Herztier von Herta Mueller habe ich mehrmals gelesen. DieSprache ist sehr bildhaft, derb, einfach wunderbar. Ohne jedeSpekulation, aus dem Bauch heraus werden Personen, Gespraeche, Handlungen beschrieben. Die Direktheit mit der die Autorin schreibt ist verblueffend, faszinierend. Die Tage, Jahre, vor der blutigen Revolution in Temeswar 1989 werden anhand der Citoyen dieser mehrsprachigen alten kakanischen Stadt beschrieben. Das persoenliche Erleben ist nicht zugedeckt, erdrueckt, durch die grausame Finsterniss im rumaenischen Balkankeller Temeswar vor 1989. Die verbogenen Lebenslaeufe sind anhand der grell gezeichneten Frauenfiguren einfuehlsvoll beschrieben. Es ist nicht der harte Sound in Herta Muellers Romansprache der die Figuren antreibt, es ist das Erlebte der Autorin selbst das hier zu Sprache wird. Das die nationalkommunistische rumaenische Balkandiktatur aus dieser mehrsprachigen Stadt eine tote Oeffentlichkeit bis zum Dezember 1989 gemacht hat wird anhand der Figuren deutlich. Das Unheilvolle liegt in der Atmosphaere dieser 1980er Jahre. Die Romanzeit der Autorin ist diese Zeit in dieser alten kakanischen Stadt, die seit 1918, einer der vielen europaeischen missglueckten Grezverschiebungen, rumaenisch als oeffentliche Administrationsprache hat. Aehnlich wie Franz Kafka ist die Autorin sehr sensibel, was die oeffentliche und veroeffentlichte Sprache der Figuren betrifft. Im Hintergrund ist der Mundgeruch der rumaenischen Securitete /Staatsgeheimpolizei, zu spueren. Ich habe einige Lesungen der Autorin mitgemacht, in Heidelberg und Stuttgart. Herta Mueller liest vor vollem Haus. Ihr Publikum hat sie ueberall in der Bundesrepublik und den deutschsprachigen Laendern. Ihr Roman Herztier ist eine Homage an die mutigen, lebenshungrigen Citoyen der multikulturellen Stadt Temeswar der 1980er Jahre. Herta Mueller wurde 1987 "ausgebuergert". Ohne sie ist diese Stadt um eine Literatursprache aermer. Es ist heute eine andere Stadt, ohne die Bewohner die vom Nationalkommunistischen Rumaenien als Devisenbringer gegen Kopfgeld verkauft wurden. Der Schmerz ist den Roman-Figuren eingebrannt. Es sind authentisch, glaubwuerdige Bewohner einer osteuropaeischen Region vor 1989. Herta Muller hat die Aufmerksamkeit und Auszeichnungen nach 1987 verdient. Ihre Romansprache ist der Sound dieser Zeit. Ich habe bei ihr auch bei den Literatur-Lesungen nie einen Hauch von Spekulation welcher Art auch immer, gespuert. Ihre Direktheit praegt ihre Wortstellung. Auch in den Interwiews. Ihr Roman ist mir sehr lieb geworden.