Den Wienern wird der Hang zur Morbidität nachgesagt, zum gemütlichen und doch furchtbar bösen Weana-Schmäh. Nun, ob Klischee oder nicht, was wir hier hören ist erschreckend menschlich, manchmal fast banal, aber nur fast - und gerade deshalb so treffend und furchtbar schaurig schön.
Die Auswahl der Lieder ist breit gestreut - von Bänkelsängen aus dem späten 19. Jahrhundert bis Bronner-Kabarett.
Das berühmte und äußerst schwer verdauliche Krüppellied von Peter Hammerschlag wird mit Qualtingers Stimme noch gänsehauterregender als der Text ohnehin schon verursacht, Mayerling - die gesungene Geschichte der letzten stunden des Kronprinzen Rudolf - versetzt im Qualtinger-Heller-Duett fast direkt in die "halbselige" und furchtbar morbide Monarchie und dass die "Hausherrnsöhne" auch musikalisch alles hinten rein geschoben bekommen, ist auch kein Wienspezifikum.
Der langen Rede kurzer Sinn - wer der österreichischen Sprache nicht mächtig ist, wird sich mit den Texten schwer tun, aber Wienliebhaber oder -hasser oder auch nur irgend einen Bezug zur Stadt der Leichenflederer und Pomfünewerer (Sargträger) muss man nicht haben, um diese CD zu verstehen. Und - nun, nicht zu lieben, dazu ist sie teilweise zu böse und grauslich zum harmoniesüchtigen Teil des Ichs - aber zu hören - immer wieder.
Wenn ich mal trüber laune bin, wie's im Krüppellied so schön heißt, oder wenn mir die Spaßgesellschaft zu guter Laune ist, oder - ach, es gibt unheimlich viele Gründe diese CD immer und immer wieder zu hören.
Auch und nicht zuletzt, weil der junge Heller mit der "Glöckerlstimme" den alten ordinär krächzenden und rundherum genialen Qualtinger sehr gut unterstützt.