*Das letzte, was die junge Frau hörte, ehe sie endgültig das Bewusstsein verlor, waren die machtvollen Schläge der "Bummerin", die das Neue Jahr einläutete. Sie kamen aus den Rundfunk- und Fernsehgeräten jener Menschen, die den Jahreswechsel zu Hause feierten und ihre Fenster geöffnet hatten, um das bunte Treiben auf der Straße beobachten zu können. Oder auch nur, um etwas von der herrlich frischen, kalten Luft in ihre verrauchten, überheizten und leicht säuerlich riechenden Salons und Wohnzimmer zu holen ...*
~~~~~~~~~~
Zum Inhalt: Das neue Jahr fängt für Inspektor Wallner und seinen 'kriminalistischen Berater' Mario Palinski gleich hektisch an. Die Leiche einer jungen Frau wird aufgefunden, und nach kurzer Zeit stellt sich heraus: Sie hat vor kurzem ein Baby entbunden. Und umgehend beginnt die hektische, fieberhafte Suche nach dem eventuell unversorgten Säugling.
Eine erste Spur führt in ein bekanntes Wiener Heurigenlokal ...
~~~~~~~~~~
Themenhintergrund: Wien ist die einzige Großstadt der Welt, die eine eigene Weinbauregion darstellt. Hier reifen vor allem die Sorten Riesling und Weißburgunder. Von den jährlich rund 25.000 Hektolitern produzierten Weines werden an die 90 Prozent über den "Heurigen" direkt verkauft. Das sind immerhin 9 Millionen "Vierterln".
Der Begriff "Heuriger" ist inhaltlich doppelt besetzt. Da ist einmal diese typische Wiener Lokal-Institution, deren rechtliche Grundlage im Wesentlichen auch heute noch das 1784 von Joseph II. mit Patent erlassene Buschenschankgesetz darstellt. Dieses sah vor, dass die Winzer zu ganz bestimmten Zeiten im Jahr ihren Eigenbauwein ausschenken konnten. Dazu durfte und darf der Weinbauer auch heute noch nur ein sehr beschränktes Speisenangebot führen. Das Zeichen für dieses Privileg war ein über der Türe ausgehängter Föhrenbuschen oder -kranz.
Der Begriff "Heuriger" steht aber auch für den 'jungen Wein', den Wein der letzten Lese. Echte Heurigenlokale sind heute nur mehr selten zu finden. In der Regel trifft man in Grinzing, Sievering oder Stammersdorf auf ganz normale Gastronomiebetriebe, die sich mit dem Zusatz *Heurigen-* schmücken. Hier wird vor allem zugekaufter Wein ausgeschenkt.
~~~~~~~~~~
Fazit: Ein weiterer spannender Kriminalroman von Pierre Emme - und eine neuerliche Reiseempfehlung für Österreich.
Eine bemerkenswerte Kombination ... Fortsetzung folgt hoffentlich ...
Es grüßt -- Reinhard Busse