Aus der Amazon.ch-Redaktion
Beißen darf sie, aber nicht verletzen. Böse soll sie sein, und auch nicht verletzen. Das ist ein hoher Anspruch, den die Kunst an die Satire stellt. Georg Kreisler wird dem Anspruch mehr als gerecht.
Drei Satiren heißt das neue Buch des bereits betagten Autors im Untertitel. Und sagen wir es vorweg: Das Alter sieht man dieser Prosa keinesfalls an. Die zeigt sich so unverschämt judgendlich und frisch, dass mancher Pop-Literat -- so es solche jemals gegeben haben sollte -- wie ein AHV-Teenager aussieht. Musik, bildende Kunst und Literatur sind die Felder, auf denen Georg Kreisler die kleine Armada spitzer Federn aufmarschieren lässt. Klar, diese Satiren über den Kunstbetrieb hat man in der Form schon immer mal wieder gelesen. So richtig lustig sind sie aber nur, wenn sie von Georg Kreisler geschrieben worden sind. Der nämlich konnte schon in den 60er-jahren mit seinem unverschämt unschuldigen Blick am Piano dazu aufrufen, Tauben im Park zu vergiften. Sein Markenzeichen waren diese Auftritte im austriakischen Staatsfernsehen. Das glückliche Österreich hatte es tatsächlich noch besser, als es in der Prä-Haider-Ära einem Satiriker wie Kreisler noch eine Plattform anbieten konnte.
Obwohl, ein wenig mehr übertreiben hätte der in produktiver Unruhe ergraute Georg Kreisler schon dürfen. Am besten ist er, der das Vorkriegswien noch fest im Geblüt hat, wenn er den Konzertbetrieb karikiert, näher jedenfalls an den Texten über Literatur und bildende Kunst. Seine Liebe zur Musik nährt die Lust des Satirikers an der überspitzten Darstellung des Betriebs. Damit aber keine falsche Aufregung aufkommt: Kreisler verpackt diese Satire in kleine Geschichten, die man sich quasi am Ring spazierend erzählen könnte, bissig: weil sie aus dem Dunstkreis der eigenen Biografie Kreislers stammen mögen. Hingegen überzeugen die Satiren zur Kunst und zur Literatur weniger. Da ist der in Konzerten geübte Kabarettist wohl weniger zu Hause gewesen in seinem Leben oder hat öfter mal die Anschrift gewechselt. Lesenswert ist es allemal: Dass einer die Energie aufbringt, sich über etwas zu mokieren, was die Welt im Innersten nicht mehr zusammenhält, dazu braucht es wohl etwas mehr als Fleiß. Es braucht auch Mut dazu -- und dem Künstler gebührt dafür das, was ihn im Innersten zusammenhält: Applaus. --Carlo Bernasconi
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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»Scharfsinnig und scharfzüngig« NDR