Wow, dieses Album bewegt. Sei's der energisch wippen-wollende Fuß, Herz oder Hirn. Nagels poetische Ader hat mal wieder wunderbare Textperlen hervorgebracht. "Ich tauche in die Strömung. Flüsse voller Leidenschaft enden in Seen voller Sucht..." Wie er das bloß immer schafft. Nebenbei werden Muff Potter mit dem Alter auch versöhnlicher. "Heute wird gewonnen, bitte" schlägt deutlich ruhigere Töne an als die "Bordsteinkantengeschichten". Dabei entstehen dann großartige Pop-Punk-Balladen wie "Das Ernte 32 Dankfest", "Bis zum Mond" oder "Elend #16". Experimentierfreude (zum Beispiel durch den Einsatz von Klavierbegleitung oder Sängerin Jule) ersetzt die wütende Attitüde. Auf dem aktuellen Album finden sich nur einzelne Kracher ("Placebo Domingo") und auch sprachlich geht's weniger roh zu. Gossenslang gibt's nicht bei Gefühlsbonzen. Dafür aber jede Menge Songs, die in ihrer Direktheit und Emotionalität einfach mitreißen.