Daß Thomas Karsten ein großer Fotokünstler ist und Kultstatus besitzt, ist unbestritten. Diesen Status hat er sich vor allem durch seine schwarz/weiß Projekte in der Vergangenheit erworben. Er vermochte immer eine sehr glaubwürdige Intimität in seinen Bildern herzustellen. Er und seine Modelle stellten eine organische Einheit dar. Er schaffte es oft, teilhabender Beobachter zu sein, nur sene Modelle wirken zu lassen, sich selbst in den Hintergrund zu rücken. Eine wahre Kunst, die nur wenigen Großen gelingt.
Dieses jüngste Projekt mit unzähligen nackten Jugendlichen und Jungerwachsenen spiegelt jedoch keineswegs seine vergangenen Arbeiten wider. Daß dieses Buch voll mit Amateuren ohne Kameraerfahrung ist,ist eine reine Tatsache und kein negativer Kritikpunkt. Die Frage die sich jedoch stellt ist folgende: Wie setze ich eine Idee um und bleibe weiterhin authentisch? Thomas Karsten ist in diesem Projekt derjenige, der seinen Modelle sagt wie sie sich zu verhalten haben, wie sie in die Kamera schauen müssen. Seine sonst so geniale Haltung des "bloß leise babei seins" wird hier ersetzt durch große Lautstärke. Die jungen Modelle bekommen ihre Anweisungen, er knipst. Das es nicht allein an den Jugendlichen liegen kann, daß viele Bilder so gekünzelt wirken und kaum eine intime Atmosphäre sich aufbaut, ist klar. Dieser Band erinnert mich ein wenig an den Schulfotografen, der ein Klassenbild schießen möchte. Mit viel cheeees und wenig Spannung.
Die Qualität des Einbandes und Papieres ist sehr gut. Der Preis bei diesem hohen Personalaufwand gerechtfertigt. Zu empfehen für "Liebhaber" nackter Jugendlicher.