwähnt, deren Einsatzmöglichkeiten aber nicht.
Nur um ein Beispiel zu nennen: Der Vorgehensweise, um bei einem geblitzten Bild den Hintergrund komplett Schwarz zu erhalten und den Vordergrund richtig auszuleuchten, wird im Buch zwar ein ganzes Kapitel gewidmet, die Methodik wird aber nur in einem Nebensatz angerissen und bleibt weiterhin nicht nachvollziehbar.
Sehr viele Beispielbilder zeigen die typischen, absichtlich verwackelten Gegenlichtaufnahmen in diversen Kneipen, was auf Dauer ziemlich langweilt (ein einziges dieser Bilder hätte auch gereicht). Die Blitzfotografie hat weit mehr zu bieten, als verwackelte Bilder von scheinbar betrunkenen Fotografen.
Im kapitel über Blitzen im Manuellen Modus zeigt sich Dirk Wächter sogar verständnislos, dass man überhaupt noch im Manuellen Modus fotografiert. Sinngemäß wird behauptet, dass diesen Modus nur noch unverbesserliche Alt-Fotografen benutzen würden, während Dirk Wächter schon längst im "P"-Modus munter drauflos fotografiert und blitzt (Meine Meinung: Bevor ich mit der Programmautomatik knipse, mache ich lieber überhaupt kein Bild).
FAZIT: Das Buch ist vielleicht für Leser zu empfehlen, die sich einen ersten groben Überblick über die Grundlagen der Fotografie und des Blitzens verschaffen wollen. Einen tieferen Einstieg schafft man damit nicht. Dies ist sehr schade, da thematisch ein sehr weiter Rahmen aufgespannt wird. Es fehlt nur leider der Tiefgang.