Vorwort
Auf los geht's los
Den hessischen Löwen an die Leine genommen und auf geht es, um das Bundesland im
Herzen Deutschlands zu erobern. Löwen sind stark und eigenwillig, sie gelten als
die Könige der Tiere. Wer sich den Löwen zum Wappentier wählt, will genauso
stark und frei sein wie er.
Der Erste an der Spitze des Landes mit dem Löwen im Wappen war ein Kind. 1248
wurde der vierjährige Heinrich in Marburg zum Herrn der neuen Landgrafschaft
Hessen bestimmt. Seitdem hat sich viel verändert, auch die Grenzen sind andere.
Das heutige Hessen hat rund sechs Millionen Einwohner und ist das fünftgrößte
Bundesland Deutschlands. Es liegt zwischen dem 51. und dem 49. Breiten- bzw.
zwischen dem 8. und 9. Längengrad. In der Nord-Süd-Richtung ist es an seiner
längsten Stelle stolze 255 km lang, und seine größte Breite beträgt 210 km.
Hessen mit den Gebirgszügen und Tälern von Kellerwald, Meißner, Rhön,
Vogelsberg, Taunus, Spessart und Odenwald ist das waldreichste deutsche
Bundesland. Manch schönes Stück Natur gibt es hier zu entdecken. Zugleich haben
Fortschritt und moderne Technologie Einzug gehalten. Wo einst Kelten, Römer und
Germanen siedelten, sind Großstädte entstanden, gibt es Autobahnen, Trassen für
su perschnelle ICE-Züge, Flughäfen und Fabriken. Die höchsten Gebäude sind nicht
mehr Kirchen, sondern Fernsehtürme, Bürohäuser und Banken. Knapp sechs Millionen
Einwohner hat Hessen, rund 600.000 davon sind Kinder zwischen sechs und 15
Jahren.
Berühmte Hessen
Bedeutsames gab es in Hessen schon immer. Bereits in der Jungsteinzeit war die
Region besiedelt, im Mittelalter entstanden Klöster, Burgen und Städte. Spuren
aus grauer Vorzeit können vor Ort oder in den Museen besichtigt werden. Wichtige
Leute erblickten in Hessen das Licht der Welt. Goethe beispielsweise oder die
Brüder Grimm, die berühmt wurden durch ihre Märchensammlungen. Oder Philipp
Reis, der das Telefon erfand.
In Hessen lebten schon immer kluge Kinder. Die Malerin und Naturkundlerin Maria
Sibylla Merian zum Beispiel, die es sich als Dreizehnjährige zur Aufgabe machte,
das Leben der Raupen zu erforschen. Oder der Chemiker Justus Liebig aus
Darmstadt, der schon als Junge ganz viel über Chemie wusste. Oder das jüdische
Mädchen Anne Frank aus Frankfurt, die, hätte sie überleben dürfen, bestimmt
einmal eine große Schriftstellerin geworden wäre.
Frankfurt erinnert an sie in der nach ihr benannten Jugendbegegnungsstätte. In
einer Ausstellung, die rund um das von Anne hinterlassene Tagebuch entwickelt
wurde, kann der Besucher den Spuren dieses ungewöhnlichen Mädchens folgen.
Von den meisten Kindern früherer Epochen weiß man allerdings leider nichts, denn
den Erwachsenen damals galten Kinder oft wenig. Sie sollten nur schnell groß und
erwachsen werden. Dass ihnen besondere Achtung entgegengebracht, Freiräume und
Rechte eingeräumt werden müssen, entsprach nicht der allgemeinen Vorstellung.
Daran hat sich inzwischen einiges geändert und in Hessen hat man dabei kräftig
mitgewirkt. In Frankfurt beispielsweise entstand 1972 das erste Kindermuseum der
Bundesrepublik. Vorbildcharakter hat hier auch das 1991 eingerichtete Kinderbüro
mit einer Rechtsberatung für Kinder. Um Kinderbelange kümmern sich inzwischen
auch in Kassel, Darmstadt oder Oberursel eigene Kinderbeauftragte, während
Wiesbaden vor Jahren schon die Aktion "Kinderstadt" entwickelte. Dort haben sich
Kinder auf kreative Weise mit Problemen in ihrem Stadtteil befasst. Manches
wurde aufgrund ihrer Vorschläge verändert. Eine feste Interessenvertretung hat
die junge Generation inzwischen bei Kinderforen und in Jugendparlamenten wie in
Kied rich, Lauterbach, Offenbach oder Wetzlar.
Zum Umgang mit diesem Buch
Bei der Auswahl unserer Reisetipps wurden vor allem die Belange von Kindern
berücksichtigt, deshalb mag aus der Sicht der Großen vielleicht die eine oder
andere historische oder kulturelle Attraktion fehlen. Die beschriebenen Ziele
von Süden nach Norden sind nach Regionen geordnet. Sie enthalten Städteportraits
und Hinweise auf interessante Museen, Burgen, Tierparks, Höhlen, Badeseen,
Spielplätze und Kinderkulturaktionen. Stichwortverzeichnisse am Ende des Bandes
erleichtern die Übersicht. Auch einige Firmenbesichtigungen haben wir mit
aufgenommen: Traditionsreiches Handwerk oder moderne Technologie kann
mancherorts besichtigt werden.
Wichtig war uns bei der Auswahl auch, dass wir Ziele vorstellen, deren Besuch
wenig oder gar nichts kostet und die bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu
erreichen sind.
Zu Anfang jedes Kapitels findet sich die Adresse des zuständigen
Fremdenverkehrsamtes. Zu allen Reisezielen, die im Text kursiv gedruckt sind,
stehen am Rand Adresse, Telefonnummern, Öffnungszeiten und Eintrittspreise. Ins
Gepäck gehören Picknickzubehör und Plastiktüten für Müll oder besondere
Fundstücke. Wenn Höhlen besucht werden, ist auch eine Taschenlampe hilfreich.
Eine Lupe und ein kleiner Spiegel helfen dabei, Pflanzen oder Gesteine genauer
zu erforschen. Zusätzlich sollten Landkarten und - je nach Jahreszeit -
eventuell ein Vogel- oder Pilzbestimmungsbuch mitgenommen werden. Vielleicht
auch das jeweilige Buch mit Märchen oder Geschichten, auf das wir neben
Bastelanleitungen und Kochrezepten in unserem Extra-Tipp für Kinder verweisen.
Ganz wichtig für einen Ausflug ist natürlich die gute Laune. So ausgerüstet,
wird der Ausflug mit "Hessen für Kinder" unbedingt ein Erfolg.
Wer mitgemacht hat
Der vorliegende Band ging aus einer Sendereihe im Kinderprogramm des Hessischen
Rundfunks hervor, die im Zeichen des Dinosauriers stand. Die Reihe enthielt
Ausflugstips für die ganze Familie. Dafür machten Beiträge und schrieben Texte:
Rüdiger Bischoff, Thomas Korte, Norbert Interwies, Martin Lauer, Kerstin Müller,
Anke Neuzerling, Tanja Rösner, Gudrun Rothaug, Cornelia Schwarz-Mager und Waia
Stavrianos. Das Buch liegt nun in seiner vierten Ausgabe vor, komplett im Text-
und Serviceteil aktualisiert und um viele Ziele erweitert. An diesem Buch
wirkten neben Heike Kraft und Gudrun Rot haug auch Ivonne Domnick und Friedrich
Edinger mit. Die Fotos überließen uns erneut freundlicherweise die Hessische
Staatskanzlei, das Vortaunusmuseum Oberursel, die Fremdenverkehrsämter und
-verbände. Außerdem fotografierten Heike Kraft, Gregor Ottawa, Gudrun Rothaug,
Cornelia Schwarz-Mager, Alfred und Petra Widmayer.